In letzter Zeit habe ich sträflich meine abendlichen Spaziergänge vernachlässigt. Aber ich hatte auch guten Grund dazu!
Ich half dem Sohn eines Großbauern, der mich und meine Dienste auf Dauer nicht hätte bezahlen können. Der junge Mann, er ist wohl gerade einmal 17 Götterläufe alt, war vom Heuboden gefallen und hatte sich dabei einen Arm gebrochen. Als ich ihm eine Schiene anlegte, erzählte ich dem Vater von meinen Forschungen und er sagte mir, dass er einen Baumeister kenne. Dafür, dass ich mich um seinen Sohn kümmere, bis der Arm verheilt sei, würde er mich mit ihm bekannt machen. Welch ein Glücksfall! Den ich natürlich annahm!
Wie sich herausstellte, kommt Lehm ni cht in Frage, aber Gips! Der wird zur Füllung im Hausbau benutzt und härtet gut und schnell – ganz ohne hohe Temperaturen, wie beim Lehm brennen.
Ich schrieb direkt an das anatomische Institut mit der Bitte, sie mögen meine Forschungen aufnehmen. Sie können viel schneller und besser mit dem Material forschen, als ich es hier kann.
Dennoch habe ich vom Baumeister eine kleine Menge Gips in pulvriger Form bekommen. Man mischt ihn mit ein wenig Wasser und lässt es dann trocknen. Soweit so gut! Aber wie bekommen wir das jetzt z.B um einen Arm? Ohne, dass es einfach herunterläuft, ehe es fest wird? Und wenn ich weniger Wasser benutze bein anmischen, wie bekomme ich es wieder vom Arm ab? Ich denke da an eine Polsterung. Vielleicht ein Tuch als unterste Lage? Aber wird das nicht durchweichen? Ich werde es in den nächsten Tagen weiter testen. Dafür habe ich mir ein paar Äste und alte Tücher organisiert. In der Werkstatt des Baumeisters habe ich einen kleinen Platz gefunden, an dem ich arbeiten darf. Gemeinsam mit den hoffentlich schon bald beginnenden Forschungen am Institut sollte es schnell zu Ergebnissen kommen!

——–

Tag 1: Gips zu flüssig, rutscht am Ast ab. Tücher werden völlig durchgeweicht, härtet nur unzulänglich.
Tag 4: Verschiedene Mischverhältnisse getestet, ehe ich wieder Äste und Tücher verschwende, ohne Ergebnisse zu erzielen. Verhältnis von 3:1 oder 4: 1 scheint gut. (3/4 Teile Gips, 1 Teil Wasser). 20 Minuten zu einer annehmbaren Härte.
Tag 6: Ohne Tuch will der Gips sich nicht recht lösen. Abklopfen scheint eine blöde Idee in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um Brüche handelt!
Tag 10: Das anatomische Institut hat es mit der Antwort ziemlich eilig gehabt. Seeweg geht schnell. Kein Interesse an meinen Forschungen, es gäbe wichtigeres – ärgerlich. Eventuell habe ich mehr Erfolg, wenn ich Erfolge berichten kann?
Tag 11: Schleppend. Bauersjunge lässt mich ständig rufen. Braucht wohl Aufmerksamkeit. Vater glaubt, meine Forschungen müssten doch schneller gehen. Schnellere Heilung geben nur Heilmagier – die sind aber deutlich teurer als ich. Erkläre ihm, dass deren Kraft teuer ist, weil sie letztlich nichts anderes ist, als die Kraft, die er benötigt um seine Felder zu bestellen. Scheint nicht der Hellste zu sein. Hat aber seinen Sohn für das ewige Rufen lassen gerügt. Solle sich Frau in seinem Alter suchen und nicht eine Medica aus dem Horasiat. Ich bin verwirrt.
Tag 14: Gemetzel! Messer sind nicht geeignet, den Gips später wieder vom Ast zu lösen. Gips, Tuch und Ast beschädigt. An einem echten Arm wäre das eine tiefe Wunde geworden. Wird Zeit für eine Pause und Spaziergänge um einen klaren Kopf zu bekommen. Ich vermisse sogar schon den alten Almadaner. Mit ihm kommt man immer auf ganz andere Gedanken.