Es war einsam so ohne “Familie” in Trallop. Die Schule lenkte ihn nur wenig ab. Die Buchhaltung war langweilig. Vor allem aber lenkte sie nicht ausreichend ab. Hitta kam ihm dabei immer wieder in den Sinn. Er hatte doch wirklich mal alles richtig gemacht, aber sie wohllte ihn nicht mehr sprechen. Zu allem Überfluss hatte ihr Bruder ihm deutlich gemacht, dass er sich nicht mehr blicken lassen müsse. Fechtlehrer hin oder her – gegen eine Horde Tralloper würde sich der almadanische Weiberheld auf Dauer nicht verteidigen können behauptete er. Und hatte damit vermutlich Recht. Dabei wollte er sich nur entschuldigen. Nichts weiter. Er wusste mittlerweile, dass nicht Hitta die Frau seiner Träume war. Im wahrsten Sinne des Wortes. Doch diese Träume waren komisch. Sie erinnerten ihn – wie so vieles – an Neraida.
Dennoch schienen die Träume wichtig. Sie waren nicht ganz so wie die von Neraida. Nicht von Phex. Da war er sich ganz sicher. Wenn ihn nicht alles täuschte hatte Rahja die Hände im Spiel. Dabei war doch Boron der Herr der Träume!
Glücklicherweise konnte er sich Rat im Tempel holen. Wenn Trallop auch sonst nicht viel zu bieten hatte, einen Rahjatempel hatte diese Stadt vorzuweisen.
Der Rat des Geweihten war jedoch nur schwammig. Zumindest für ihn. Queste, Rahja, Liebe, Kampf und Ehre. Das waren die Worte, die er aus der Rede aufschnappte, dabei ging der Sinn zwischen den Worten für ihn großteils verloren.
In den nächsten Wochen wurde eine Dame aus einem Bordell eine gute Freundin.
Sie lenkte Leandro ausreichend von den Frauen und seinen Träumen ab und stellte nicht viele Fragen. Dennoch kam es gelegentlich zu Gesprächen, die die Deutung des Rahjageweihten irgendwie bestätigten. Er musste hier weg, so viel stand fest. Doch wie? Was war mit der Schule?
Er hatte noch keine Lösung gefunden, doch seine Träume schienen drängender zu werden.

Brief an Juan:
“Rahja mit dir und den Deinen, Juan!
Ich schreibe dir um dir ein paar Dinge zu erklären. Deine Schule steht noch, mach dir darum keine Sorgen! Die Geschäfte laufen ganz gut, aber die Menschen hier vermissen dich und auch Brin. Er war wohl ein ziemlicher Aufreißer! Wusstest du das?
Es ist gut, dass du Neraida bei dir hast. Sie wird euch hoffentlich von schlimmen Fehltritten fern halten und Brin genug beeinflussen, dass er nicht so…. almadanisch… wird, wie wir. Grüß Neraida von mir!
Dennoch hat es einen Grund, dass ich mich mit diesem Brief an dich wende. Ich kann nicht länger bleiben. Hitta will nichts mehr mit mir zu tun haben und ich kann es ihr nicht verdenken. Letztlich weiß ich aber auch, dass mit uns auf Dauer nichts geworden wäre. Rahja scheint etwas anderes für mich im Sinn zu haben.
Ich habe hier bereits alles so geregelt, dass eurer Fechtschule nichts geschieht. Ich werde m ich zwischendurch b ei euch melden und so Rahja es will auch gelegentlich wieder bei euch vorbei schauen.
Ich hoffe wir sehen uns bald einmal wieder – so Rahja es will.
Pass auf die Deinen auf!
Leandro”