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Rollenspiel

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In diesem Blog hier, geht es dann tatsächlich mal nur um das Rollenspiel "Das schwarze Auge".Hier findet Ihr z.B Tagebucheinträge meiner Charaktere oder was wir gerade so spannendes in unserer Gruppe machen :o)

Ankunft in Donnerbach

Kyrisia Posted on Tue, June 26, 2012 14:15:33

Wir schreiben Firun im Jahre 1032 BF.
Ich erreichte vor wenigen Tagen Donnerbach. Ein verschlafenes Nest, was mir in diesem Winter eine vorrübergehende Heimat werden soll. HESinde steh mir bei, dass ich nicht auf eine dumme Idee komme und mir die hiesige Akademie anschaue. Nach den Ereignissen in Al’Anfa wäre es nur gut, sich aus allem raus zu halten.
Noch immer versuche ich mich wieder mit den Gewohnheiten, Rechten und Pflichten, sowie der Natur an sich zu aklimatisieren. Es fällt mir schwer mich wieder täglich in die schwere, im Vergleich zu den Kleidern aus Al’Anfa gar unbequeme Robe zu kleiden. Aber ich möchte nur ungerne mit den Ordnungshütern dieser Landen unangenehme Gespräche über den Codex halten müssen. Auch weiß ich, dass ihro Magnifizienz es nicht dulden würde, wenn er erfährt, dass eine seiner Schülerinnen sich über die Regeln hinwegsetzt ohne einen trifftigen Grund zu haben.
Ja ich muß gestehen, dass Al’Anfa in einigen Punkten sehr positiv aufgefallen ist und ich bedauere zutiefst, dass ich eine Weile nicht mehr in der Perle sein werde. Andererseits ist es fürwahr gesünder für Geist und Körper in den nördlicheren Gefilden zu verweilen.

Aber genug der Trauer des Vergangenen.
Der Winter hält mich in Donnerbach. Es schneit sehr viel und ich befürchtete bereits ab Trallop nicht weiter zu gelangen. So kann ich mich jedoch hier noch gut auf meine Rückkehr vorbereiten und an einem ausführlichen Bericht arbeiten, den ich sonst erst fertig stellen würde, nach meiner Ankunft in Lowangen.
Vor allem aber ist mir Donnerbach nicht unvertraut. Ich war bereits vor meiner Reise gen Süden hier.
Erst dadurch fiel mir auf, wie sehr sich ein Mensch, wie sehr ich mich verändert habe.
Es könnte fast erschreckend sein, würde ich mich nicht viel wohler fühlen.
Die Steifheit und Korrektheit in Lowangen mag mich zu dem gemacht haben was ich bin und mir den Weg grundlegend bereitet haben, aber manches Mal muss man über seine Ideale hinwegsehen oder sich Neue zulegen.
So knüpfte ich bei diesem Besuch bereits Bekanntschaften, was mir im Traum nicht eingefallen wäre bei meinem ersten Besuch hier.
Erst heute führte ich eine wundervoll geistreiche Unterhaltung mit einem Schriftsteller. Er erscheint mir ein wenig zwielichtig und erinnerte mich gar an die Al’Anfaner. Alleine deswegen war er mir sympathisch. Hintergründig und gutaussehendmit einem feinen Humor sind selten so nah beieinander wie bei Herrn Al’Abbas und ich freue mich auf weitere Unterhaltungen mit ihm.
Für heute schließe ich jedoch um die ersten Zeilen meines Berichts zu verfassen. Über die Unterhaltung mit Herrn Al’Abbas werde ich aber sicher noch einmal schreiben.



Leandro I

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:15:08

„Ich bin gutaussehend, jung, ein echter Held und ich weiß einfach, dass ihr mich unwiderstehlich findet!“ sagte ein vielleicht wirklich nicht ganz unansehnlicher Mann, Anfang, vielleicht Mitte, dreißig. Seine langen, dunklen Haare hatte er zu einem Zopf gebunden. Sein nicht mehr ganz so neues Hemd war auf almadanische Art weit offen und ließ einen Blick auf seine Brust zu. Die Türe wurde ihm dennoch vor der Nase zugeschlagen und als er sich umdrehte, folgte die Faust aufs Auge. Im wahrsten Sinne des Wortes. „Belästigt ihr noch einmal meine Tochter, ist das nicht das einzige was euch trifft.“ tönte die Stimme eines Bären. Oder zumindest eines Mannes, der die Statur eines ausgewachsenen Bären hatte!
Nachdem er sich von dem Schlag erholte hatte, der ihn glatt auf seinen Hosenboden gebracht hatte, rappelte er sich auf und zog davon. „Neue Stadt, neues Glück! Das kann ja nicht ewig so weitergehen!“
Nur wenige Wochen später, traf der Handelszug, den er begleitete in Donnerbach ein. Der Winter stand vor der Türe und er würde ihn und vor allem seinen Sold ausgiebig dafür nutzen, gar nichts zu tun.
Vielleicht nicht gar nichts, aber so wenig wie möglich. Eine schöne Frau hier, eine ganze Menge Wein dort. Das reichte um ihn den ganzen Winter über glücklich zu machen.
Wein gab es in Donnerbach, aber er war nicht halb so gut, wie in der Heimat. Vielleicht weil einfach die Umgebung unpassend war? Es so kalt war, wie nie in der Heimat? Und dieser Schnee, der ihn tagelang im Haus gefesselt hielt! Wie sollte er da an die schönen Frauen kommen?
Aber es hatte auch seine Vorteile. Der Wirt war redselig, hatte er doch sonst kaum Gäste, die sich mit ihm unterhalten wollten. Vermutlich wusste er nach diesem Winter mehr über Donnerbach, als über seine Heimat! Und er hörte von dieser Fechtschule. Ein uralter Mann würde sie führen. Er habe eine blutjunge Freundin, die die Geschäfte leite. Sie sei nicht hübsch, aber nützlich. Das sagte der Wirt mit einem Zwinkern und einem genuschelten „vor allem im Winter um das Bett anzuwärmen!“
Das war doch mal hochinteressant! Zu dumm nur, dass die Beiden wohl gerade ausgeflogen waren. Was die Gerüchte erst recht zum kochen brachte! Juan, ein alter Almadaner, Frauenverführer und in jedem zweiten Bett Donnerbachs bereits zu Gast gewesen. Meistens nicht, um dort alleine zu nächtigen!
Einige Geschichten erinnerten ihn sehr an seine eigenen Erfahrungen und Reisen. Aber eigentlich wollte er nicht noch so viele Jahre unterwegs sein, bis er mal etwas zustande brachte. Und vielleicht könnte man die Idee des alten Mannes ja aufnehmen! Oh, wenn er nur an die vielen hübschen Schülerinnen dachte, da wäre doch sicher irgendwann einmal die Richtige dabei! Zumindest um sein Bett zu wärmen.
Er beneidete den alten Almadaner ein wenig und nahm sich vor, auf die Rückkehr zu warten. Ein bisschen Übung ehe er wieder einen Auftrag annahm, der ihn nach Hause führte. Und vielleicht das ein oder andere Gespräch, wie man so eine Fechtschule auch in der Heimat aufbauen könne.

Es war bereits Tsa, bald wäre der Frühling gänzlich eingezogen und die Zeit einen Auftrag anzunehmen rückte näher. Doch die Scheune stand weiter leer da. Er spielte bereits mit dem Gedanken, sich einfach einmal Zutritt zu verschaffen um wenigstens einen Blick hinein werfen zu können. Doch als er sich das nächste Mal aufmachte um sich die Scheune noch einmal anzusehen, bemerkte er die offenen Läden.
Er rieb sich die Hände und stürmte hinein. Diesen Auftritt hatte er schon lange geplant. Nur die gewünschte Reaktion blieb aus. Die Dame, die ihn begrüßte sah nicht blutjung aus, vielleicht eher in seinem Alter. Und sie war definitiv kein alter Almadaner! Und von nicht hübsch konnte keine Rede sein! Zugegeben, sie wirkte ein wenig knabenhaft, aber ihre Rundungen saßen genau dort, wo sie zu sitzen hatten. Er konnte die Augen kaum von ihr lassen, als er sein Schauspiel weiter verfolgte und sie dazu überredete mit ihm zu üben
Viel war dazu nicht nötig, denn sie sagte, sie brauche ebenso wieder Übung. Außerdem wollte er ja auch dafür bezahlen. Was also sollte für sie dagegen sprechen?
Seine Annäherungsversuche schienen sie völlig kalt zu lassen. Und wenn sie hier Fechtlehrerin war, dann höchstens weil sie eine der Dirnen von dem alten Almadaner war. Sie konnte was, sicher. Aber mit ihrer Beweglichkeit machte sie seine jahrelange Erfahrung als Söldner nicht wett und so hätte er sie ganz schnell auf die Bretter schicken können. Aber das sollte warten bis zum nächsten Tag.



Geschichten aus Donnerbach II

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:14:53

Zur nächsten Übungsstunde trafen sie sich vor Donnerbach. Brin wollte mit, was Neraida nur Recht war. Als sie ihn als ihren Sohn vorstellte, hob Leandro die Augenbraue und Brin schwellte vor Stolz die Brust, als sei er der erste Hahn des Hofes. Es ging nur darum, dass man ein wenig laufen wollte. Brin meinte er sei ein guter Läufer und nach dem Vorfall am gestrigen Tag in der Scheune, war Neraida so sicher, dass Leandro nichts versuchen würde. Wenn er es denn überhaupt noch mal wagen würde. Wie sehr wünschte sie sich jetzt Juan herbei? Er hätte mit dem Jungspund kurzen Prozess gemacht. Aber wieder drängten sich die Gedanken an sein Alter auf. Er würde sie nicht ewig beschützen können. Sie musste das selber schaffen. Und so war es für sie nicht nur eine Übung um wieder in Form zu kommen, sondern gleichzeitig auch noch sich endlich genug Selbstbewusstsein gegen solche Idioten anzulegen.
Neraida wählte bewusst den Weg Richtung Wasserfall. Der war laut genug, dass man sich in der Pause nicht viel unterhalten musste. Es war ja nicht so, dass sie ihn gar nicht mochte. Sie kam nur, wie immer, nicht damit klar, dass es Männer gab, die sie mochten. Als würde nicht ausreichen, dass Juan das tat. In Leandros Fall wünschte sie sich einfach unsichtbar, aber das klappte nicht, sondern schien ihn nur noch neugieriger zu machen. Verdammte Almadaner!

Am Wasserfall angekommen, merkte sie erneut, wie sehr sie aus der Übung war. Sie sah zu Brin. Er hatte schon Recht mit der Buchhalterin. Aber das würde jetzt wieder anders werden! Er war tatsächlich kaum aus der Puste. Er hatte wunderbar mitgehalten und war scheinbar besser in Form als Neraida oder der Almadaner. „Zu viel Wein den ganzen Winter!“ hörte sie Leandro gegen das Tosen des Wasserfalls rufen. War sie eigentlich die Einzige, die nach diesem Weg vollkommen durch war? Leandro zwinkerte ihr zu, als hätte er ihre Gedanken gelesen. Sie ließ sich auf den Boden plumpsen und beobachtete Brin, der sich am Rande des Sees hingekniet hatte und den Wasserfall beobachtete. Es dauerte eine Weile, bis sie bemerkte, dass Leandro sich neben sie gesetzt hatte. Nun beugte er sich ein wenig zu ihr „Wenn das euer Sohn ist, wo ist dann sein Vater?“ Neraida hatte Mühe ihn zu verstehen. Sie hatte mit Absicht nicht die vom Wasserfall abgewandte Seite des Sees gewählt, eben um nicht mit ihm reden zu müssen. So deutete sie nur auf den Wasserfall und bedeutete ihm, dass man später reden könne. Er hob eine Augenbraue, zuckte mit den Schultern und ging dann zu Brin. Neraida beobachtete weiter und hoffte, dass Leandro nicht auch Brin ausfragen würde. Aber alles wirkte friedlich. Sie lehnte sich zurück. Der kalte Boden war scheußlich und ihre Gedanken schweiften schon wieder zu Juan. Was sie alles bereits hier unternommen hatten. Schwimmen hatte sie hier von ihm gelernt. So viele Jahre war das nun schon her, aber es schien ihr immer, als sei es erst gestern gewesen. Lächelnd schloss sie die Augen und genoss die ersten Sonnenstrahlen, die sich durch die Baumkronen ihren Weg bahnten.

Der Weg zurück war mühsam. Immer wieder fiel sie gegen Brin und Leandro zurück. Aber auch Leandro hatte bald genug. Brin wirkte verstimmt, als sie beschlossen hatten, den Rest des Weges zu gehen. Das waren also die unschönen Seiten, wenn man Kinder hatte? Nörgeleien? Brin war zum Glück schon älter. Neraida hätte nicht gewusst, wie sie mit einem Kleinkind in einem solchen Fall umgehen sollte. In diesem war es nicht all zu schwer. Sie fragte ihn, ob er sich den Weg eingeprägt hatte, ließ ihn sich noch einmal erklären und erlaubte ihm dann, vor zu laufen. Leandro war erstaunlich still geblieben die ganze Zeit. Und auch als Brin weg war, schien er noch in Gedanken versunken.
„Und? Habt ihr bereits eine Anstellung gefunden um wieder in eure Heimat zu kommen?“ riss Neraida ihn aus seinen Gedanken. Er blinzelte gegen die bereits sinkende Sonne und blieb dann stehen um Neraida nachdenklich anzusehen. „Ich glaube ich möchte noch gar nicht zurück.“ sagte er und wirkte selbst überrascht ob seiner Worte. Neraida hob eine Augenbraue, wartete aber ab, ob noch eine Erklärung folgte. „Ich mag eure Scheune und ich habe darüber nachgedacht, mich als Fechtlehrer einstellen zu lassen, wenn der Fechtmeister wieder anwesend ist.“ Neraida hatte das Gefühl, ihre Kinnlade würde auf die Knie klappen. „Ehm.. wie bitte, was? Warum?“ fragte sie nach einer Weile verwundert. Er hob die Schultern „Weil ich auf die vierzig zugehe und ja nicht ewig auf Wanderschaft bleiben kann, oder?“ Neraida schüttelte den Kopf „Wir werden die Schule vielleicht bald verlegen.“ warf sie ein, was nun wiederum ihm die Kinnlade auf die Knie zimmerte. „Wir?“ Neraida nickte. „Der Fechtmeister, wie ihr ihn nennt, ist mein Mann. Und er ist zur Zeit unterwegs um einen anderen Ort zu finden, wo wir neu anfangen können.“ Sie nickte in Richtung Donnerbach „Wir wollen Brin bei uns aufnehmen. Er ist aus einem Waisenhaus. Und Juan hat hier keinen einfachen Stand.“ Sie wunderte sich selber über ihre Ehrlichkeit. „Juan? Der in ganz Donnerbach berühmt berüchtigte Weiberheld?“ Leandro stöhnte auf. „Der soll doch schon an die hundert Götterläufe zählen und eine blutjunge Frau…“ er räusperte sich und sah Neraida an. „Oh, ich meine… Wenn ihr… viel älter als dreißig Götterläufe seid ihr ja nicht. Was wollt ihr mit einem so alten Kerl?!“ Neraida verdrehte die Augen und ging weiter. Ja, ein Neuanfang wäre das Richtige, wenn sogar dahergelaufene Almadaner bereits alle Gerüchte über Juan kannten! „Er ist sechzig und ich bin keine dreißig, sondern fast vierzig.“ gab sie patzig zurück, was ihn wieder dazu veranlasste stehen zu bleiben, sie anzuschauen, als hoffe er, dass sie hinzufügte, dass dies ein Scherz sei und prustete dann lauthals los. „Deswegen seid ihr so versessen darauf, euch mit mir zu messen! Ihr wollt eure alte Form zurück, damit IHR die Familie beschützen könnt, weil der alte Knacker das nicht mehr packt!“ lachend hielt er sich den Bauch.
Mit zwei Schritten, war Neraida bei Leandro. Er war nicht nur größer, sondern auch doppelt so breit. Dennoch baute sie sich vor ihm auf, als wäre er ein kleines Kind, was jetzt gleich eine ordentliche Tracht Prügel bekommen sollte. Drohend hob sie ihren Finger und zischte ihn an „Juan kann sehr wohl noch auf seine Familie Acht geben und nichts auf Dere gibt es, was ihn daran hindern würde. Und ihr solltet eure Zunge hüten, wenn ihr nicht wollt, dass er euch eine Abreibung verpasst, die um einiges schlimmer ist, als mein Knie in Euren Weichteilen!“ schnaubend wandte sie sich ab und lief nun wieder los, den verdutzten und tatsächlich etwas bleich um die Nase gewordenen Almadaner hinter sich lassend.
Vor lauter Wut bemerkte sie nicht einmal, wie schnell sie an der Scheune ankam. Doch als sie von weitem das Dach sah, wurde sie langsamer, wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht und ging den Rest des Weges. Sie würde den Aufenthalt einfach verkürzen und früher wieder zurück nach Trallop. Und hoffentlich konnte sie sich dann bald wieder in die Arme von Juan fallen lassen. Wie sehr sie ihn brauchte!



Geschichten aus Donnerbach I

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:14:33

Krachend flog die Türe gegen die Wand. Ein Mann, um die 30 Götterläufe, trat ein. Er sah schon aus, als wolle er Unfrieden verbreiten. Warum bloß jetzt, dachte sie noch, da tönte schon seine Stimme durch die Halle. „He da! Fechtmeister! Wo seid ihr? Warum wird man nicht ordentlich empfangen in diesem Sauladen?!“
Seufzend schlug sie ihr Buch zu. Weitere Einträge müssten eben warten. „Einen Moment!“ rief sie und schaute nach, ob Brin irgendwo zu sehen war. Solch einen Gast musste man ja nicht gleich zu Anfang miterleben. Doch er schien noch die Gegend draußen zu erkunden. Also ging sie nach vorne und bemühte sich freundlich auszusehen. „Ohoo… Eine Fechtmeisterin?“ erklang, anstelle einer Begrüßung und Neraidas Augenbraue hob sich bereits. Juan hätte bei dem Blick sofort bemerkt, dass er sich auf ganz dünnem Eis bewegte, nicht aber dieser Mann. Der Blick des Mannes wanderte an ihr hinunter und wieder hinauf, doch bis zu ihren Augen kam er gar nicht mehr. „Zum Gruße“ erklang Neraidas Stimme bereits ziemlich gereizt. Er hatte sie deutlich auf dem falschen Fuß erwischt. „Was kann ich für euch tun?“
Erst jetzt hob der Mann den Blick wieder und ein schelmisches Grinsen folgte seinem Schnalzen. „Ich glaube eine ganze Menge!“, doch seine Arme hob er gleich abwehrend, als Neraida ihre Arme vor der Brust verschränkte, den Kopf etwas zur Seite neigte und ihn mit einem eiskalten Blick bedachte. „Verzeihung, Frau Fechtmeisterin! Eigentlich dachte ich, ich könnte mich hier ein wenig in Übung halten! Der Winter ist bald vorbei und ich kann endlich wieder gen Heimat reisen. Das möchte ich ungerne, ohne dabei bezahlt zu werden.“ Wieder huschte dem Mann dieses schelmische Grinsen über die Züge und auch Neraida huschte ob der Worte ein kurzes Grinsen übers Gesicht. „Ihr müsst blind oder blöd sein.“ erwiderte sie, was ihn dazu veranlasste, sie mit staunenden Augen anzustarren. „Eh.. Wie bitte?“ stotterte er. „Wenn ihr mich für eine Fechtmeisterin haltet, müsst ihr blind oder blöd sein.“ wiederholte Neraida, ihm dabei sogar zuzwinkernd. „Der Fechtmeister ist zur Zeit verreist. Aber mir kann ein wenig Übung auch nicht schaden. Wenn es euch also nichts ausmacht, nicht von dem Meister persönlich betreut zu werden, lässt sich sicherlich etwas machen.“ Der Mann grinste wieder „Das kostet mich dann aber weniger oder?“ Neraida verdrehte die Augen „Nein, es kostet euch doppelt so viel. Das ist der Preis dafür, dass ihr zusätzlich auf Brüste starren könnt.“
Tatsächlich war sein Blick schon wieder ein Stück tiefer gerutscht. Neraidas Spruch hatte jedoch nicht die Wirkung, die sie sich erhofft hatte. Der Mann grinste nur noch breiter und ließ seinen Blick noch einmal an ihr hinabgleiten „Nicht nur…“ er unterbrach sich jedoch und schaute ihr wieder in die Augen „Einverstanden, Frau…. nun, wie war gleich euer Name?“ „Neraida, einfach Neraida. Aber euren habe ich auch noch nicht vernommen.“
Mit einer Verbeugung stellte sich der Mann vor „Leandro Tadeo Olivieri. Stets zu euren Diensten.“
Jetzt erst fiel Neraida der leichte, almadanische Akzent auf. Er war ganz schön blass für einen Südländer und der schwere, wärmende Umhang verdeckte seine Kleidung, die ihn vielleicht verraten hätte.

………

Klirrend trafen die Waffen aufeinander. Neraida stöhnte auf. Sie hatte Leandro wirklich unterschätzt. Oder besser gesagt, sie hatte sich in der ersten Übungsstunde täuschen lassen. Selber Schuld, dachte sie und versuchte gegen zu halten. Es nützte nichts, wenn sie sich nicht etwas einfallen lassen würde, wäre dieser Kampf ziemlich schnell zu seinen Gunsten zu Ende. Sein Atem ging schneller und streifte Neraidas Haut. So einfach hatte sie es ihm also doch nicht gemacht. War das etwa doch schon alles? Sie setzte ihr süßestes Lächeln auf und ließ nur ein klein wenig an Kraft nach. Er wirkte kurz verblüfft, was Neraida sofort nutzte, um mit einem leichten Stoß mehr Platz zu bekommen und mit einem Sprung zur Seite wieder ausreichend Entfernung zwischen sich und dem Almadaner zu bringen. „Biest!“ nuschelte er, schien es aber nicht böse zu meinen. Neraida hob kurz die Schultern und grinste. „Damit müsst ihr in einem Kampf doch auch rechnen, nicht wahr?“ Der Almadaner nickte und brachte sich wieder in Position. „Was ist? Seid ihr schon aus der Puste? Dann müsste ich mein Geld wohl doch zurückfordern, wir haben höchstens erst die Hälfte der Zeit geübt!“
Neraida atmete tief durch. Er hatte Recht, sie war ziemlich aus der Puste und eindeutig nicht mehr in Form. Anstatt sich nur um die Geschäfte und Papiere zu kümmern, sollte sie mehr mit Juan lernen. Auch wenn Juan es niemals zulassen würde, müsste sie vielleicht doch irgendwann die Beschützerrolle übernehmen. Juan wurde älter und sie würden bald ein Kind zu beschützen haben!
Brin hatte sich bereits nach wenigen Tagen pudelwohl gefühlt. Gestern hatte er bei der Übungsstunde zugesehen, aber heute hatte es ihn wieder nach draußen gezogen. Ein paar Kinder aus der Nachbarschaft hatte er kennen gelernt und wollte mit diesen heute Donnerbach erkunden.
Neraida schüttelte den Kopf um ihre Gedanken zu verscheuchen und brachte sich auch wieder in Position. Leandro hatte sie die ganze Zeit über beobachtet, was ihr nicht besonders gefiel. „Seid ihr fertig damit, euren hübschen Kopf zu zerbrechen?“ erklang seine, ein wenig höhnisch klingende, Stimme. Anstatt zu antworten, machte Neraida dieses Mal den Anfang. Dem würde sie noch zeigen, wo der Frosch die Locken hatte, dachte sie, doch im nächsten Moment krachte sein Säbel schon auf ihren und ein Schmerz wie von tausend Nadelstiche schoss durch ihren Arm bis hinauf in die Schulter. Sie holte tief Luft, schubste ihn mit aller Kraft wieder ein Stück nach hinten und wartete auf seinen nächsten Schlag. Dieser verfluchte Almadaner grinste schon wieder und mit schnellen Schlägen drängte er sie immer weiter nach hinten. Entweder war er doch viel besser als sie ihn eingeschätzt hatte oder sie viel weniger in Form, als sie geglaubt hatte. Es waren keine schweren Schläge mehr, aber sie kamen so schnell und gewandt, dass sie wirklich Mühe hatte diese überhaupt zu parieren. An Angriff war gar nicht mehr zu denken. Wie gut, dass das nur Übungswaffen sind, schoss es ihr durch den Kopf kurz bevor er ihr die Waffe aus der Hand schlug und mit einem letzten Schritt gegen die Wand drängte. Seine Waffe hielt er, immer noch breit grinsend vor sie.
Neraida hob die Hände und keuchte zerknirscht„Ihr habt ja gewonnen!“, doch Leandro trat noch ein Stück näher heran, die Waffe immer noch zwischen ihnen „Ich finde, ich habe mir eine Belohnung verdient.“ hauchte er und senkte seinen Kopf Neraida entgegen. Noch ehe sie ihre Augenbraue ganz angehoben hatte, traf ihr Knie schon zwischen seine Beine und stöhnend taumelte er ein Stück zurück. „Touché!“ krächzte er, während er sich nach vorne beugte und versuchte wieder Luft zu bekommen.
Neraida atmete tief durch „Wer hier Belohnungen verdient, entscheide immer noch ich“. Sie griff nach ihrer Übungswaffe und wandte sich Leandro wieder zu „Wollt ihr eure Übungsstunde heute vielleicht ein klein wenig früher beenden?“ und ihre Stimme triefte nur vor Ironie. Vorsichtig richtete er sich wieder auf, hielt aber immer noch eine Hand in seinem Schritt „Mhm.“ brachte er hervor und nickte. „Tschuldigung“, nuschelte er noch hintendrein und reichte ihr seine Übungswaffe, ehe er langsam abtrottete.



Irgendwann in Donnerbach

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:14:12

Es war so schrecklich kalt in dieser Nacht. Aber die Arbeit musste erledigt werden. Die Lederhandschuhe wärmten die Finger kaum, weswegen sie sich für den Weg dorthin noch einen dieser schrecklichen Wollmuffs von den Bornländern geliehen hatte. Mit dem warmen Umhang, wirkte sie nun fast, wie eine Dame, die sich zu einer viel zu späten Stunden in den Straßen verirrt hatte. Die Wache war gerade vorbei, es würde noch eine geraume Weile dauern, bis ihr Weg wieder hier vorbei führte. In Gareth war vieles einfacher. Die Stadt so groß, dass man auf Wachen und ihre allnächtlichen Gänge kaum Acht geben musste. Da waren die, eigens von den reichen Familien angestellten, Wächter schon schlimmer. Aber die Gilde sorgte immer für gute Informationen, im Gegenzug zu manch anderer Information, an die sie nicht so leicht kämen.
Wäre es doch in Donnerbach so einfach. Die Rondrianer waren ziemlich auf Zack! Dafür hatte Donnerbach andere Vorzüge! Hier wurden die Bürgersteige nicht hochgeklappt. Was nicht zuletzt daran lag, dass es gar keine gab! Aber über nächtliches Gesindel machte man sich hier weniger Sorgen. Der Salamander war bekannt dafür, bis tief in die Nacht noch Gäste zu haben, die irgendwann durch die Straßen auch wieder zurück nach Hause mussten. Und da lag auch gerade ihr Problem! Man wusste nie, ob nicht im nächsten Moment jemand um die Ecke kam, der einen bei Dingen beobachtete, die er besser nicht beobachtet hätte!
Aber für alles gibt es Lösungen. Für diese Aufgabe reichte der Mantel und der Muff um sie nicht wie eine Gesetzesbrecherin aussehen zu lassen.
Die Schritte der Wache waren verklungen. In der dunklen Gasse regte sich nichts mehr. Nicht einmal Ratten wagten sich bei dieser Kälte noch hier raus! Sie musste schnell sein, wenn sie nicht ihre Finger verlieren wollte.
Der Muff verschwand, zusammen mit dem dicken Mantel, in ihrem Beutel, der gut versteckt in einer Ecke der Gasse seinen Platz fand. Schnell huschte sie zur gegenüberliegenden Wand. Eine nur zwei Schritt hohe Mauer, die das Haus einmal rings um umschloss. Wenn sie hier hinüberkam, stünde sie im Kräutergarten, der jetzt sowieso leer war. In Donnerbach machte man sich wenig Gedanken um Gesindel, sonst wäre die Mauer viel glatter verfugt worden. So war es ein leichtes, sich hoch zu ziehen. Dennoch musste es schnell gehen! Sie merkte schon jetzt wie ihre Finger von der Kälte steif wurden.
Mit einem kleinen Satz landete sie in dem kleinen Garten. Das Haus lag ganz dunkel da. Licht war auch nicht nötig. Sie wusste genau, wie viele Schritte es brauchte um an der kleinen Tür zu sein. Auch wenn sie sich immer ein wenig komisch vorkam, sie schloss die Augen, während sie gedanklich die Schritte abzählte, die sie ging. Vorsichtig streckte sie ihre Hand aus. Da war die Tür zur Küche! Während ihre linke Hand bereits nach dem Werkzeug suchte, tastete die Rechte nach dem Schloß. Es durfte nicht gefroren sein und sie rief in Gedanken noch einmal ihren Herrn an, dass er bloß ein gutes Wort bei Firun eingelegt hatte, um seinen eisigen Atem an der Tür vorbei zu lenken!
Es dauerte keine Minute, bis die Türe aufging. Der Boden war gefroren aber es lag kein Schnee. So brauchte sie sich wenig Gedanken um Spuren zu machen. Sie lauschte kurz, doch im Haus regte sich nichts. Es war auch mehr als unwahrscheinlich, war der Eigentümer doch alt und fast schwerhörig. Zumindest glaubte man das von ihm. Sie war sich selber nicht so sicher, ob das stimmen konnte. Der Auftrag wäre nicht erteilt worden, wenn man sich nicht sicher gewesen wäre, dass mehr dahinter steckte!
Wieder wurden die Augen geschlossen und Schritte gezählt. Alles war ganz genau, wie es sein sollte. Die nächste Türe nur ein winziges Stückchen beim öffnen anheben, damit sie nicht quietscht. Die Informationen waren erstklassig, daran bestand kein Zweifel. Vorsichtig schob sie sich durch den schmalen Flur, fünf Schritte bis zur Treppe. Sie hielt den Atem an. War dort nicht ein Geräusch? Sie lauschte noch einmal, ehe sie sich wieder auf ihre Augen verließ um nach einem verräterischen Licht zu suchen. Es war viel wärmer hier drin, als sie angenommen hatte. Das war nicht schlecht. Ihre Hände tauten wieder auf. Zwölf schmale Stiegen lagen vor ihr. Auf der vorletzten hielt sie wieder inne. Da waren Geräusche! Sie war sich sicher. Geräusche die sie nicht zuordnen konnte! Es war kein Schnarchen zu hören, so, wie es immer zu hören war – wie ihr versichert worden war. Nicht einmal tiefes Atmen. Aber vielleicht war sie dafür auch noch zu weit weg?
Sie konnte nicht noch länger hier herum stehen. Nichts machte den Anschein, dass der Herr des Hauses wach war. Vielleicht war es ihre Nervosität. Sie hoffte es! Die Türe zum Schlafgemach war verschlossen. Wie immer. Sie musste nur daran vorbei in das nächste Zimmer.
Noch einmal atmete sie durch, so lautlos wie möglich. Dann zählte sie in Gedanken wieder die Schritte ab und öffnete die Türe des Arbeitszimmers.
Alles war und blieb still. Als sie die Türe leise hinter sich geschlossen hatte, machte sie Licht. Die Blendlaterne war die sinnvollste Anschaffung die sie in letzter Zeit gemacht hatte! Schnellen Schrittes ging sie um den Schreibtisch herum, suchte wieder nach ihrem Werkzeug und versuchte sich am Schloss der kleinen Schublade. Sie wusste, dass es schwer werden würde. Es war ein teures Zwergenschloss und die Dinger waren fast unaufmachbar! Aber eben nur fast. In Gedanken verhandelte sie mit ihrem Herrn, dann konzentrierte sie sich wieder auf ihre Aufgabe. Sie war zum Glück in Übung, hatte sie doch an Meister Thorins Tür üben dürfen! Dennoch brauchte es Zeit. Und davon hatte sie schon viel zu viel in diesem Haus verbracht.
Mit einem leisen klicken sprang das Schloss dann doch auf. Wieder lauschte sie angestrengt, ob nun verdächtige Geräusche zu hören waren. Warum war sie heute bloß so zappelig, als mache sie eine solche Arbeit das erste Mal? Etwas stimmte hier nicht! Sie sollte sich noch viel mehr beeilen!
In der Schublade fand sie die Dokumente. Ein kurzer Blick darauf verriet ihr, dass es die richtigen waren. Ob sie den Beutel ebenfalls mitnehmen sollte? Wieder der Gedanke, dass etwas nicht stimmen würde und sie zu lange überlegte. Ob viel in dem Beutel war? Sie könnte es gut gebrauchen. Die Geschäfte liefen gerade etwas schleppend. Konzentrieren! Sie streckte die Hand nach dem Beutel aus, als sie ein dumpfes Geräusch vernahm.
Schnell zog sie ihre Hand zurück, drückte so leise wie möglich die Schublade zu und schloss die Blenden der Laterne.
Luft anhalten.
Warten.
Lauschen!
Es war nur ein kurzes Geräusch und es hatte sich angehört, als hätte sich jemand aufgesetzt oder im Schlaf umgedreht? Diese Nervosität machte sie wahnsinnig!
Aber es war kein weiteres Geräusch zu vernehmen. Sie löschte die Laterne wieder und wartete einen Moment, bis ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Vorsichtig ging sie wieder um den Schreibtisch herum. Die Schritte bis zur Türe abzählen, dann noch einmal innehalten und die Türe einen Spalt öffnen. Es war kein Licht zu sehen, kein Ton zu hören. Sie schlüpfte durch die Türe hinaus um wieder zurück zur Treppe zu gehen. An der Tür zum Schlafzimmer verharrte sie. Waren das Stimmen? Sie hielt die Luft an und lauschte. Ja, ganz deutlich. Zwei Stimmen flüsterten. Dann wurde eine Stimme lauter. Eine Männerstimme, die sie nicht kannte. „Wo ist das Arbeitszimmer nun? Du hättest ihn vorher fragen sollen und nicht nachdem er hier schon liegt!“
Sie schloss die Augen. Nicht nachforschen, weiter. Sie ging die Treppen hinunter ohne sich groß zu bemühen, besonders leise zu sein. Sie hatte, was sie wollte. Draußen könnte sie immer noch beobachten. Oben ging die Türe auf und das wenige Licht reichte aus, um sie erneut zu blenden. Mit einem Satz war sie um die Ecke. Oben hörte man eine leise Stimme, aber was sie sagte, konnte sie nicht verstehen. Sie hörte nur noch ihren eigenen Herzschlag und ihre Gedanken, dass man sie hoffentlich nicht bemerkt hatte. Weiter lauschen in die Dunkelheit. Kamen Schritte die Treppe hinunter? Nichts regte sich.
Eine gefühlte Ewigkeit verharrte sie, dann hörte sie fast wie eine Erlösung die Tür des Arbeitszimmers. Leise sog sie Luft ein und schlich weiter Richtung Küche. Sie öffnete die Türe, was der Türe ein knarren entlockte. Sie schloss die Augen, fing an in Gedanken zu zählen, doch da hörte sie schon die Stimme „Unten ist jemand!“ rufen. Jetzt war Eile geboten und Leise sein vergessen!
Sie rannte durch die Küche zur Tür, stoppte sich aber und versuchte sie leise zu öffnen und genauso leise wieder zu schließen. Wenn sie Glück hatte lohnte es sich und die Verfolger würden zuerst an der Vordertüre nachsehen. Sie drehte sich um und gab Fersengeld Richtung Mauer. Doch sie war noch keine zwei Schritte weiter, da hörte sie, wie hinter ihr die Türe aufgerissen wurde.
Noch ehe der Verfolger zu ihr aufschließen konnte, war sie auf der Mauer und darüber hinweg. Der Verfolger hatte Schwierigkeiten. Eher ein Schläger, denn ein Mann vom Fach. Ihr Glück. So schnell sie konnte, lief sie zu ihrem Beutel, klemmte ihn sich unter den Arm und suchte das Weite.

Ihr Gefühl hatte sie nicht betrogen. Etwas stimmte ganz und gar nicht!



Neris Brief an Juan

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:13:52

# ein gefalteter Zettel, aussen steht in einer relativ sauberen Handschrift:
An den Kussdieb
überreicht am Abend des: 07. Tsa 1032 BF
Dabei liegt ein Ring, der hoffentlich die richtige Größe für Juan hat 😉
http://www.goldschmiede-rottler.de/Mittelalter/Ubersicht/liebring.jpg

Wer noch nicht all zu viel wissen will von dem was gerade in Donnerbach passiert sollte diesen Eintrag definitiv NICHT lesen.

#innenteil:

Liebster Juan,
ich weiß gar nicht was ich dir alles schreiben soll und wie ich es formulieren soll. Schließlich wird das hier mein erster Liebesbrief. Aber ich bemühe mich sehr, denn vielleicht ist es auch der Letzte den ich schreibe.
Fangen wir mit dem wichtigsten an: Sorge dich nicht! Vielleicht bin ich schon heute Nacht wieder an deiner Seite. Aber wer ausser die Götter weiß das schon?

Ich weiß wie einfach das geschrieben ist, Juan, aber meine Sorge ist zu groß und meine Angst, dass wir uns doch nicht mehr wiedersehen ebenso.
In Donnerbachs Schatten ist es gefährlich! Es sind keine leeren Worte, die der Herold verkündete, sondern bitterer Ernst. Ich kann und will nicht niederschreiben worum es geht – nicht, so lange nicht klar ist, dass ‘wir’ siegen werden.
Noch nie hatte ich das bittere Gefühl, dass der Feind Überhand haben könnte, aber es war auch nie jemand da von dem ich mich hätte verabschieden müssen. Es war immer umgekehrt und da ich weiß was für ein Gefühl das ist, will ich dich nicht so im Unklaren lassen, wie ich es oftmals war.

Aber ich will keine Zweifel sähen, dass wir am Ende nicht siegen! Wir sind viele. Die Kirchen arbeiten Hand in Hand und du wirst mit Sicherheit davon erfahren.
Ich schreibe dir, weil ich mich gut kenne und weiß, dass ich nicht in der hinteren Reihe stehen bleiben kann, wenn vorne die Schlacht tobt.

Es gibt so viele Dinge die ich dir noch erzählen möchte, noch so viel was ich mit dir gemeinsam erleben oder durchstehen möchte. So viele Fragen die in meinem Kopf schwirren, aber je mehr du mir davon beantwortet hättest um so weniger leicht würde es mir fallen, heute Abend zu gehen.

Ich kann nicht beschreiben wie glücklich du mich machst, wie stolz ich auf dich und deine Arbeit an der Scheune bin. Führe es weiter, halte durch komme was da wolle. Ich weiß du schaffst das. Und lass dich niemals von deinem Weg abbringen!
Eins noch: Du warst immer in meinem Herzen und wirst auch auf Ewig einen Platz dort haben, komme was wolle. Und wenn ich wieder da bin, werde ich dich auf gar keinen Fall je wieder hergeben! Ich brauche dich auch!

Wünsch mir Glück! Und bete zu Rahja, dass sie Phex heute abweist, damit er ein Auge auf mich werfen kann.

In der Hoffnung heute Abend schon wieder in deinen Armen zu liegen und in tiefster Liebe
Deine Neri

P.S.: Und wag dich nicht deinen hübschen Hintern heute noch raus zu bewegen!



Neraida V

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:13:22

Wir müssen in der Zeit etwas zurückspringen um folgende Jahre in Gareth erklären zu können.
Ich erzählte bereits von dem Händler mit dem Neraida sich angelegt hatte.
Scroog war sein Name. Er hatte einen Partner, der sich aber weitestgehend nach außen hin heraus hielt. Vielleicht hatte Neraida ihn dazu getrieben zu solchen Mitteln zu greifen, zumindest aber gab sich Neraida bald die Schuld daran. Der Gott ohne Namen schlägt halt schnell zu wenn Zweifel sich breit machen, wenn unphexische Geschäfte geschlossen werden, wenn sich die Chance eben ergibt. Und so war es bei Scroog, dass er den Purpurnen Zutritt gewährte. Mit Hilfe aller Freunde und Bekanntschaften die Neraida sich in all den Jahren in Gareth erarbeitet hatte, gelang es am Ende Scroog und die Geweihten des Namenlosen zu schlagen. Aber nicht ohne Verluste. Zu viele mussten ihr Leben lassen. Noch dazu hatte sich Scroogs Partner absetzen können.
Auch deswegen war es Zeit für Neraida fort zu gehen. Donnerbach war eine gute Ablenkung, auch wenn sie wusste, sie konnte sich nicht ewig dort verstecken.
Jetzt war sie wieder dort und es schien eine geraume Weile ruhig zu bleiben. Die Gruppen deren Streit Neraida schlichten konnte, verhandelten auch ohne sie. Erlan hatte wieder eine neue Schülerin – seine eigene Tochter, die endlich ihren Weg zu ihm gefunden hatte. Sogar eine Freundin war dazu gekommen. Die Tochter des Führers des Bettlerorden heiratete jemanden aus dem Bornländer Viertel. Neraida hatte die Beiden zusammen gebracht, ohne, dass sie sich dessen bewußt gewesen wäre. Alles in allem, gab es einfach nicht mehr so viel zu tun, wie einst. Und so kümmerte sie sich um den Tempel im Südquartier und immer klarer wurde für alle, welche Rolle sie spielte. So klärte sie bald schon nur noch die üblichen Streitigkeiten, übernahm gar gänzlich die Rolle der Geweihten und versteckte es kaum noch. Hätte sie ihre Robe getragen, es hätte niemanden gewundert.

Doch dann änderte sich schlagartig alles. Dracon, der Partner Scroogs, tauchte wieder auf. Niemand hatte das ahnen können. Keiner hat in dieser Nacht besondere Vorkehrungen getroffen. Es ging blitzschnell und nur dank der Träume, die Neraida bis heute begleiten, konnte das Schlimmste verhindert werden.
Es war ein Überfall auf den ehemaligen Laden Scroogs, den mittlerweile ein guter Freund und Händler bei dem Neraida gelernt hatte, führte. Er war der erste auf der langen Liste der Toten dieses Abends. Viele folgten.
Am Ende siegte Phex, doch zu welchem Preis? Erlan – erschlagen, der halbe Bettlerorden – verblutet, sogar die Boronkirche war machtlos. Die Garde, die zur Stelle eilte wurde niedergemäht. Erst als alle Gruppen des Südquartiers vor Ort waren und Seite an Seite gegen diese Macht kämpften, lichtete sich das Trauerspiel.
Neraida selbst überlebte es. Gerade noch rechtzeitig wurde sie aus dem Haufen Sterbender oder bereits Toter raus gefischt und im Perainetempel geheilt. Doch heilen innere Wunden nicht wenn man sie nicht behandelt. Und können nicht behandelt werden, wenn niemand davon erfährt.

Vielleicht hätte sie bemerkt, dass niemand ihr die Schuld gab, vielleicht hätte sie gelernt damit umzugehen – stattdessen flüchtete sie. Vor sich selbst konnte sie es nicht, aber vor all den Anderen wenigstens. Sie ging nie wirklich fort, aber sie machte sich rar, verschanzte sich und übergab das Ruder anderen.
Thies, einer der wenigen engen Freunde die das Gemetzel überlebt hatten, mauserte sich in der Zeit und wurde selbst, wenn auch sehr spät, von Phex erwählt.
Es vergingen gut zwei Jahre in denen sich Neraida soweit zurück gezogen hatte, dass sich die Vogtvikarin selber Neraida vornahm. Es konnte nicht so weiter gehen. Erlan war bei Phex und es wurde Zeit, dass sie sein Erbe annahm. Sie – Neraida sollte das Erbe antreten? Der kleinste Tempel des Phex in Gareth – vermutlich – und sie sollte ihn leiten? Nach alldem? Nein! Es war nicht mehr ihr Feld. Thies hatte es unlängst übernommen und so war es auch nicht schwer den Vorschlag zu unterbreiten und Thies an ihre Stelle zu setzen. „Finde dich wieder!“ waren die letzten Worte der Vogtvikarin und so packte Neraida ihr Hab und Gut und beschloss endlich einmal wieder in ihre Heimat zu gehen. Doch dazu sollte es nicht kommen.



Neraida IV

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:13:05

Viele Jahre gingen ins Land und wir befinden uns mittlerweile im Jahre 1028 BF.
Neraida hatte mittlerweile viel in Gareth kennen gelernt, gemeistert und hinter sich lassen müssen. Darunter war ebenso erfreuliches wie trauriges.
Das Thema Männer hatte sie nun endgültig hinter sich gelassen und für sich entschieden, dass Rahja nichts für sie war. Sie war alleine und das war genau richtig. So konnte sie tun und lassen was sie wollte. Dabei merkte sie nicht einmal wie viele sie mit ihrer einfachen Art schon um den Finger gewickelt hatte, sondern erfuhr es immer erst als Letzte. Einige wandten sich ab, andere wurden zu sehr engen Freunden.
Und eben wegen diesem Thema, reisen wir nun mit ihr nach Donnerbach. Dem Ort wo sich wieder alles ändern würde. Der Ort der Verrückte machte.
Dabei fing alles ganz harmlos und nett an. Sie war wie eh und je. Mischte mit wo es ging und hielt sich raus, wo sie es für besser hielt. Ständig war irgendwo etwas los. Auf offener Straße knutschte der Thorwaler die Südländerin, mitten in der Taverne stritten sich Söldner mit Magiern. Es war anders und das sah man deutlich.
Und von alldem irgendwie in den Bann gezogen, lernte Neraida jemanden kennen. Ein Spieler aus Ferdok. Es war das erste Mal, dass Neraida sich von einem Mann angezogen fühlte. Es war die Zeit ihres ersten Kusses und das obwohl sie schon 28 Lenze zählte. Man mag ihr das Alter nicht angesehen haben und sie konnte es das ein oder andere Mal zu ihrem Vorteil nutzen.
Aber kommen wir zurück zu diesem Mann der es tatsächlich schaffen sollte, Neraida für sich zu gewinnen. Es sollte nämlich gar nicht lange halten. Eigentlich wollte er ja nur eine kurze Reise machen. Einem Freund zur Seite stehen, der in Not geraten war. Doch von dieser Reise kehrte er nur knapp zurück. Schwach, krank, von Wunden die niemand außer den Göttern zu verheilen mochte. Doch zu schwer lag wohl die Last des Geschehenem auf ihm. Neraida kümmerte sich um ihn, blieb länger in Donnerbach als sie wollte und pflegte ihn. Es half nichts. So plötzlich wie er in ihr Leben getreten war, war er auch wieder verschwunden.
Doch Phex wollte seiner Lieblingsschwester wohl noch eine Chance geben. Dieses Mal schickte sie gleich zwei Männer. Ein alter Almadaner und ein düsterer Magier traten in Neraidas Leben. Der eine drohte es sich mit ihr zu verscherzen in dem er sie ungefragt küsste, der andere erschreckte sie fast zu Tode.
Doch wäre es nicht Rahja, wenn sich daraus nicht Geschichten entwickeln sollten.
Es entwickelten sich Freundschaften die mit Sicherheit bis ans Ende ihrer Tage halten sollten. Doch wieder kam es ganz anders als es sollte.
Es hätte unterschiedlicher nicht sein können. Juan der Söldner – um einiges älter als Neraida, ein glühender Verehrer der Rahja, ein Lebemann und in allen Dingen einfach ein Schatz und nicht umsonst eilte ihm der Ruf eines Weiberhelden vorraus; Majin der Magier – düster, kalt und nur schwer für andere Menschen zu begeistern. Aber Neraida schaffte es, wie auch immer sie das tat. Mit Juan teilte sie Rahjas Freuden, mit Majin Hesindes Gaben. Es hätte nicht besser sein können. Aber drei sind nun mal einfach einer zu viel. Majin und Juan verstanden sich nicht und würden es vielleicht auch nie. Gegenseitig wollten sie sich beweisen, dass Neraida ‘ihre’ war. Dabei war sie doch nur Neraida, einfach Neraida. Sie wollte niemandem gehören und auch niemanden besitzen. Es war sicher: Sie war zu lange fort aus Gareth. Und so zog sie ohne ein Abschiedwort weiter.

Zurück nach Gareth, einige Zeit später. Ob es Rahja war oder Phex kann niemand sagen. Aber sie traf Majin mitten in der größten Stadt Aventuriens wieder. Vielleicht war der Grund warum sie sich ihm nun auch für eine Nacht hergab, dass er ihr mitteilte, dass er bald heiraten würde und deswegen durch Gareth reiste. Vielleicht wollte sie aber nur Gewissheit nichts verpasst zu haben. Es war eine wunderschöne Nacht und es war eine Erfahrung. Letztlich schmerzte es aber doch nur, denn Erinnerungen an einen gewissen Weiberheld, fern in Donnerbach kamen wieder auf.
Aber ihre Entscheidung stand. Gareth brauchte sie und so würde sie nun die nächsten Jahre dort verbringen.



Neraida III

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:12:47

Nach Festum folgte Maraskan und es war fast ein Jahr vergangen bis sie wieder nach Gareth kam. Es war viel passiert. Die Träume blieben und langsam wandelte sie sich von einer Schlange zu einem jungen Fuchs. Immer häufiger rief sie Phex um Hilfe an, immer mehr verinnerlichte sie seine Gesetze. Und immer ferner trieb ihr einstiges Leben fort und blieb nur noch als Hintergedanke in ihrem Kopf. Irgendwann, bestimmt, würde sie zurück gehen. So Phex es wollte.
Auf ihrem Weg lernte sie vieles kennen, einiges zu schätzen und weniges vorzuverurteilen. Zwerge trugen nicht immer ein Kettenhemd oder eine Axt. Wein war unglaublich lecker! Und Maraskaner waren alle des Wahnsinns.
Und eines musste sie sich eingestehen: Mit Männern kam man hervorragend zurecht. So lange man sie weit genug von dem Thema Rahja fern hielt.

Aber wir wollen nicht all zu viel von den Abenteuern erzählen, das sind ganz eigene Geschichten auf die wir vielleicht später einmal näher eingehen wollen.
Jetzt wird es Zeit zurück nach Gareth zu schwenken. Zu Neraida und ihre Rückkehr dorthin.
Ihre ersten Schritte lenkte sie sodann in den Phextempel. Die Lage hatte sich etwas beruhigt, doch dummerweise suchte der Händler immer noch nach ihr und es war gutes Geld auf ihren hübschen Kopf ausgesetzt. Allerdings wollte kaum noch jemand für den Händler arbeiten, denn auch andere Gerüchte kamen ans Tageslicht. Das machte es für Neraida nicht einfacher, war es doch sie, die dafür irgendwie gesorgt hatte.
Aber wir müssen das hier nicht erörtern. Stellen wir lieber ihren zukünftigen Lehrmeister vor.
Es ist der Herr dort an dem abgelegenen Tisch. Er mag schon an die vierzig Sommer zählen und die ersten grauen Haare zeigen sich in dem ansonsten dunklen Haar. Er ist nicht viel größer als Neraida und sogar noch dünner. Er stopft sich gerade eine Pfeife und wartet auf unsere Heldin, die er zu sich bestellt hat. Noch ahnt sie nicht, wen sie trifft.
Da ist sie endlich. Etwas unpünktlich, aber man mag es ihr verzeihen. Sie wird erfahren, dass der Mann Erlan heißt, gutes Essen liebt und einen Auftrag für sie hat. Er sammelt Pfeifen und möchte, dass Neraida ihm eine ergaunert. So führt er sie zu einem Haus, nicht unweit der Lokalität in der man sich eben getroffen hatte.
Wieder ist es die Unerfahrenheit, die sie einfach drauf los stürmen lässt. Sie muss eben doch noch einiges lernen.
Es ist Erlans eigenes Haus in das sie da eindringt, während er bereits unten auf leisen Sohlen Gläser zurecht stellt und Wein einschenkt.
Neraida ist geschickt, dass muss er ihr später eingestehen, aber er kann ihr auch ganz genau sagen, wann sie welchen Fehler begangen hat.

Es bedarf der Aufklärung, also beginnen wir.
Neraida war aufgefallen. Durch den Einbruch im Stoerrebrandt Kontor, durch das, was sie auf ihren Reisen erlebt und getan hatte und später als Bericht dem Phextempel vorlegte. So mag es uns nicht verwundern, dass man sie testen wollte. Und Erlan, nun er war ein Geweihter des Listigen und spezialisiert auf Einbrüche. Wer also hätte besser herausfinden können, als er, ob Phex wirklich ein Auge auf Neraida geworfen hatte.
Es folgten Wochen der Folter – würde Neraida es nennen. Des Lernens – wären Erlans Worte.
Wie bewegt man sich?
Was sollte man wissen?
Wie kommt man an Wissen?
Wer weiß mit Sicherheit, wenn man nicht selber die Zeit hat, wer wann aus dem Stadttor geht?
Neraida arbeitete in einer Herberge, bei einem Händler und wurde sogar zu einem mit Erlan befreundeten Bettlerorden gesteckt.
Rund einen halben Götterlauf lernte sie alles, was man wissen musste um Phex zu dienen. Und ehe sie es sich versah, war sie mitten im Geschehen. Mitten in einer Ausbildung, von der sie erst erfuhr, dass sie sich vollzogen hatte, als… nein, dazu später mehr.
Erzählen wir lieber von einem ganz besonderen Abend.
Ein südländischer Sammler hatte sich unbeliebt gemacht. Man munkelte er hätte ein Artefakt in die Hände bekommen, was zu gefährlich war um es in seinem Besitz zu belassen. Neraida wurde diese Aufgabe in die Hand gelegt und sie hatte schon alle Vorkehrungen getroffen.
Doch was sie fand war nicht ein einzelnes Artefakt, sondern mehr als ein Dutzend eigenartiger Statuetten und Figuren, Armbänder und sonstigen Gegenständen die irgendwie nicht hier her gehörten. Anstatt nur das eine aus der Sammlung zu entfernen, mobilisierte sie den Bettlerorden und Erlan, der in der Nähe bleiben wollte um sie notfalls zu warnen und überführte sämtliche Sammlerstücke an den Phextempel.
Wie der Herr an solche Dinge gekommen war, fand man nicht mehr heraus, denn schon am nächsten Tag war er wie vom Erdboden verschluckt. Für Neraida aber änderte sich damit alles.
Erlan erklärte ihr, was sie in den letzten anderthalb Götterläufen getan hatte, wie man sie geprüft hatte und wie sie sich als von Phex auserwählt herausgestellt hatte. Wenn nicht alle Geweihten die sie mittlerweile kennen lernen durfte irrten, würde sie selber eine Geweihte des Listigen.

Lassen wir diesen Moment in den Erinnerungen Neraidas und machen einen großen Schritt. Später kommen wir sicherlich auf die Erlebnisse in Gareth zurück.



Neraida II

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:12:29

Zeitsprung: Wir schreiben das Jahr 1020 BF. Seit Neraidas Flucht sind nun vier Jahre vergangen. Vier Jahre in dem sie sich das betteln, gaunern, stehlen und einbrechen aneignen konnte. In denen sie lernte, wie man auf der Straße zurecht fand. In dem sie Bekanntschaft mit den Zwölfen gemacht hatte, sich mit Phex angefreundet und sogar einer Abenteurergruppe angeschlossen hatte um ihr Glück zu versuchen.
Erstaunlich schnell lernte sie, dass hier die Rollenverteilung ganz anders war. Frauen genauso Befehle erteilen konnten wie Männer. Und es Männer gab, die gar nicht so komisch waren, wie die, die sie kannte! Aber das hieß noch lange nicht, dass sie auch nur einem davon traute.
Hilf dir selbst dann hilft dir Phex. Das war zu ihrem Leitsatz geworden und danach lebte sie. Aber dann kamen die Träume. Träume von einer Schlange die sich ihren Weg durch Städte bahnte. Riesige Städte mit tausenden von Menschen. Aber die Stadt sah eigenartig aus.
Als sie eines Abends in einer Taverne der Geschichte eines alten Mannes lauschte, erkannte sie die Stadt aus ihren Träumen in den Erzählungen wieder. Gareth! Die Hauptstadt des Mittelreichs in der so viele Menschen beieinander leben sollten, wie sich niemand vorstellen konnte. Das musste sie sehen. Denn dort gab es mit Sicherheit genug womit sie sich ihr Leben verdienen konnte.

Es war im gleichen Jahr, als Neraida Gareth erreichte. Und wie jeder der das erste Mal Gareth sieht war sie beeindruckt von der Fülle an Menschen und Möglichkeiten. Und wenn sie auch nie verliebt war, so wusste sie nun, dass sie es war. In eine Stadt in der größter Reichtum an absoluter Armut grenzte. In der Stadt der Möglichkeiten und in der Stadt in der alles seinen Anfang nehmen sollte. Seinen Neuanfang.
Die Träume kamen nun immer häufiger. Von Häusern, Kontoren, einzelnen Menschen sogar, doch hatten sie alle Tierköpfe. Wie viele Füchse und Bären es waren. In allen aber war sie eine Schlange von Kopf bis Fuß. Das sie diese Schlange war, hatte sie nur durch einen Zufall erfahren. In einem der Träume glitt sie an weitem Meer vorbei und sah ihr Spiegelbild. „Bin ich das etwa?“ redete sie im Traum und ein lautes Geräusch von einem geknackten Schloss war zu vernehmen. Als sie aus diesem Traum erwachte, war sie sich sicher, dass irgendetwas mit ihr passierte.

Unerfahrenheit mag es gewesen sein, die sie in die Falle tappen ließen. Bei einem Einbruch hatte sie eine Spieluhr mitgehen lassen. Dummerweise musste sie diese schnellstens wieder loswerden, denn ein Name war unten drunter eingraviert und so konnte sie sie nicht einfach beim nächsten Händler verkaufen. Ihre Schritte und Träume lenkten sie ins Südquartier, wo sie einen Händler fand, der wirklich alles verhökerte und der weithin bekannt war, auch Diebesgut verschwinden zu lassen, was zu heiß wurde. Man konnte diesem Händler nie etwas nachweisen, deswegen und weil das Südquartier sowieso ungeschützt war, existierte er noch.
Kleinere und größere Gefallen waren, je nach Ware die verschwinden musste, der Lohn für die Abnahme solcher Fehlmitnahmen.
Aber unsere kleine Neraida, unerfahren wie sie war, ließ sich auf einen Handel ein, der ihr mit Sicherheit das Genick hätte brechen können. Ein Einbruch in ein Stoerrebrandt Kontor. Wie wahnsinnig musste man sein? Das wurde auch Neraida so nach und nach bewusst und ohne auch nur eine Ahnung zu haben, in was sie sich begab, wendete sie sich an den Phextempel und bat um Hilfe. Der Plan war eigentlich ganz einfach, nur die Durchführung musste gelingen. Sie würde mitgehen, aber sie würde am Ende die Verräterin sein. Von einer Falle in die nächste getappt, so dachte Neraida. Aber sie konnte damals auch noch nicht ahnen, was die Diener des Listigen unlängst herausgefunden hatten.
Was sollen wir lange drumherum reden? Neraida gibt es noch also gelang der Plan! Phex schien nicht unbeteiligt daran und so wurde auch die Phexkirche Gareths aufmerksam auf die junge Dame, die sich so klammheimlich in Gareth unter die Schatten gemischt hatte. Der Händler war natürlich zornig und es war nicht empfehlenswert die nächste Zeit in Gareth zu verweilen. Ein Auftrag, vermittelt durch die Phexkirche – als Gegenleistung – führte Neraida in den hohen Norden. Festum, die Stadt Stoerrebrandts.



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