Das war ein ausgesprochen witziger Abend! Rückblickend betrachtet.
Gestern in der Mittagszeit habe ich das Gasthaus erreicht. Es ist schon eine Schande, dass es im Mittelreich immer noch kein fließendes Wasser gibt, aber ich hatte es in diesem Dorf auch nicht erwartet. Der Wirt des schmucken Gasthauses jedoch war sehr schnell sehr verständig, nachdem ich ihm erklärte, dass ich auch für den Zuber in meinem Zimmer etwas extra zahlen würde. So konnte ich nach der langen Reise erst einmal den Staub von der Haut waschen und entspannen. Und die Wirtsfrau ist so ein liebes Ding! Als sie hörte, dass jemand seinen eigenen Zuber auf dem Zimmer haben wollte, kam sie zeternd zu mir, was ich mir denn wohl erlauben würde. Ich erklärte ihr, was es mit Sauberkeit auf sich hatte und langsam aber sicher dämmerte ihr, dass sie eine Medica im Haus hatte. Sie wurde ganz freundlich, entschuldigte sich sogar und versicherte mir, dass sie ihren Mann zur Eile antreiben würde und fragte kleinlaut, ob ich ihr vielleicht bei einem kleinen Problem helfen könne.
Ich möchte hier nicht all zu ausführlich werden, aber Rahja wird mir diesen Dienst sicherlich danken. Dafür nahm sie dann auch gleich meine Wäsche zum waschen mit.
Ich mag ja etwas zimperlich sein, was Reinlichkeit angeht, bei der Wäsche ist das nicht ganz so schlimm. Dennoch bin ich ihr sehr dankbar.
Und jetzt muss ich ihr gleich wieder etwas geben! Die arme, gute Frau! Aber wie sich das zugetragen hat, davon will ich hier gerne berichten!
Nach einem wirklich ganz guten, wenn auch einfachem Essen, entspannte ich noch etwas im Schankraum, als eine Signora hineintrat und sich kurz Zeit später zu mir gesellte. Ein wenig mürrisch klang sie. Und etwas schockiert vielleicht, als sie meinen Akzent hörte. Sie stellte sich gleich als Almadanerin vor und erst später mit ihrem Namen. Sefira. Sie hatte ein Feuermal im Gesicht, ich glaube, das ist der Grund, warum sie einen so großen Hut trägt. Wir kamen ein wenig ins Gespräch, sprachen über Forschung und Wissenschaft und über die Ähnlichkeiten zwischen almadanischen und horasischen alten Männern. Klingt, als wäre es in Almada genau so schlimm. Da bleibt mir nur zu hoffen, in Albernia sind sie etwas einfacher zu handhaben.
Leider musste sie sich gerade dann verabschieden, als noch ein Gast hereinkam. Ein großer, kräftiger Nordmann. Mit furchtbar dreckigen Händen. Nun, so lange es nicht meine Hände waren, konnte ich damit leben! Doch es sollte nicht mein Abend werden. Erst verschüttete ich beim anstoßen mit dem Mann ein wenig Wein und musste meine Hände säubern, dann sollte ich auch noch die seinen schrubben! Die Nordmänner benehmen sich wie kleine Kinder! Ich hoffe dennoch, dass er ein bisschen mehr auf seine Reinlichkeit achten wird!
Ich erinnere ihn an sein erstes Weib sagte er. Wie furchtbar! Ich erwiderte, dass er mich an einen Patienten erinnere, dessen Hand ich amputieren musste, weil er sich nie die Hände gewaschen hatte. Natürlich glatt gelogen, aber wenn es hilft?
Kurz darauf forderte er mich zu einem Trinkspiel heraus. Ich ließ mich darauf ein, aber auch nur, weil ich bereits eine Idee hatte, wie ich noch ganz elegant aus dieser Nummer herauskommen konnte. Ich bekam zwei kleine Becher, er die großen. Er hielt es für fair, sei ich doch viel kleiner und schmaler als er. Vermutlich wollte er auch nicht sein Gesicht verlieren. Was wäre ich schon für eine Herausforderung?
So tranken wir diesen unsäglichen albernischen Schnaps “Feengeist”. Sieger sollte sein, wer als erstes den Becher nicht mehr in einem Zug leeren konnte. Ich nutzte die Chance und trat ihm – ganz aus versehen, wie ich jedes mal wieder behaupten würde – beim Beine überkreuzen vor sein Schienbein. Das brachte mir zwar den Sieg, aber leider auch eine Fontäne aus Schnaps über mein Gesicht, meine Haare und meine Kleider!
Ein Moment der Schwäche, wo ich den Tränen nahe gewesen sein musste. Aber ich konnte mich alsbald wieder beruhigen. Die Techniken dazu habe ich glücklicherweise bereits in meinem Studium gelernt. Trotzdem musste ich mich nach dieser Sauerei dann verabschieden. So konnte ich unmöglich noch länger durchhalten.