Immer wieder trifft man hier auf neue Leute. Das ist spannend. Es scheint ein Durchreiseort zu sein. Ich werde hier sicherlich länger verweilen als an anderen Orten.
Leider trifft man aber auch auf gruselige, ungewaschene Gestalten! Und das zwischen einem edel aussehenden Krieger aus dem Bornland und einem so galanten Herrn wie Juan. Ich konnte ihn kaum ansehen. Überall dieser Dreck! Armut heißt doch nicht, dass man sich nicht zwischendurch sauber halten kann, oder? Natürlich weiß ich, dass es arme Menschen gibt. Aber wundert es denn jemanden, wenn solche dreckigen Menschen keine finden?
Kommen wir aber zum Anfang. Die drei Herren hatten es sich an einem Lagerfeuer in der Nähe des Wasserfalls bequem gemacht. Scheinbar hatten sie gerade Würstchen darüber gebraten. Glücklicherweise hatte ich bereits gegessen, ich hätte mit diesem Alrik im Blick sicherlich nichts hinunter bekommen! Als der Bornländer eine Flöte herausholte um darauf zu spielen, bat Juan mich um einen Tanz. Was kann dieser Mann bloß nicht? Ich habe ihn völlig unterschätzt! Er reist, er reitet, er schwimmt, er ist Fechtlehrer – jetzt noch… und dann tanzt er auch noch deutlich besser als ich! Ich hoffe inständig, dass ich keine all zu schlechte Figur dabei gemacht habe. Das wäre mir äußerst peinlich.
Wir setzten uns bald wieder und das Thema kam auf Frauen, aber man schweifte ständig ab.
Zu allem Übel kam auch noch ein Südländer mit einem deutlich al’anfanischen Akzent. Als er jedoch bemerkte, er sei wegen des Kräutersammelns hier, war ich ein wenig beruhigter. Gelehrte Menschen sind mir immer willkommen – Vorurteile hin oder her.
Irgendwie kamen wir auf Magie. Ich gebe zu, ich bin kein großer Freund der Magie, dennoch weiß ich um ihre Vorzüge und würde sie niemals verurteilen! Magie kann retten, was wir einfachen Medici nicht mehr retten können. Die Zusammenarbeit macht viel aus. Das muss ich zugeben und auch vertreten – alleine schon im Sinne der Akademie! Dieser schmuddelige Alrik erzählte etwas von einem Praioten in ihrem Dorf. Diese rückständigen Mittelreicher wieder! Magie ist nicht an sich schlecht, das predigt Ehrwürden Loriano zu Hause auch! Er erlaubte sogar den Einsatz magischer Kampftruppen! Und wenn Ehrwürden so etwas mit seinem Gewissen erlauben kann, dann kann das doch nicht verkehrt sein! Das ganze Mittelreich erscheint mir manchmal wie ein großes Dorf in denen Neuerungen keine Möglichkeit haben, angenommen zu werden. Bei HESinde! Auch wenn ich hier Forschungen betreiben kann, so zweifel ich doch, dass auch nur eine der Neuerungen die unsere Akademie herausbringt, hier angenommen werden würde.
Ein kurzer Aussetzer meinerseits kam auf, als der Thronfolgekrieg erwähnt wurde und mir beinahe rausrutschte, dass der Marschall damals von den Almadanern ermordet wurde. Das klang wie ein Vorwurf, den ich doch keinem der hier Anwesenden machen kann. Im Gegenteil! Eigentlich waren es wir selber, die dafür sorgten, dass den Almadanern eine Tür offen stand, bei uns anzugreifen!
Ich schweife schon wieder viel zu sehr ab! Ich bin aber auch immer noch etwas aufgeregt.
Als dann auch noch der Krieger sehr plötzlich in Tiefschlaf fiel, bezeichnete mich Alrik als Hexe. Juan griff sofort ein, dass man sich einer Dame gegenüber so nicht verhielte. Ich wandte ein, dass wenn ich eine Hexe wäre, ich ihn wohl unlängst für ein Bad ins Wasser gehext hätte.
Ich! Eine Hexe! Bei Nandus, denkt nach, ehe ihr redet! Als würde eine Hexe sich einfach so zu einer so geselligen Runde setzen! Wo kommen nur solche Ideen her? Die treiben sich doch eher tief in irgendwelchen Wäldern herum und tanzen um Steinkreise, ähnlich wie diese männlichen Hexen – Druiden! Gut, dass es sowas bei uns im Horasreich kaum bis gar nicht gibt!
Zurück zum Thema. Juan musste sich verabschieden, seine Stute war wohl etwas unwillig. Aber es wurde auch schon spät.
Nach einer Diskussion über Reinlichkeit und Alriks Arbeitshaltung – schließlich gammelte er hier mit uns rum, anstelle sich zu waschen oder nach einer Arbeit zu suchen – überzeugte ich Alrik schließlich ein Bad zu nehmen und konnte nicht fassen, dass er wieder in seine dreckigen Sachen stieg. Ich versuchte ihn immerhin darauf hinzuweisen, dass er ja jetzt wisse, wie das mit dem waschen ginge und er seine Sachen dann morgen reinigen könne. Er habe kein zweites Paar Kleider. Ich war schockiert! Der Pflanzensammler, dieser ich bin mir fast sicher Al’Anfaner, reichte ihm aus seiner Tasche eine Hose und ein Hemd. Mir war bereits aufgefallen, dass er ziemlich feine Kleider trug, aber so kennt man die Al’Anfaner ja. Wie diese Leute in Vinsalt aus dem Kontor dieser Grandenfamilie.
Ich fand diese Geste war sehr heldenhaft! Immerhin konnte man Alrik jetzt schon wieder ansehen, ohne gleich einen Brechreiz zu verspüren!
Man verabschiedete sich dann auch und ich zeigte dem Südländer und seiner Katze den Weg zum Gasthaus.
Apropos die Katze. Das sind wirklich schöne Tiere und es machte fast den Eindruck als würde sie sehr genau verstehen, was der Al’Anfaner ihr sagte. Ich wagte sogar meine Hand nach ihr auszustrecken, als sie aus einiger Entfernung an mir rumzuschnuppern versuchte. Zu gerne hätte ich etwas mehr über die Anatomie dieser Tiere gelernt. Sie schien ja sehr zahm und beim streicheln hätte das sicherlich einiges an Erfahrungen mit sich gebracht. Blöderweise zuckte ich zurück, als sie anfing mich abzuschlecken. Gruselig! Ich muss mir wirklich etwas einfallen lassen. Sauberkeit in allen Ehren! Sie ist wichtig und richtig, vor allem, wenn man mit Patienten arbeitet. Das bestätigen all unsere Forschungen am Institut! Ich glaube allerdings, dass sie uns die Reinlichkeit ein wenig zu sehr eingebläut haben.
Es macht mir schließlich auch nichts aus in einer Wunde herumzuwühlen oder – Boron möge unseren Forscherdrang verzeihen – an den Toten zu forschen! Allerdings sind das auch wieder ‘saubere’ Sachen und man wäscht sich vorher und nacher gründlich. Dennoch! Wenn ich demnächst mit Lehm oder anderen Materialien rumprobieren möchte, sollte ich mir das ein wenig abgewöhnen!