Tage voller Arbeit und Forschung! Es sind immer noch hauptsächlich die kleinen Wehwehchen, die ich hier zu behandeln habe. Es ist interessant, wie zimperlich mancher gestandene Mann ist. Ein eingewachsener Zehnagel musste versorgt werden. Dazu war nur ein winzig kleiner Schnitt nötig! Ich musste weder reißen, noch den Fuß amputieren. Doch wie letzteres klangen die Schmerzensschreie des Mannes. Ich kann nur hoffen, dass das seine schwerste Verletzung bleibt. Eine Händlerfamilie mit nur einem Kind war ebenfalls ein Fall. Was machen die sich unnötig Sorgen, nur weil der junge Mann eine Triefnase hat. Wärme und Tee sollten da reichen! Und noch das ein oder andere kleine Wehwehchen füllten den Tag. Eine Dame wehrte sich vehement, als ich ihr erklärte sie sei schwanger. In ihrem Alter schimpfte sie, dabei war sie gerade 30! Vermutlich wollte sie einfach nicht wahrhaben, dass Kind Nummer 8 unterwegs ist. Nach der Schwangerschaft könne sie Rahjalieb nehmen, um das zu verhindern. Da momentan außerdem ein Tsageweihter im Gasthaus ist, habe ich sie an ihn verwiesen. Ein wenig Unterstützung, vor allem seelischer Natur, kann sicher nicht schaden.
Außerdem habe ich mich draußen noch weiter umgesehen. Dabei kam ich an einen übel riechenden Sumpf. In der Nähe sah der Boden lehmig aus, was mich auf die Idee brachte, dass man forschen müsste, ob man den nicht auch ohne brennen härten könnte. Ich muss vielleicht mal mit einem Baumeister sprechen, ob es da Möglichkeiten oder andere Stoffe gibt, die dafür genutzt werden könnten. Die Idee dahinter ist eine Art Kasten oder Röhre für ein Bein oder einen Arm, der gebrochen ist. Anstelle einer Holzschiene, mit der man nur mäßig die Extremitäten so sichern kann, dass sie wirklich bewegungsunfähig sind, wäre man in so etwas doch deutlich gesicherter. Ein wenig Polsterung und das Ganze würde Sinn ergeben. Nur kann man ja schlecht das Bein oder den Arm in einen Brennofen schieben! Und noch eine offene Frage: Wie bekommt man diesen Kasten dann wieder ab, ohne den Patienten zu verletzen? Schwierig, aber nicht unmöglich! Ich behalte das im Kopf. Vielleicht führt Aves einen Baumeister oder Handwerker einmal in meine Richtung!
Und nach diesem anstrengenden Tag traf ich im Gasthaus noch auf Juan. Wir unterhielten uns etwas und machten noch einen Spaziergang. Ich bin mir sicher, er flirtete mit mir. Er ist ein wirklich lieber, alter Mann. Seine Frau muss stolz auf ihn sein! Irgendwie ging es viel mehr um mich, als um ihn. Erfrischend, wenn man bedenkt, dass ich den Rest des Tages fast ausschließlich über andere rede.
Dennoch ärgert es mich etwas. Ich glaube, sein Leben war, und ist es noch (!), sehr spannend. Ich erzählte ihm ein wenig aus meiner Jugend. Wie mein Bruder mich an den Haaren wieder nach Hause schliff, wenn ich mal wieder mit einem meiner Verehrer davon schlich. Immer dann, wenn unsere Eltern nicht da waren. Es schien als habe Juan mich so nicht eingeschätzt. Ich wirke vielleicht doch strenger als gedacht. Das wäre furchtbar!!! Vielleicht hatte unser “Kindermädchen” mehr Einfluss auf mich, als gut gewesen ist!
Es war schon eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte! Aber auch die Zeit jetzt ist schön. Ich genieße es mit Juan spazieren zu gehen. Die Gespräche lenken von dem normalen Alltag ab und scheinen mir doch ein wenig wie Patientenbetreuung. Etwas, was ich immer sträflich vernachlässigt habe. Aber dafür waren die jüngeren Semester zuständig oder die Helferinnen. Ich sehe mich allerdings auch viel mehr in der Forschung als in der Betreuung der Patienten. Hesinde, nicht Peraine, leitet mich!