In den letzten Tagen habe ich mich mit dem Ort vertraut gemacht. Hier gibt es einen wunderschönen Wasserfall an einem See. Ich war sogar darin schwimmen. Es ist wahnsinnig kalt um diese Jahreszeit, aber wenn man sich daran gewöhnt hat und in Bewegung bleibt, sehr angenehm. Äußerst interessant war eine junge Elfe (nein, Halbelfe!), die ich dort traf. Wie viel hat man schon von den Spitzohren gehört. Einige Wenige leben auch bei uns in den Städten, aber ich wüsste nicht, je einem begegnet zu sein. Und ich würde mich garantiert erinnern! Es sind wirklich hübsche Wesen. Aber ich traf sie nicht alleine. Auch ein alter Almadaner war dort. Das erinnerte mich an Signora Sefira aus dem Gasthaus. Und ich musste feststellen, dass sie Recht hatte! Ich schätzte ihn auf über 60, ein wahrlich stolzes Alter, dennoch ein Kavalier, wie er im Buche steht. Wir unterhielten uns ein wenig, während die Halbelfe sich um das Pferd des Almadaners kümmerte. Ich habe noch nicht einen Stallburschen gesehen, der sich so um Pferde kümmerte. Ich bin wirklich (!) beeindruckt und es erinnert mich daran, dass ich unbedingt noch eine Zeichnung anfertigen muss um den Körperbau der Halbelfen festzuhalten. Sie unterscheiden sich anatomisch ein ganzes Stück von uns. Ob es hier in der Nähe wohl einen Tempel oder eine Akademie mit einer Bibliothek gibt? Das würde es mir erleichtern! Aber zurück zum Thema:
Die junge Halbelfe erzählte eine etwas wirre und sicherlich wilde Geschichte. Sie ist wohl bei ihrer elfischen Mutter und ihrer Sippe aufgewachsen, hat aber bei ihrem menschlichen Vater, einem Stallknecht, für irgendwelche wichtigen Menschen gearbeitet. Und das in Almada. Ich kann verstehen, dass man die Halbelfe für die Ausbildung der Pferde eingesetzt hat. Wer das einmal beobachtet hat, muss zu diesem Schluss kommen. Deswegen finde ich es äußerst verwirrend, dass die Herren nicht auf die Halbelfe gehört hatten, der “wichtige Mensch” vom Pferd stürzte und die anderen Menschen sie aufknüpfen wollten und sie eines Mordversuchs bezichtigten. Bauern, allesamt diese Mittelreicher! Wer kommt darauf?
Wobei ich gestehen will, dass die Halbelfe einfach überhaupt nichts über die Menschen weiß, geschweige denn ein Verständnis für unser Verhalten hat! Vielleicht hat sie es auch nur fehlinterpretiert. Aber sei es, wie es sei. Die Halbelfe war hier, war verwirrt und hatte keinen Schlafplatz, geschweige denn irgendwen, der sich um sie kümmerte. Der Almadaner, Juan, und ich konnten sie überreden mit uns zum Gasthaus zu gehen. Wir sorgten dafür, dass sie einen Platz im Gemeinschaftsraum oder im Pferdestall bekommen konnte. Der Wirt war da sehr verständig. Dennoch war die Halbelfe unglaublich verängstigt!
Ich kann es ja ein bisschen verstehen, aber ich verstehe nicht, was ihr Vater ihr beigebracht hatte, dass sie kaum etwas verstand und das sie das nicht mit ihm klären konnte, ehe sie davon gelaufen ist. Wo war er als das passierte? Fragen über Fragen. Und gerade ihr Vater muss sich doch mit Elfen wenigstens ein wenig auskennen. Er hat ja schließlich eine Tochter mit einer!
Ich traf sie auch einen Tag später wieder. Ebenso wie Juan war sie wieder an dem Wasserfall. Sie hatte sich von dem Leibwächter, den wir am Abend zuvor noch im Gasthaus trafen, dazu überreden lassen, im Gemeinschaftsraum zu schlafen und beschwerte sich über die lauten Geräusche, die wir Menschen des Nachts machten. Was soll ich dazu sagen? Sie ist halb Mensch, vielleicht macht sie nur halb so viele Geräusche?
Wir einigten uns darauf, dass sie im Pferdestall schlafen würde und sich erst einmal um die Pferde des Almadaners und seiner Familie kümmern würde. Ich würde mich bei den Menschen im Ort umhören, ob jemand ihre Hilfe benötigen würde.
Apropos Almadaner und Familie! Ich bin beeindruckt! Schon wieder! In seinem Alter reist er noch mit seiner Frau und seinem Sohn umher und seine Frau scheint noch genauso agil zu sein wie er! Sie haben einen adoptierten Sohn, einen Jugendlichen. Ich hoffe, dass ich sie bald einmal kennen lernen kann.