Juan kam auf die Idee, auf unserer Reise gen Albernia, einen Zwischenstopp in Gareth zu machen. Gareth! Ohje!
Gareth zeigen ist an sich kein Problem. Wenn man gewisse Stadtteile auslässt zumindest! Es gibt da ein paar Dinge, die nicht leicht zu erklären sein werden. Ich muss mir einen Plan überlegen! Burian und Erlan habe ich bereits eine Nachricht geschickt. Bis wir hier alles gepackt haben, sollte ein Plan stehen!

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Also gut. Erlan und Burian sind der Meinung, dass wir erst einmal zu den Bornländern gehen können. Im Milzenis ein wenig feiern. Am nächsten Tag zeigt Thies uns Gareths Altstadt und darauf könnten wir vielleicht noch einen Blick in Gareths düsterstem Viertel – dem Südquartier – riskieren.

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Gareth! Großes, schönes Gareth! Aus der Ferne erkennt man diese riesige Stadt bereits. Rechts und links kommen erst riesige Felder in Sicht, dann die ersten Häuser. Und dann erreicht man Gareths ersten Stadtteil: Die Rosskuppel. Hier leben einige Pferdezüchter und nur wenige andere Gruppierungen. Eine davon sind meine geliebten Bornländer!Am späten Nachmittag erreichten wir die Tavern “Milzenis”. Als Juan uns die Tür aufhielt wurde es schlagartig mucksmäuschenstill. Die Almadaner sind hier leider keine gern gesehenen Gäste, allerdings auch nur, weil die sich im Südquartier genauso stark gemacht haben wie wir und es immer wieder zu Reibereien kommt. Petter, der Inhaber des Milzenis, lockerte die Szene dann allerdings, als er mich erkannte, die Arme zum Gruß erhob und “NERIIII!” brüllte. Sofort war Stimmung in der Taverne. Ich musste Brin und Juan vorstellen, erzählen, warum ich hier war – schon wieder – wo ich hin wollte… Es wurde ein schöner, geselliger bornischer Abend. Mit Geschichten, Bärenwerfen und viel Meskinnes und Bier.
Jasper und Duchdo kamen mit ihren Familien dazu und ließen keine Peinlichkeiten aus, die sie Juan und Brin auftischen konnten. Als die meisten bereits gegangen waren, ließ Jasper es sich auch nicht nehmen, meinen Beiden zu erzählen, wie wir einst einen ganzen Wagen teurer Pelze aus dem Stoerrebrandt-Kontor geklaut hatten! Ich ließ das lieber unkommentiert, auch wenn Brins Augen mir ein wenig zu interessiert wirkten.

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Heute war ein langer Tag und ich bin froh, dass wir jetzt wieder in unserem Zimmer bei Erlan sind. Die gestrige Nacht hatten wir uns bei Petter einquartiert. Heute war Erlan dran. Außerdem mussten meine Jungs ja auch die grandiosen Kochkünste meines alten Lehrers und Mentors kennen lernen! Aber zurück zum Morgen:
Wir schliefen nicht all zu lange. Viel zu viel Gewusel um uns herum. Ein Teil der Bornländer machte sich zu einem neuen “Auftrag” auf. Juan und Brin wollten zwar sicherlich gerne mehr wissen, aber sie ernteten auf jede Frage nur Zwinkern. Ich hob ebenfalls nur fragend die Schultern. Nach den gestrigen Geschichten wollte ich nicht noch erklären müssen, dass die Bornländer vor allem mit Wegelagerei und als Rosstäuscher ihr Geld verdienten. Thies holte uns nach dem Frühstück ab und zeigte uns Gareths Altstadt. Die größte Stadt Aventuriens ist immer ein unglaubliches Erlebnis. Die Menschen, die Märkte, die kleineren Viertel und nicht zuletzt das alte Schloss der Kaiserfamilie! Wir besuchten den Rondratempel und trafen dort ein paar der Gruppe “Veteranen” die uns im Tempel führen konnten.
Ich glaube Juan war ein klein wenig beeindruckt, als er auch von den Veteranen Loblieder über “ihre Neri” hörte. Ich schwieg auch darüber lieber und erklärte nur, dass ich in Gareth schon mit so ziemlich allen Banden zusammen gearbeitet hatte. “Für Neri ziehen wir in jede Schlacht!” kam ausgerechnet von dem einbeinigen Krieger Darian. Mir sind solche Führungen immer etwas peinlich. Ich habe hier einfach schon viel zu viel erlebt. Danach folgte ein Abstecher ins große Stoerrebrandt-Kontor. Glücklicherweise hatte ich bereits vorher ausgemacht, dass Familie Stoerrebrandt bloß nicht informiert werden sollte, so wurde es nicht gleich wieder peinlich. Meine liebe Freundin Jadwige führte uns ein wenig umher. Ich glaube, das war nicht so spannend für meine Beiden. Es folgten noch der Tempel zur offenen Hand samt Audienz bei der Vogtvikarin Linara. Man sollte doch meinen, dass Phexgeweihte gelegentlich ihre Klappe halten können, aber Linara hatte ja allen Grund mir eins auszuwischen. Ob ich denn als Ehefrau besser hören könne, als als “Angestellte”.
Mittags gab es ein wunderbares Essen in der “Roten Paprika” im Tulamidenviertel. Auch hier war das Wiedersehen groß und familiär wie bei den Bornländern. Juan und Brin wurden direkt in die Familie aufgenommen und mehr beschäftigt, als dass sie zum Essen kamen.
Wir sahen noch einige andere Dinge an und gingen Abends dann zu Erlan, der uns noch einmal mit leckeren Kleinigkeiten bekochte und – wie immer – hervorragenden Wein dazu servierte. Er blieb grundsätzlich eher still. Aber das kennt man ja von ihm, wenn eine seiner “Ziehtöchter” irgendwann mit einem Mann auftaucht. Seine Tochter kümmerte sich um Brin und erzählte ihm noch viel mehr von Gareth. Ich denke, das wird nicht Brins letzter Besuch in der Hauptstadt sein. Erlans Freundin hatte sich für heute Abend leider entschuldigt, irgendwer musste sich ja um Erlans Taverne kümmern.
Ich erklärte Juan noch, wer Erlan war, dass er mein Lehrer und Mentor war, mich zu Phex geführt hatte und ich eigentlich so nach und nach als seine Nachfolgerin aufgebaut wurde, aber als es soweit war, den Tempel, den er geleitet hatte, zu übernehmen, dankend abgelehnt hatte und letztlich Juan geheiratet und eine Familie gegründet hatte.

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Das Südquartier. Dunkel, düster, arm. Überall kann hier etwas passieren und eigentlich geht hier niemand unbewaffnet rein. Die Garde traut sich gar nicht erst. Zum Schutz meiner Lieben hatte ich aber die Gänse längst informiert und so fühlten wir uns alle ständig beobachtet, ohne auch nur eine Gestalt zu sehen. Unterwegs erzählte ich ihnen von dem Bettlerorden bei denen ich eine Zeit lang in meiner “Ausbildung” gelebt und gelernt hatte. Die Gänse. Augen, Hände, Ohren… Die Augen beobachten, die Hände stehlen, die Ohren lauschen… Und das in ganz Gareth. Wir besuchten ihr Waisenhaus – nicht ohne einen ordentlichen Korb an Essen mitzunehmen. Dann zeigte ich den beiden noch das “Heim des Streifenmeisters” – mein “Ausbildungstempel”. Es hat sich nicht viel verändert. Noch immer ist der Eingang durch eine Treppe zu einer Art Gruft erreichbar. Es ist dunkel und nur wenige Kerzen erhellen den Raum, an der niedrigen Decke glitzern Zirkone, Türkise und Rubine und auf dem kleinen Altarstein liegen vor allem gespendete Dokumente – unsere Informationsquelle.
Mittags aßen wir in der vermutlich schlechtesten Taverne Gareths, mitten im Südquartier – abgesehen vom “Roten Hahn” vielleicht. Der Drachenhort war aber jeher meine Heimat und der Wirt hatte – wie immer für uns – eine Flasche Wein gebunkert, die wirklich gut war. Dort trafen wir Burian – meinen Lieblings-Botenreiter – und Quinn, den Feenfreund, der aus seinem Krämerladen gegenüber dazu kam. Burian konnte uns ein paar Tipps für unsere weitere Reise geben und würde sich bei seinem nächsten Auftrag in die Gegend auf jeden Fall nach uns erkundigen. Quinn zeigte Brin dann noch seinen Laden und hatte ihm wohl so manches darüber zu erzählen. Brin schaute mich auf jeden Fall dauernd so komisch wissend lächelnd an.