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Rollenspiel

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In diesem Blog hier, geht es dann tatsächlich mal nur um das Rollenspiel "Das schwarze Auge".Hier findet Ihr z.B Tagebucheinträge meiner Charaktere oder was wir gerade so spannendes in unserer Gruppe machen :o)

Leandro III

Geschichten Posted on Sun, July 05, 2015 21:51:23

Es war einsam so ohne “Familie” in Trallop. Die Schule lenkte ihn nur wenig ab. Die Buchhaltung war langweilig. Vor allem aber lenkte sie nicht ausreichend ab. Hitta kam ihm dabei immer wieder in den Sinn. Er hatte doch wirklich mal alles richtig gemacht, aber sie wohllte ihn nicht mehr sprechen. Zu allem Überfluss hatte ihr Bruder ihm deutlich gemacht, dass er sich nicht mehr blicken lassen müsse. Fechtlehrer hin oder her – gegen eine Horde Tralloper würde sich der almadanische Weiberheld auf Dauer nicht verteidigen können behauptete er. Und hatte damit vermutlich Recht. Dabei wollte er sich nur entschuldigen. Nichts weiter. Er wusste mittlerweile, dass nicht Hitta die Frau seiner Träume war. Im wahrsten Sinne des Wortes. Doch diese Träume waren komisch. Sie erinnerten ihn – wie so vieles – an Neraida.
Dennoch schienen die Träume wichtig. Sie waren nicht ganz so wie die von Neraida. Nicht von Phex. Da war er sich ganz sicher. Wenn ihn nicht alles täuschte hatte Rahja die Hände im Spiel. Dabei war doch Boron der Herr der Träume!
Glücklicherweise konnte er sich Rat im Tempel holen. Wenn Trallop auch sonst nicht viel zu bieten hatte, einen Rahjatempel hatte diese Stadt vorzuweisen.
Der Rat des Geweihten war jedoch nur schwammig. Zumindest für ihn. Queste, Rahja, Liebe, Kampf und Ehre. Das waren die Worte, die er aus der Rede aufschnappte, dabei ging der Sinn zwischen den Worten für ihn großteils verloren.
In den nächsten Wochen wurde eine Dame aus einem Bordell eine gute Freundin.
Sie lenkte Leandro ausreichend von den Frauen und seinen Träumen ab und stellte nicht viele Fragen. Dennoch kam es gelegentlich zu Gesprächen, die die Deutung des Rahjageweihten irgendwie bestätigten. Er musste hier weg, so viel stand fest. Doch wie? Was war mit der Schule?
Er hatte noch keine Lösung gefunden, doch seine Träume schienen drängender zu werden.

Brief an Juan:
“Rahja mit dir und den Deinen, Juan!
Ich schreibe dir um dir ein paar Dinge zu erklären. Deine Schule steht noch, mach dir darum keine Sorgen! Die Geschäfte laufen ganz gut, aber die Menschen hier vermissen dich und auch Brin. Er war wohl ein ziemlicher Aufreißer! Wusstest du das?
Es ist gut, dass du Neraida bei dir hast. Sie wird euch hoffentlich von schlimmen Fehltritten fern halten und Brin genug beeinflussen, dass er nicht so…. almadanisch… wird, wie wir. Grüß Neraida von mir!
Dennoch hat es einen Grund, dass ich mich mit diesem Brief an dich wende. Ich kann nicht länger bleiben. Hitta will nichts mehr mit mir zu tun haben und ich kann es ihr nicht verdenken. Letztlich weiß ich aber auch, dass mit uns auf Dauer nichts geworden wäre. Rahja scheint etwas anderes für mich im Sinn zu haben.
Ich habe hier bereits alles so geregelt, dass eurer Fechtschule nichts geschieht. Ich werde m ich zwischendurch b ei euch melden und so Rahja es will auch gelegentlich wieder bei euch vorbei schauen.
Ich hoffe wir sehen uns bald einmal wieder – so Rahja es will.
Pass auf die Deinen auf!
Leandro”



Forschungen

Isida Posted on Sun, July 05, 2015 20:57:48

In letzter Zeit habe ich sträflich meine abendlichen Spaziergänge vernachlässigt. Aber ich hatte auch guten Grund dazu!
Ich half dem Sohn eines Großbauern, der mich und meine Dienste auf Dauer nicht hätte bezahlen können. Der junge Mann, er ist wohl gerade einmal 17 Götterläufe alt, war vom Heuboden gefallen und hatte sich dabei einen Arm gebrochen. Als ich ihm eine Schiene anlegte, erzählte ich dem Vater von meinen Forschungen und er sagte mir, dass er einen Baumeister kenne. Dafür, dass ich mich um seinen Sohn kümmere, bis der Arm verheilt sei, würde er mich mit ihm bekannt machen. Welch ein Glücksfall! Den ich natürlich annahm!
Wie sich herausstellte, kommt Lehm ni cht in Frage, aber Gips! Der wird zur Füllung im Hausbau benutzt und härtet gut und schnell – ganz ohne hohe Temperaturen, wie beim Lehm brennen.
Ich schrieb direkt an das anatomische Institut mit der Bitte, sie mögen meine Forschungen aufnehmen. Sie können viel schneller und besser mit dem Material forschen, als ich es hier kann.
Dennoch habe ich vom Baumeister eine kleine Menge Gips in pulvriger Form bekommen. Man mischt ihn mit ein wenig Wasser und lässt es dann trocknen. Soweit so gut! Aber wie bekommen wir das jetzt z.B um einen Arm? Ohne, dass es einfach herunterläuft, ehe es fest wird? Und wenn ich weniger Wasser benutze bein anmischen, wie bekomme ich es wieder vom Arm ab? Ich denke da an eine Polsterung. Vielleicht ein Tuch als unterste Lage? Aber wird das nicht durchweichen? Ich werde es in den nächsten Tagen weiter testen. Dafür habe ich mir ein paar Äste und alte Tücher organisiert. In der Werkstatt des Baumeisters habe ich einen kleinen Platz gefunden, an dem ich arbeiten darf. Gemeinsam mit den hoffentlich schon bald beginnenden Forschungen am Institut sollte es schnell zu Ergebnissen kommen!

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Tag 1: Gips zu flüssig, rutscht am Ast ab. Tücher werden völlig durchgeweicht, härtet nur unzulänglich.
Tag 4: Verschiedene Mischverhältnisse getestet, ehe ich wieder Äste und Tücher verschwende, ohne Ergebnisse zu erzielen. Verhältnis von 3:1 oder 4: 1 scheint gut. (3/4 Teile Gips, 1 Teil Wasser). 20 Minuten zu einer annehmbaren Härte.
Tag 6: Ohne Tuch will der Gips sich nicht recht lösen. Abklopfen scheint eine blöde Idee in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um Brüche handelt!
Tag 10: Das anatomische Institut hat es mit der Antwort ziemlich eilig gehabt. Seeweg geht schnell. Kein Interesse an meinen Forschungen, es gäbe wichtigeres – ärgerlich. Eventuell habe ich mehr Erfolg, wenn ich Erfolge berichten kann?
Tag 11: Schleppend. Bauersjunge lässt mich ständig rufen. Braucht wohl Aufmerksamkeit. Vater glaubt, meine Forschungen müssten doch schneller gehen. Schnellere Heilung geben nur Heilmagier – die sind aber deutlich teurer als ich. Erkläre ihm, dass deren Kraft teuer ist, weil sie letztlich nichts anderes ist, als die Kraft, die er benötigt um seine Felder zu bestellen. Scheint nicht der Hellste zu sein. Hat aber seinen Sohn für das ewige Rufen lassen gerügt. Solle sich Frau in seinem Alter suchen und nicht eine Medica aus dem Horasiat. Ich bin verwirrt.
Tag 14: Gemetzel! Messer sind nicht geeignet, den Gips später wieder vom Ast zu lösen. Gips, Tuch und Ast beschädigt. An einem echten Arm wäre das eine tiefe Wunde geworden. Wird Zeit für eine Pause und Spaziergänge um einen klaren Kopf zu bekommen. Ich vermisse sogar schon den alten Almadaner. Mit ihm kommt man immer auf ganz andere Gedanken.



Sauberkeit

Isida Posted on Fri, June 26, 2015 14:36:48

Immer wieder trifft man hier auf neue Leute. Das ist spannend. Es scheint ein Durchreiseort zu sein. Ich werde hier sicherlich länger verweilen als an anderen Orten.
Leider trifft man aber auch auf gruselige, ungewaschene Gestalten! Und das zwischen einem edel aussehenden Krieger aus dem Bornland und einem so galanten Herrn wie Juan. Ich konnte ihn kaum ansehen. Überall dieser Dreck! Armut heißt doch nicht, dass man sich nicht zwischendurch sauber halten kann, oder? Natürlich weiß ich, dass es arme Menschen gibt. Aber wundert es denn jemanden, wenn solche dreckigen Menschen keine finden?
Kommen wir aber zum Anfang. Die drei Herren hatten es sich an einem Lagerfeuer in der Nähe des Wasserfalls bequem gemacht. Scheinbar hatten sie gerade Würstchen darüber gebraten. Glücklicherweise hatte ich bereits gegessen, ich hätte mit diesem Alrik im Blick sicherlich nichts hinunter bekommen! Als der Bornländer eine Flöte herausholte um darauf zu spielen, bat Juan mich um einen Tanz. Was kann dieser Mann bloß nicht? Ich habe ihn völlig unterschätzt! Er reist, er reitet, er schwimmt, er ist Fechtlehrer – jetzt noch… und dann tanzt er auch noch deutlich besser als ich! Ich hoffe inständig, dass ich keine all zu schlechte Figur dabei gemacht habe. Das wäre mir äußerst peinlich.
Wir setzten uns bald wieder und das Thema kam auf Frauen, aber man schweifte ständig ab.
Zu allem Übel kam auch noch ein Südländer mit einem deutlich al’anfanischen Akzent. Als er jedoch bemerkte, er sei wegen des Kräutersammelns hier, war ich ein wenig beruhigter. Gelehrte Menschen sind mir immer willkommen – Vorurteile hin oder her.
Irgendwie kamen wir auf Magie. Ich gebe zu, ich bin kein großer Freund der Magie, dennoch weiß ich um ihre Vorzüge und würde sie niemals verurteilen! Magie kann retten, was wir einfachen Medici nicht mehr retten können. Die Zusammenarbeit macht viel aus. Das muss ich zugeben und auch vertreten – alleine schon im Sinne der Akademie! Dieser schmuddelige Alrik erzählte etwas von einem Praioten in ihrem Dorf. Diese rückständigen Mittelreicher wieder! Magie ist nicht an sich schlecht, das predigt Ehrwürden Loriano zu Hause auch! Er erlaubte sogar den Einsatz magischer Kampftruppen! Und wenn Ehrwürden so etwas mit seinem Gewissen erlauben kann, dann kann das doch nicht verkehrt sein! Das ganze Mittelreich erscheint mir manchmal wie ein großes Dorf in denen Neuerungen keine Möglichkeit haben, angenommen zu werden. Bei HESinde! Auch wenn ich hier Forschungen betreiben kann, so zweifel ich doch, dass auch nur eine der Neuerungen die unsere Akademie herausbringt, hier angenommen werden würde.
Ein kurzer Aussetzer meinerseits kam auf, als der Thronfolgekrieg erwähnt wurde und mir beinahe rausrutschte, dass der Marschall damals von den Almadanern ermordet wurde. Das klang wie ein Vorwurf, den ich doch keinem der hier Anwesenden machen kann. Im Gegenteil! Eigentlich waren es wir selber, die dafür sorgten, dass den Almadanern eine Tür offen stand, bei uns anzugreifen!
Ich schweife schon wieder viel zu sehr ab! Ich bin aber auch immer noch etwas aufgeregt.
Als dann auch noch der Krieger sehr plötzlich in Tiefschlaf fiel, bezeichnete mich Alrik als Hexe. Juan griff sofort ein, dass man sich einer Dame gegenüber so nicht verhielte. Ich wandte ein, dass wenn ich eine Hexe wäre, ich ihn wohl unlängst für ein Bad ins Wasser gehext hätte.
Ich! Eine Hexe! Bei Nandus, denkt nach, ehe ihr redet! Als würde eine Hexe sich einfach so zu einer so geselligen Runde setzen! Wo kommen nur solche Ideen her? Die treiben sich doch eher tief in irgendwelchen Wäldern herum und tanzen um Steinkreise, ähnlich wie diese männlichen Hexen – Druiden! Gut, dass es sowas bei uns im Horasreich kaum bis gar nicht gibt!
Zurück zum Thema. Juan musste sich verabschieden, seine Stute war wohl etwas unwillig. Aber es wurde auch schon spät.
Nach einer Diskussion über Reinlichkeit und Alriks Arbeitshaltung – schließlich gammelte er hier mit uns rum, anstelle sich zu waschen oder nach einer Arbeit zu suchen – überzeugte ich Alrik schließlich ein Bad zu nehmen und konnte nicht fassen, dass er wieder in seine dreckigen Sachen stieg. Ich versuchte ihn immerhin darauf hinzuweisen, dass er ja jetzt wisse, wie das mit dem waschen ginge und er seine Sachen dann morgen reinigen könne. Er habe kein zweites Paar Kleider. Ich war schockiert! Der Pflanzensammler, dieser ich bin mir fast sicher Al’Anfaner, reichte ihm aus seiner Tasche eine Hose und ein Hemd. Mir war bereits aufgefallen, dass er ziemlich feine Kleider trug, aber so kennt man die Al’Anfaner ja. Wie diese Leute in Vinsalt aus dem Kontor dieser Grandenfamilie.
Ich fand diese Geste war sehr heldenhaft! Immerhin konnte man Alrik jetzt schon wieder ansehen, ohne gleich einen Brechreiz zu verspüren!
Man verabschiedete sich dann auch und ich zeigte dem Südländer und seiner Katze den Weg zum Gasthaus.
Apropos die Katze. Das sind wirklich schöne Tiere und es machte fast den Eindruck als würde sie sehr genau verstehen, was der Al’Anfaner ihr sagte. Ich wagte sogar meine Hand nach ihr auszustrecken, als sie aus einiger Entfernung an mir rumzuschnuppern versuchte. Zu gerne hätte ich etwas mehr über die Anatomie dieser Tiere gelernt. Sie schien ja sehr zahm und beim streicheln hätte das sicherlich einiges an Erfahrungen mit sich gebracht. Blöderweise zuckte ich zurück, als sie anfing mich abzuschlecken. Gruselig! Ich muss mir wirklich etwas einfallen lassen. Sauberkeit in allen Ehren! Sie ist wichtig und richtig, vor allem, wenn man mit Patienten arbeitet. Das bestätigen all unsere Forschungen am Institut! Ich glaube allerdings, dass sie uns die Reinlichkeit ein wenig zu sehr eingebläut haben.
Es macht mir schließlich auch nichts aus in einer Wunde herumzuwühlen oder – Boron möge unseren Forscherdrang verzeihen – an den Toten zu forschen! Allerdings sind das auch wieder ‘saubere’ Sachen und man wäscht sich vorher und nacher gründlich. Dennoch! Wenn ich demnächst mit Lehm oder anderen Materialien rumprobieren möchte, sollte ich mir das ein wenig abgewöhnen!



Spaziergang

Isida Posted on Mon, June 22, 2015 12:59:19

Tage voller Arbeit und Forschung! Es sind immer noch hauptsächlich die kleinen Wehwehchen, die ich hier zu behandeln habe. Es ist interessant, wie zimperlich mancher gestandene Mann ist. Ein eingewachsener Zehnagel musste versorgt werden. Dazu war nur ein winzig kleiner Schnitt nötig! Ich musste weder reißen, noch den Fuß amputieren. Doch wie letzteres klangen die Schmerzensschreie des Mannes. Ich kann nur hoffen, dass das seine schwerste Verletzung bleibt. Eine Händlerfamilie mit nur einem Kind war ebenfalls ein Fall. Was machen die sich unnötig Sorgen, nur weil der junge Mann eine Triefnase hat. Wärme und Tee sollten da reichen! Und noch das ein oder andere kleine Wehwehchen füllten den Tag. Eine Dame wehrte sich vehement, als ich ihr erklärte sie sei schwanger. In ihrem Alter schimpfte sie, dabei war sie gerade 30! Vermutlich wollte sie einfach nicht wahrhaben, dass Kind Nummer 8 unterwegs ist. Nach der Schwangerschaft könne sie Rahjalieb nehmen, um das zu verhindern. Da momentan außerdem ein Tsageweihter im Gasthaus ist, habe ich sie an ihn verwiesen. Ein wenig Unterstützung, vor allem seelischer Natur, kann sicher nicht schaden.
Außerdem habe ich mich draußen noch weiter umgesehen. Dabei kam ich an einen übel riechenden Sumpf. In der Nähe sah der Boden lehmig aus, was mich auf die Idee brachte, dass man forschen müsste, ob man den nicht auch ohne brennen härten könnte. Ich muss vielleicht mal mit einem Baumeister sprechen, ob es da Möglichkeiten oder andere Stoffe gibt, die dafür genutzt werden könnten. Die Idee dahinter ist eine Art Kasten oder Röhre für ein Bein oder einen Arm, der gebrochen ist. Anstelle einer Holzschiene, mit der man nur mäßig die Extremitäten so sichern kann, dass sie wirklich bewegungsunfähig sind, wäre man in so etwas doch deutlich gesicherter. Ein wenig Polsterung und das Ganze würde Sinn ergeben. Nur kann man ja schlecht das Bein oder den Arm in einen Brennofen schieben! Und noch eine offene Frage: Wie bekommt man diesen Kasten dann wieder ab, ohne den Patienten zu verletzen? Schwierig, aber nicht unmöglich! Ich behalte das im Kopf. Vielleicht führt Aves einen Baumeister oder Handwerker einmal in meine Richtung!
Und nach diesem anstrengenden Tag traf ich im Gasthaus noch auf Juan. Wir unterhielten uns etwas und machten noch einen Spaziergang. Ich bin mir sicher, er flirtete mit mir. Er ist ein wirklich lieber, alter Mann. Seine Frau muss stolz auf ihn sein! Irgendwie ging es viel mehr um mich, als um ihn. Erfrischend, wenn man bedenkt, dass ich den Rest des Tages fast ausschließlich über andere rede.
Dennoch ärgert es mich etwas. Ich glaube, sein Leben war, und ist es noch (!), sehr spannend. Ich erzählte ihm ein wenig aus meiner Jugend. Wie mein Bruder mich an den Haaren wieder nach Hause schliff, wenn ich mal wieder mit einem meiner Verehrer davon schlich. Immer dann, wenn unsere Eltern nicht da waren. Es schien als habe Juan mich so nicht eingeschätzt. Ich wirke vielleicht doch strenger als gedacht. Das wäre furchtbar!!! Vielleicht hatte unser “Kindermädchen” mehr Einfluss auf mich, als gut gewesen ist!
Es war schon eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte! Aber auch die Zeit jetzt ist schön. Ich genieße es mit Juan spazieren zu gehen. Die Gespräche lenken von dem normalen Alltag ab und scheinen mir doch ein wenig wie Patientenbetreuung. Etwas, was ich immer sträflich vernachlässigt habe. Aber dafür waren die jüngeren Semester zuständig oder die Helferinnen. Ich sehe mich allerdings auch viel mehr in der Forschung als in der Betreuung der Patienten. Hesinde, nicht Peraine, leitet mich!



Wasserfall

Isida Posted on Fri, June 19, 2015 09:49:08

In den letzten Tagen habe ich mich mit dem Ort vertraut gemacht. Hier gibt es einen wunderschönen Wasserfall an einem See. Ich war sogar darin schwimmen. Es ist wahnsinnig kalt um diese Jahreszeit, aber wenn man sich daran gewöhnt hat und in Bewegung bleibt, sehr angenehm. Äußerst interessant war eine junge Elfe (nein, Halbelfe!), die ich dort traf. Wie viel hat man schon von den Spitzohren gehört. Einige Wenige leben auch bei uns in den Städten, aber ich wüsste nicht, je einem begegnet zu sein. Und ich würde mich garantiert erinnern! Es sind wirklich hübsche Wesen. Aber ich traf sie nicht alleine. Auch ein alter Almadaner war dort. Das erinnerte mich an Signora Sefira aus dem Gasthaus. Und ich musste feststellen, dass sie Recht hatte! Ich schätzte ihn auf über 60, ein wahrlich stolzes Alter, dennoch ein Kavalier, wie er im Buche steht. Wir unterhielten uns ein wenig, während die Halbelfe sich um das Pferd des Almadaners kümmerte. Ich habe noch nicht einen Stallburschen gesehen, der sich so um Pferde kümmerte. Ich bin wirklich (!) beeindruckt und es erinnert mich daran, dass ich unbedingt noch eine Zeichnung anfertigen muss um den Körperbau der Halbelfen festzuhalten. Sie unterscheiden sich anatomisch ein ganzes Stück von uns. Ob es hier in der Nähe wohl einen Tempel oder eine Akademie mit einer Bibliothek gibt? Das würde es mir erleichtern! Aber zurück zum Thema:
Die junge Halbelfe erzählte eine etwas wirre und sicherlich wilde Geschichte. Sie ist wohl bei ihrer elfischen Mutter und ihrer Sippe aufgewachsen, hat aber bei ihrem menschlichen Vater, einem Stallknecht, für irgendwelche wichtigen Menschen gearbeitet. Und das in Almada. Ich kann verstehen, dass man die Halbelfe für die Ausbildung der Pferde eingesetzt hat. Wer das einmal beobachtet hat, muss zu diesem Schluss kommen. Deswegen finde ich es äußerst verwirrend, dass die Herren nicht auf die Halbelfe gehört hatten, der “wichtige Mensch” vom Pferd stürzte und die anderen Menschen sie aufknüpfen wollten und sie eines Mordversuchs bezichtigten. Bauern, allesamt diese Mittelreicher! Wer kommt darauf?
Wobei ich gestehen will, dass die Halbelfe einfach überhaupt nichts über die Menschen weiß, geschweige denn ein Verständnis für unser Verhalten hat! Vielleicht hat sie es auch nur fehlinterpretiert. Aber sei es, wie es sei. Die Halbelfe war hier, war verwirrt und hatte keinen Schlafplatz, geschweige denn irgendwen, der sich um sie kümmerte. Der Almadaner, Juan, und ich konnten sie überreden mit uns zum Gasthaus zu gehen. Wir sorgten dafür, dass sie einen Platz im Gemeinschaftsraum oder im Pferdestall bekommen konnte. Der Wirt war da sehr verständig. Dennoch war die Halbelfe unglaublich verängstigt!
Ich kann es ja ein bisschen verstehen, aber ich verstehe nicht, was ihr Vater ihr beigebracht hatte, dass sie kaum etwas verstand und das sie das nicht mit ihm klären konnte, ehe sie davon gelaufen ist. Wo war er als das passierte? Fragen über Fragen. Und gerade ihr Vater muss sich doch mit Elfen wenigstens ein wenig auskennen. Er hat ja schließlich eine Tochter mit einer!
Ich traf sie auch einen Tag später wieder. Ebenso wie Juan war sie wieder an dem Wasserfall. Sie hatte sich von dem Leibwächter, den wir am Abend zuvor noch im Gasthaus trafen, dazu überreden lassen, im Gemeinschaftsraum zu schlafen und beschwerte sich über die lauten Geräusche, die wir Menschen des Nachts machten. Was soll ich dazu sagen? Sie ist halb Mensch, vielleicht macht sie nur halb so viele Geräusche?
Wir einigten uns darauf, dass sie im Pferdestall schlafen würde und sich erst einmal um die Pferde des Almadaners und seiner Familie kümmern würde. Ich würde mich bei den Menschen im Ort umhören, ob jemand ihre Hilfe benötigen würde.
Apropos Almadaner und Familie! Ich bin beeindruckt! Schon wieder! In seinem Alter reist er noch mit seiner Frau und seinem Sohn umher und seine Frau scheint noch genauso agil zu sein wie er! Sie haben einen adoptierten Sohn, einen Jugendlichen. Ich hoffe, dass ich sie bald einmal kennen lernen kann.



Gareth

Neraida Posted on Wed, June 17, 2015 18:12:37

Juan kam auf die Idee, auf unserer Reise gen Albernia, einen Zwischenstopp in Gareth zu machen. Gareth! Ohje!
Gareth zeigen ist an sich kein Problem. Wenn man gewisse Stadtteile auslässt zumindest! Es gibt da ein paar Dinge, die nicht leicht zu erklären sein werden. Ich muss mir einen Plan überlegen! Burian und Erlan habe ich bereits eine Nachricht geschickt. Bis wir hier alles gepackt haben, sollte ein Plan stehen!

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Also gut. Erlan und Burian sind der Meinung, dass wir erst einmal zu den Bornländern gehen können. Im Milzenis ein wenig feiern. Am nächsten Tag zeigt Thies uns Gareths Altstadt und darauf könnten wir vielleicht noch einen Blick in Gareths düsterstem Viertel – dem Südquartier – riskieren.

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Gareth! Großes, schönes Gareth! Aus der Ferne erkennt man diese riesige Stadt bereits. Rechts und links kommen erst riesige Felder in Sicht, dann die ersten Häuser. Und dann erreicht man Gareths ersten Stadtteil: Die Rosskuppel. Hier leben einige Pferdezüchter und nur wenige andere Gruppierungen. Eine davon sind meine geliebten Bornländer!Am späten Nachmittag erreichten wir die Tavern “Milzenis”. Als Juan uns die Tür aufhielt wurde es schlagartig mucksmäuschenstill. Die Almadaner sind hier leider keine gern gesehenen Gäste, allerdings auch nur, weil die sich im Südquartier genauso stark gemacht haben wie wir und es immer wieder zu Reibereien kommt. Petter, der Inhaber des Milzenis, lockerte die Szene dann allerdings, als er mich erkannte, die Arme zum Gruß erhob und “NERIIII!” brüllte. Sofort war Stimmung in der Taverne. Ich musste Brin und Juan vorstellen, erzählen, warum ich hier war – schon wieder – wo ich hin wollte… Es wurde ein schöner, geselliger bornischer Abend. Mit Geschichten, Bärenwerfen und viel Meskinnes und Bier.
Jasper und Duchdo kamen mit ihren Familien dazu und ließen keine Peinlichkeiten aus, die sie Juan und Brin auftischen konnten. Als die meisten bereits gegangen waren, ließ Jasper es sich auch nicht nehmen, meinen Beiden zu erzählen, wie wir einst einen ganzen Wagen teurer Pelze aus dem Stoerrebrandt-Kontor geklaut hatten! Ich ließ das lieber unkommentiert, auch wenn Brins Augen mir ein wenig zu interessiert wirkten.

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Heute war ein langer Tag und ich bin froh, dass wir jetzt wieder in unserem Zimmer bei Erlan sind. Die gestrige Nacht hatten wir uns bei Petter einquartiert. Heute war Erlan dran. Außerdem mussten meine Jungs ja auch die grandiosen Kochkünste meines alten Lehrers und Mentors kennen lernen! Aber zurück zum Morgen:
Wir schliefen nicht all zu lange. Viel zu viel Gewusel um uns herum. Ein Teil der Bornländer machte sich zu einem neuen “Auftrag” auf. Juan und Brin wollten zwar sicherlich gerne mehr wissen, aber sie ernteten auf jede Frage nur Zwinkern. Ich hob ebenfalls nur fragend die Schultern. Nach den gestrigen Geschichten wollte ich nicht noch erklären müssen, dass die Bornländer vor allem mit Wegelagerei und als Rosstäuscher ihr Geld verdienten. Thies holte uns nach dem Frühstück ab und zeigte uns Gareths Altstadt. Die größte Stadt Aventuriens ist immer ein unglaubliches Erlebnis. Die Menschen, die Märkte, die kleineren Viertel und nicht zuletzt das alte Schloss der Kaiserfamilie! Wir besuchten den Rondratempel und trafen dort ein paar der Gruppe “Veteranen” die uns im Tempel führen konnten.
Ich glaube Juan war ein klein wenig beeindruckt, als er auch von den Veteranen Loblieder über “ihre Neri” hörte. Ich schwieg auch darüber lieber und erklärte nur, dass ich in Gareth schon mit so ziemlich allen Banden zusammen gearbeitet hatte. “Für Neri ziehen wir in jede Schlacht!” kam ausgerechnet von dem einbeinigen Krieger Darian. Mir sind solche Führungen immer etwas peinlich. Ich habe hier einfach schon viel zu viel erlebt. Danach folgte ein Abstecher ins große Stoerrebrandt-Kontor. Glücklicherweise hatte ich bereits vorher ausgemacht, dass Familie Stoerrebrandt bloß nicht informiert werden sollte, so wurde es nicht gleich wieder peinlich. Meine liebe Freundin Jadwige führte uns ein wenig umher. Ich glaube, das war nicht so spannend für meine Beiden. Es folgten noch der Tempel zur offenen Hand samt Audienz bei der Vogtvikarin Linara. Man sollte doch meinen, dass Phexgeweihte gelegentlich ihre Klappe halten können, aber Linara hatte ja allen Grund mir eins auszuwischen. Ob ich denn als Ehefrau besser hören könne, als als “Angestellte”.
Mittags gab es ein wunderbares Essen in der “Roten Paprika” im Tulamidenviertel. Auch hier war das Wiedersehen groß und familiär wie bei den Bornländern. Juan und Brin wurden direkt in die Familie aufgenommen und mehr beschäftigt, als dass sie zum Essen kamen.
Wir sahen noch einige andere Dinge an und gingen Abends dann zu Erlan, der uns noch einmal mit leckeren Kleinigkeiten bekochte und – wie immer – hervorragenden Wein dazu servierte. Er blieb grundsätzlich eher still. Aber das kennt man ja von ihm, wenn eine seiner “Ziehtöchter” irgendwann mit einem Mann auftaucht. Seine Tochter kümmerte sich um Brin und erzählte ihm noch viel mehr von Gareth. Ich denke, das wird nicht Brins letzter Besuch in der Hauptstadt sein. Erlans Freundin hatte sich für heute Abend leider entschuldigt, irgendwer musste sich ja um Erlans Taverne kümmern.
Ich erklärte Juan noch, wer Erlan war, dass er mein Lehrer und Mentor war, mich zu Phex geführt hatte und ich eigentlich so nach und nach als seine Nachfolgerin aufgebaut wurde, aber als es soweit war, den Tempel, den er geleitet hatte, zu übernehmen, dankend abgelehnt hatte und letztlich Juan geheiratet und eine Familie gegründet hatte.

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Das Südquartier. Dunkel, düster, arm. Überall kann hier etwas passieren und eigentlich geht hier niemand unbewaffnet rein. Die Garde traut sich gar nicht erst. Zum Schutz meiner Lieben hatte ich aber die Gänse längst informiert und so fühlten wir uns alle ständig beobachtet, ohne auch nur eine Gestalt zu sehen. Unterwegs erzählte ich ihnen von dem Bettlerorden bei denen ich eine Zeit lang in meiner “Ausbildung” gelebt und gelernt hatte. Die Gänse. Augen, Hände, Ohren… Die Augen beobachten, die Hände stehlen, die Ohren lauschen… Und das in ganz Gareth. Wir besuchten ihr Waisenhaus – nicht ohne einen ordentlichen Korb an Essen mitzunehmen. Dann zeigte ich den beiden noch das “Heim des Streifenmeisters” – mein “Ausbildungstempel”. Es hat sich nicht viel verändert. Noch immer ist der Eingang durch eine Treppe zu einer Art Gruft erreichbar. Es ist dunkel und nur wenige Kerzen erhellen den Raum, an der niedrigen Decke glitzern Zirkone, Türkise und Rubine und auf dem kleinen Altarstein liegen vor allem gespendete Dokumente – unsere Informationsquelle.
Mittags aßen wir in der vermutlich schlechtesten Taverne Gareths, mitten im Südquartier – abgesehen vom “Roten Hahn” vielleicht. Der Drachenhort war aber jeher meine Heimat und der Wirt hatte – wie immer für uns – eine Flasche Wein gebunkert, die wirklich gut war. Dort trafen wir Burian – meinen Lieblings-Botenreiter – und Quinn, den Feenfreund, der aus seinem Krämerladen gegenüber dazu kam. Burian konnte uns ein paar Tipps für unsere weitere Reise geben und würde sich bei seinem nächsten Auftrag in die Gegend auf jeden Fall nach uns erkundigen. Quinn zeigte Brin dann noch seinen Laden und hatte ihm wohl so manches darüber zu erzählen. Brin schaute mich auf jeden Fall dauernd so komisch wissend lächelnd an.



Ankunft in Albernia

Isida Posted on Tue, June 16, 2015 17:37:23

Das war ein ausgesprochen witziger Abend! Rückblickend betrachtet.
Gestern in der Mittagszeit habe ich das Gasthaus erreicht. Es ist schon eine Schande, dass es im Mittelreich immer noch kein fließendes Wasser gibt, aber ich hatte es in diesem Dorf auch nicht erwartet. Der Wirt des schmucken Gasthauses jedoch war sehr schnell sehr verständig, nachdem ich ihm erklärte, dass ich auch für den Zuber in meinem Zimmer etwas extra zahlen würde. So konnte ich nach der langen Reise erst einmal den Staub von der Haut waschen und entspannen. Und die Wirtsfrau ist so ein liebes Ding! Als sie hörte, dass jemand seinen eigenen Zuber auf dem Zimmer haben wollte, kam sie zeternd zu mir, was ich mir denn wohl erlauben würde. Ich erklärte ihr, was es mit Sauberkeit auf sich hatte und langsam aber sicher dämmerte ihr, dass sie eine Medica im Haus hatte. Sie wurde ganz freundlich, entschuldigte sich sogar und versicherte mir, dass sie ihren Mann zur Eile antreiben würde und fragte kleinlaut, ob ich ihr vielleicht bei einem kleinen Problem helfen könne.
Ich möchte hier nicht all zu ausführlich werden, aber Rahja wird mir diesen Dienst sicherlich danken. Dafür nahm sie dann auch gleich meine Wäsche zum waschen mit.
Ich mag ja etwas zimperlich sein, was Reinlichkeit angeht, bei der Wäsche ist das nicht ganz so schlimm. Dennoch bin ich ihr sehr dankbar.
Und jetzt muss ich ihr gleich wieder etwas geben! Die arme, gute Frau! Aber wie sich das zugetragen hat, davon will ich hier gerne berichten!
Nach einem wirklich ganz guten, wenn auch einfachem Essen, entspannte ich noch etwas im Schankraum, als eine Signora hineintrat und sich kurz Zeit später zu mir gesellte. Ein wenig mürrisch klang sie. Und etwas schockiert vielleicht, als sie meinen Akzent hörte. Sie stellte sich gleich als Almadanerin vor und erst später mit ihrem Namen. Sefira. Sie hatte ein Feuermal im Gesicht, ich glaube, das ist der Grund, warum sie einen so großen Hut trägt. Wir kamen ein wenig ins Gespräch, sprachen über Forschung und Wissenschaft und über die Ähnlichkeiten zwischen almadanischen und horasischen alten Männern. Klingt, als wäre es in Almada genau so schlimm. Da bleibt mir nur zu hoffen, in Albernia sind sie etwas einfacher zu handhaben.
Leider musste sie sich gerade dann verabschieden, als noch ein Gast hereinkam. Ein großer, kräftiger Nordmann. Mit furchtbar dreckigen Händen. Nun, so lange es nicht meine Hände waren, konnte ich damit leben! Doch es sollte nicht mein Abend werden. Erst verschüttete ich beim anstoßen mit dem Mann ein wenig Wein und musste meine Hände säubern, dann sollte ich auch noch die seinen schrubben! Die Nordmänner benehmen sich wie kleine Kinder! Ich hoffe dennoch, dass er ein bisschen mehr auf seine Reinlichkeit achten wird!
Ich erinnere ihn an sein erstes Weib sagte er. Wie furchtbar! Ich erwiderte, dass er mich an einen Patienten erinnere, dessen Hand ich amputieren musste, weil er sich nie die Hände gewaschen hatte. Natürlich glatt gelogen, aber wenn es hilft?
Kurz darauf forderte er mich zu einem Trinkspiel heraus. Ich ließ mich darauf ein, aber auch nur, weil ich bereits eine Idee hatte, wie ich noch ganz elegant aus dieser Nummer herauskommen konnte. Ich bekam zwei kleine Becher, er die großen. Er hielt es für fair, sei ich doch viel kleiner und schmaler als er. Vermutlich wollte er auch nicht sein Gesicht verlieren. Was wäre ich schon für eine Herausforderung?
So tranken wir diesen unsäglichen albernischen Schnaps “Feengeist”. Sieger sollte sein, wer als erstes den Becher nicht mehr in einem Zug leeren konnte. Ich nutzte die Chance und trat ihm – ganz aus versehen, wie ich jedes mal wieder behaupten würde – beim Beine überkreuzen vor sein Schienbein. Das brachte mir zwar den Sieg, aber leider auch eine Fontäne aus Schnaps über mein Gesicht, meine Haare und meine Kleider!
Ein Moment der Schwäche, wo ich den Tränen nahe gewesen sein musste. Aber ich konnte mich alsbald wieder beruhigen. Die Techniken dazu habe ich glücklicherweise bereits in meinem Studium gelernt. Trotzdem musste ich mich nach dieser Sauerei dann verabschieden. So konnte ich unmöglich noch länger durchhalten.



Neraida und Leandro

Geschichten Posted on Mon, June 15, 2015 11:16:42

Es traf ihn härter als die Ohrfeige Hittas. Neraida, Juan und Brin würden auf Reisen gehen. Nach Albernia. Eventuell würden sie sogar die Schule dorthin verlegen! Ein Albtraum! Er wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Lachen, weil er sich über das Vertrauen, was sie ihm schenkten freute, sollte er sich doch um die Schule kümmern, so lange sie fort seien oder weinen, weil er seine liebgewonnene “Familie”, vor allem aber Neraida, wieder verlieren sollte.
Was auch immer sie unterwegs erlebt haben mochte – und sie hatte ihm furchtbare Geschichten erzählt! – es hatte sie verändert. Nicht zum Negativen. SIe war offener, spielte fast mit ihm, als sie ihn zu überzeugen versuchte.

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Ich sprach eben mit Leandro. Sein Gesicht wirkte wie drei Tage Regenwetter als ich ihn bat auf die Schule Acht zu geben, während wir Albernia bereisten. Vermutlich hat er nur keine Lust auf so viel Arbeit! Ein bisschen Überzeugungsarbeit musste ich schon leisten. Ich glaube T. hat mir letztlich genau so viel beigebracht, wie ich ihm. Es erstaunt mich selber, wie offen ich das einsetzen kann. Leandro wirkte allerdings so vollkommen anders, als ich ihn kennengelernt hatte. Fast ängstlich und abwehrend. Dabei hätte er vor meiner Reise ins Horasreich jeden kleinsten Halm gegriffen um mich doch noch herumzukriegen. Was stimmt denn bloß nicht mit ihm? Ich habe das Gefühl, es hat was mit unserem weinseeligen Abend zu tun. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, was ich gesagt oder getan haben könnte, um ihn so anders werden zu lassen. Wir haben nur über meine Reise ins Horasreich gesprochen. Und dieses Hittathema kann man ihm auch nur stückweise aus der Nase ziehen!

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Und dann noch das Hittathema! Warum kam sie immer wieder darauf zurück? Wollte sie ihn absichtlich ärgern? Warum merkte sie nicht, dass er mit ihr jetzt wirklich nicht über Frauen reden wollte? Schon gar nicht, wo sie eine der Frauen war, die ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen wollten. Nicht, nachdem er bei Hitta lag und ihren Namen gerufen hatte, schon gar nicht nach dem langen, intensiven Kuss, an den sie sich nicht einmal mehr erinnern konnte! Und abgeschlossen hatte er auch die Geschichte mit Hitta nicht. Zum ersten Mal hatte er ein schlechtes Gewissen. DAbei hatte er Hitta nicht mal wirklich betrogen!
Sein Magen fühlte sich flau an und Neraida strapazierte seine Nerven mehr als gut war. Er drängelte an ihr vorbei in die Küche und holte eine Flasche Wein und eine Flasche Premer hervor, die er sich eigentlich für eine ordentliche Feier besorgt hatte. Es gab letztlich ja jetzt etwas zu feiern. Mit bitterer Miene stellte er 3 Becher auf. In 2 davon füllte er Wein, in den letzten eine große Menge Premer, die er sich sofort hinter die Binde kippte. Er reichte Neraida, die ihm gefolgt war und mit verschränkten Armen im Türrahmen lehnte, einen Weinbecher. “Na dann lass uns feiern, dass ihr auf große Reise geht!” Er wartet nicht, dass sie reagierte und kippte auch den Becher Wein in einem Ruck hinunter. Er schüttelte sich. Was auch immer sie wollte, seine Zunge würde sich jetzt sicher lockern und er könnte ihr gleich gehörig die Meinung sagen!

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Er musste sich erst einmal Alkohol hinter die Binde kippen. Das verwirrte mich noch mehr, aber immerhin erklärte er mir nun endlich wer Hitta eigentlich war. Die Tochter eines Händlers, die für ihren Vater die Bücher geführt hatte. Das erklärte unsere ordentlichen Bücher! Sie hatte sich wohl rührend um ihn gekümmert und es schien mir sogar, als wäre es für ihn etwas ernstes gewesen. Er trank einen Wein nach dem anderen, während ich immer noch den ersten in meiner Hand hielt. Zunehmend lallend berichtete er mir, warum sie ihn davon gejagt hatte. Ich verstand allerdings nur etwas wie “falscher Name im Bett” und “du bis schuld!” Dann begann er sich die Haare zu raufen und erneut einen Premer herunter zu stürzen. Ich bekam langsam Angst um ihn und versuchte ihn zu beruhigen. Ich nahm ihm die Flasche Premer weg, der Wein war bereits leer und versuchte ihn am Arm zu einem Stuhl zu delegieren. Er schlug meinen Arm jedoch davon und lallte “Ja, ja. Ich kümmere mich um eure Scheiß-Schule! Lass mich bloß in Ruhe und geh auf Reise! Mich braucht ihr dabei ja nich!”

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Es dreht sich alles um ihn. Er hätte Neraidas Hand nicht wegschlagen sollen und ihre Hilfe annehmen. Er stützte sich auf einem Schrank ab, peilte einen Stuhl an und taumelte darauf zu. Gerade noch so erwischte sein Hintern einen Teil des Stuhls. Ausreichend, um nicht daneben zu fallen. Er schaute zu Neraida, die ihren Becher bereits abgestellt hatte und ziemlich ärgerlich auf weitere Erklärungen wartete. “Schulligung” nuschelte er, “Is keine Scheiß-Schule. Ich mach das scho. Ellich” sicherte er ihr zu. Scheinbar zufrieden entspannte sich Neraida ein wenig “Schlaf den Rausch aus. Wir besprechen morgen genaueres!” sagte sie, ehe sie sich umdrehte und davon ging.
Er haute mit einer Faust auf den Tisch, dass der Becher einen Hüpfer machte und umkippte. “Scheiß Schule, Scheiß Weiber” dann sank er zusammen und schlief halb auf dem Tisch liegend ein.



Leandro II

Geschichten Posted on Sun, June 14, 2015 18:48:23

Die Ohrfeige hatte gesessen. Der Handabdruck leuchtete rot auf seiner Wange. Er duckte sich als ein Teller geflogen kam und brachte sich eiligst hinter der Tür, die ihm als Schutzschild diente, in Sicherheit. “Caramba! Halte ein!” rief er der Dame zu, doch die wütete weiter.
“Sieh zu, dass du verschwindest, du dreckiger Mistkerl!” schrie sie ihn unter Schluchzern an.
Leandro musste sich eingestehen, dass er diese Sache ein für allemal verbockt hatte. Wie konnte das nur passieren?
Als er Neraida heute endlich wieder gesehen hatte, wollte er nichts mehr, als zu Hitta, um ihr davon zu berichten. Genau das hatte er getan. Er hatte bestimmt eine gute Stunde berichtet. Dinge von vorher, Dinge, die sie ihm nur kurz angedeutet hatte, Dinge die eben erst passiert waren.
Hitta wurde zusehends ärgerlicher, was er gar nicht verstehen konnte. Um sie zu überzeugen beendete er das Thema und nahm sie in die Arme. Sie war zwar immer noch kritisch, ließ sich aber von seinen Küssen und Schmeicheleien schnell überzeugen. So kam eins zum anderen und er hatte das Gefühl, dass Rahja heute besonders wohlgesonnen auf ihn hinabblickte. Doch dann passierte es. Völlig in Träumen gefangen, kamen sie ihrem Höhepunkt näher. “Neraida! Endlich!” stöhnte er auf und wollte sich an Hitte kuscheln, als die Ohrfeige ihn in die Realität holte und er mit einem überraschend kräftigem Schubs aus dem Bett flog. Im ersten Moment war ihm gar nicht klar, was passiert war, aber unter Zetern und Schreien hielt Hitta es ihm noch einmal vor und so dämmerte ihm nach und nach, dass er gedanklich tatsächlich nicht bei Hitta gewesen war.
Alles entschuldigen und flehen nutzte gar nichts. Und als sie begann Gegenstände nach ihm zu werfen, verschwand er.
Er musste einen klaren Kopf bekommen. Er mochte Hitta wirklich! Das erste Mal hatte er das Gefühl, er würde es länger mit einer Frau, vielleicht sogar ewig, aushalten. Er irrte über die Wiesen und zerbrach sich schier den Kopf über das was passiert war.
Unterwegs traf er Brin, dem er immerhin die frohe Botschaft von Neraidas Rückkehr überbringen konnte. Brin war zwar etwas skeptisch über Leandros Miene, freute sich aber zu sehr darüber, dass Neraida wieder da sein sollte.
SIE. Neraida! Was stimmte mit ihm – mit Leandro – nicht, dass er vorhin davon geträumt hatte, dass sie unter ihm lag und nicht Hitta?
Zugegeben, schon als er sie damals kennen gelernt hatte, wollte er sie wenigstens einmal ins Bett bekommen. Aber sie hatte mehr als einmal deutlich gemacht, dass es für sie nur Juan gab. Trotz Rahjabund, auch ohne Treueschwur. Also was stimmte nicht? Sie hatten sich angefreundet und er hatte die ein oder andere Liebschaft mit den Damen aus Trallop gehabt. Und Hitta! Hitta war mit Abstand die längste seiner Beziehungen und er fühlte sich wohl bei ihr!
All das Grübeln brachte ihn nicht weiter. Er machte sich auf den Weg zurück zur Fechtschule.

Hitta hatte Neraida seine Klamotten um die Ohren geworfen und war wütend abgezogen. So hielt es ihm Neraida mit einem breiten Grinsen vor, als er die Räume der Schul wieder betreten hatte.
Brin war schon wieder losgezogen. Er würde genau so ein Weiberheld werden, wie sein alter Herr. “Oder wie ich?”, dachte er, dann schob er die Gedanken endgültig beiseite.
Bei Wein und dem ein oder anderen Schnaps erzählte Neraida ihm ihre Geschichte der vergangenen Jahre im Horasreich.
Sie scherzten und lachten, trauerten bei den gefallen Freunden und tranken, bis zu befürchten war, dass Neraida gleich umkippen würde.
Er half ihr auf, nachdem er sie überredet hatte, dass sie jetzt wirklich ins Bett gehörte. Sie strauchelte und fiel ihm in die Arme. Kichernd bedankte sie sich mit einem Kuss bei ihm. “Mein Held. Mein alter Mann. Immer für mich da!” säuselte sie ihm zu und küsste ihn noch einmal lange und schmiegte sich dabei an ihn. Ihre Hände wanderten zu den Schnüren seines Hemdes. Als ihm das klar wurde, hielt er ihre Hände fest und beendete den Kuss. “Du musst ins Bett, Neraida! Juan wird sicher bald kommen.” Wieder kicherte sie “Klaaaaar.” und stolperte, Leandro an die Hand nehmend, Richtung Schlafzimmer.
Erleichterung stellte sich ein, als Brin zurückkam. “Hilf mir!” sagte er mit flehendem Blick.
Zu Zweit schafften sie die fast schon schlafende Neraida ins Bett und halfen ihr aus der Kleidung. Brins Blicke zwischendurch waren deutlich und so sah Leandro zu, dass er das Zimmer verließ und ihr Chaos aus Wein, Bechern und Essensresten beseitigte, um sich dann mit einer Flasche vor die Schule zu setzen, in der Hoffnung Juan würde bald wiederkommen. Vielleicht könnte der ihm Verstand einbläuen, wenn Neraida ihm morgen Bericht erstattet hatte.



Im Hier und Jetzt

Neraida Posted on Sun, June 14, 2015 18:32:30

Die letzten Tage habe ich über den Büchern verbracht. Sie sind unerwartet ordentlich. Oft ist es die Schrift von Brin, die anderen beiden kann ich nicht einordnen. Vor allem wohl Leandro. Und nach meinem Gespräch mit Juan heute, liegt meine Vermutung auf der jungen Dame, die Leandro hier angeschleppt hat. Ich muss unbedingt noch mal mit ihm reden. Irgendwas stimmt da nicht!
Aber zuerst: Kaum bin ich wieder hier, plane ich bereits die nächste Reise! Diesmal aber nicht ohne Juan und Brin!
Eine Nachricht erreichte mich. Nur kurz und vage. Es geht um eine offene Rechnung mit Galahan. Ich bin mir nicht sicher, ob ich T. genauer danach fragen möchte, aber nach meinem Gespräch mit Juan heute, werde ich es wohl zwangsläufig erfahren. Juan, Brin und ich werden nach Albernia reisen! Eventuell werden wir sogar dort ganz neu anfangen. Trallop ist kein offener Ort. Und vor allem von Havena aus gibt es etliche Möglichkeiten auch noch mal schnell nach Gareth oder ins Horasreich zu kommen. Und sei es nur der Briefe wegen.
Juan scheint ganz angetan von der Idee wieder zu reisen. Immerhin wird es unsere erste gemeinsame Reise sein. Ich erklärte ihm, dass man das auch ein bisschen mit der Ausbildung Brins verbinden könnte. Die Idee, welche Art von Ausbildung ich da angedacht hatte, schien ihm nicht zu gefallen. Fechtlehrer und Buchhalter sind schon gute Ideen, aber er entwickelt sich sehr wie sein großes Vorbild Juan. Und auch Leandro scheint er mittlerweile anzuhimmeln. Gelegentlich jedenfalls. Ich werde daraus nicht schlau. Ein paar phexgefällige Tricks jedenfalls können nicht schaden! So erklärte ich es auch Juan, der nach meiner “Tricks um vor Ehemännern zu fliehen”-Rede lauthals loslachte.
Es steht also auf jeden Fall fest, dass wir reisen werden. Aller Besorgnisse zum Grotz. Jetzt muss ich nur noch Leandro davon überzeugen, vernünftig auf die Schule aufzupassen, bis wir wieder zurück sind! Das könnte schwierig werden, er weicht mir in letzter Zeit sehr aus.
Ein bisschen besorgt über Juans Zustand bin ich dennoch. Sein Rücken macht ihm zu schaffen. Er geht sogar freiwillig zu einem Medicus?! Ehe ich mir zu viele Gedanken darüber mache, werde ich mich jetzt aber um Leandro kümmern!



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