Huuuuu, was für ein Abend!
Viel zu lang war das gestern und viel zu früh heute. Ich würde sicher wieder verschlafen, wenn nicht ein paar Kinder direkt unter meinem Fenster eine Schneeballschlacht angefangen hätten. Aber so kann ich wenigstens ungestört mein Tagebuch vollkritzeln und vom gestrigen Abend berichten!

Wo fang ich denn an? Ich ging, es war schon recht spät, noch zur Perle. Es waren nicht all zu viele bekannte Gesichter dabei, aber wenigstens waren es nur Nette. Herr Mudejar saß mit Gerion an einem Tisch. Auch der Wirt, ich weiß seinen Namen noch immer nicht, war dabei und später gesellte sich auch seine Frau hinzu.
Ich trat zu ihnen und fragte ob ich mich dazu setzen dürfe. Gerion machte einen Scherz, doch ich glaube letztlich ging er auf seine Kosten. Dies sei eine reine Männerrunde und deswegen könne ich mich auf keinen Fall dazu setzen. Ich gab zurück was er denn dann dabei verloren hatte. Da alle aber doch zugestimmt hatten, setzte ich mich dazu und lauschte erst einmal dem Gespräch. Es schien um Herrn Mudejars Fechtschule zu gehen. Ich hörte nur mit halbem Ohr hin, da Gerion das Gespräch mit mir suchte.
Dennoch bekam ich mit, dass Herr Mudejar sich um seine Fechtschule sorgte. Ob es ihm überhaupt möglich sei sie zu bauen. Er habe noch gar keinen Bürgerbrief Donnerbachs. Der Wirt versuchte ihn zu beruhigen was sogar soweit ging, dass er laut wurde und… nun ja. Zu ausführlich müssen wir das ja auch nicht wiedergeben und manche Dinge bleiben besser ungeschrieben.
Gerion tuschelte mit mir ob ich ihm nicht auch aus Keksen die Zukunft weisen könne, ich fragte Herrn Mudejar aber er wollte nicht. Dafür Gerion.
Die Kekse waren lecker, also zerkrümmelte ich sie nicht, wie die Traube damals bei Isleif, in seiner Hand sondern mümmelte ihn selber auf. Eine paar Dinge fielen mir auch dann gleich ein. Er würde noch viele Abenteuer bestreiten und ein gutes Leben führen. Eine wunderhübsche, rothaarige Frau wollte ich ihm auch einreden. Er mag aber lieber dunkle Haare und ich mag lieber nicht näher darauf eingehen.
Nachdem Herr Mudejar von dem Wirt beruhigt wurde, kamen wir irgendwann auf das Thema Geschichten erzählen.
Gerion solle beweisen, dass er schon ein richtiger… Nun ein Frauenheld war, was er wohl häufiger betone. Von Herrn Mudejar weiß ich es nur vom hörensagen, habe ihn aber eigentlich nie als einen erlebt. Weder weil er es bei mir versuchte, noch großartig bei anderen. Bei dieser edlen Dame letztens spielte er ein wenig, aber das war doch nichts großartiges.
Wie dem auch sei. Wir nötigten Gerion letztlich dazu eine Geschichte preis zu geben. Irgendwie war er wirklich kein guter Geschichtenerzähler, deswegen habe ich beschlossen ihm mal zu erklären wie das funktioniert. Vielleicht wird das ja noch was und beim nächsten mal kann er richtig protzen. Er weiß aber noch nichts von seinem Glück und das ist vermutlich auch ganz gut so!
Dafür hatte ich während seiner Geschichte mehr als genug Zeit ihn zu beobachten. Sein Bärtchen am Kinn ist irgendwie süß. Ja das muss ich hier niederschreiben, sonst vergesse ich das noch!
Ich glaube Gerion fühlte sich nicht so richtig wohl bei der Sache, nahm es uns wohl aber auch nicht all zu übel.
Herr Mudejar fragte noch, ob ich eine Geschichte zum besten geben könne, worauf hin ich zumindest verneinte, da ich sämtliche Frauen- und auch Herrengeschichten nie erlebt hätte. Er schien überrascht, dass gar keine Herrengeschichte dabei gewesen sein soll, aber warum sollte ich dazu lügen?
Der Wirt, der scheinbar sehr erfahren im Geschichtenerzählen ist, sagte es sei egal welche Geschichte irgend eine. Mir schwirrte der Kopf als ich über erlebtes nachdachte und bat um eine Aufschiebung. Auf die Schnelle bekam ich keine Geschichte ganz zusammen. Ich muss in meinen älteren Aufzeichnungen einmal suchen. Es ist einfach schon eine ganze Weile her, dass etwas spannendes passierte. Und so viel war es ja auch wieder nicht.

Aber ich halte mich viel zu lange mit der Erzählung um die Perle auf!
Der Heimweg war doch am Ende viel interessanter!!!
Gerion wollte mir nicht glauben, dass ich mit meinem Kampfstab umgehen könne, worauf ich natürlich protzte, dass ich das sehr wohl könne und ihm das auch gerne beweisen würde. Er tuschelte mir etwas zu, worauf hin ich dann auch beschloss mich nun besser zu verabschiden, ebenso wie Herr Mudejar es tat. Die Wirtsleute wirkten auch schon sehr müde, weswegen ich das für die beste Möglichkeit hielt mich in Ruhe mit Gerion auf dem Rückweg zu unterhalten. Es gab da noch andere Sachen die ich aufgeschnappt hatte und auf die ich noch keine Antwort erhalten hatte.
Draußen muss ich ziemlich heftig reagiert haben auf seine Vermutung ich könne ihn blenden. Ich weiß welchen Zauber er meint, mit dem er scheinbar schon Erfahrung gemacht hatte. Irgendwie redete ich mich raus indem ich sagte, ich habe mein Wissen über Magie durch den Magus der mit uns reiste damals. Es stimmt, ich habe noch viel von ihm gelernt und daher musste ich mich nun auch nicht eine Lügnerin schimpfen. Gerion glaubte mir wohl nicht recht und ich vertröstete ihn darauf, dass ich ihm vor unserer Reise nach Aranien ganz sicher noch gestehen werde was genau das alles soll.
Aranien, Zorgan! Ich weiß nicht ob die Idee so gut ist. Das könnte großen Ärger geben. Aber vielleicht lässt sich das auch wieder regeln. Wir werden sehen.
Aber zurück zu unserem Heimweg. Herr Mudejar warf in der Perle, früher am Abend ein, dass Gerion einen Sohn habe. Ich wußte bislang nichts davon und war doch sehr überrascht. So versuchte ich nun auch noch einmal vorsichtig das Gespräch darauf zu lenken.
Er erzählte: Sein Sohn lebe bei seiner Schwester und seinen Eltern auf dem Hof. Die Mutter könne ihn dort jederzeit besuchen, schließlich sei das Reisen doch nichts für ein Kind.
Natürlich, in dem Fall hat er Recht und da es eigentlich auch nicht das war, was er damals wollte und es… nun ja… die Götter fügten es. Wer bin ich, dass ich mir darüber ein Urteil erlaube?
Das jedoch steht fest: Er ist ein gutaussehender, netter, witziger Mann und frei. Scheinbar auch sehr sprunghaft, soweit ich das aus den Bemerkungen über ihn und von ihm vernehmen konnte. Aber da ich mit meinem sprunghaften Verhalten leben kann, sollte es mir nicht schwer fallen auch mit dem anderer Leute umzugehen.

Letztlich beliessen wir es dabei, dass er mir schon viel zu viel für einen Abend erzählt habe. Also kann ich doch auf eine Weiterführung hoffen. Das war vielleicht Sinn und Zweck, dass er mir nicht gleich alles verraten hat. Aber er hat ja Recht. Ich halte mich mit meinen Geheimnissen auch zurück und werde mich hüten ihm diese zu schnell preis zu geben. Wenn überhaupt! Sie könnte mich am Ende letztlich meinen Kopf kosten.

Wir redeten noch über das Wetter und ich sammelte nebenher schon eine ganze Weile Schnee auf, wollte ihn jedoch in Sicherheit wiegen. Eine einfache Schneeballschlacht war nicht genug, wenn dann sollte er auch leiden. Einen warf ich aber der ging vorbei und er hätte sich sicher ganz einfach wegducken können.
Den Plan für den Zweiten hatte ich aber unlängst ersonnen. Ich bat ihn kurz stehen zu bleiben und sich nicht weiter zu bewegen, häufte Schnee neben ihm auf, damit ich in etwa auf gleicher Höhe mit ihm war, hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und stopfte den Schneeball unter seinen Umhang. Nun musste ich zusehen, dass ich das Weite suchte was wirklich schwierig war, wenn man bis über dem Knie im Schnee steckt. Und so holte er mich auch schnell ein, doch anstatt sich zu rächen meinte er, dass er als Leibwächter jetzt doch anraten müsse mich in den Fingerhut zu bringen, hob mich hoch und trug mich nach Hause. Brav wie schon beim letzten Mal brachte er mich bis vor die Tür wo wir uns verabschiedeten. Und bald darauf lag ich dann auch schlummernd in meinem Bett.