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Rollenspiel

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In diesem Blog hier, geht es dann tatsächlich mal nur um das Rollenspiel "Das schwarze Auge".Hier findet Ihr z.B Tagebucheinträge meiner Charaktere oder was wir gerade so spannendes in unserer Gruppe machen :o)

Leandro III

Geschichten Posted on Sun, July 05, 2015 21:51:23

Es war einsam so ohne “Familie” in Trallop. Die Schule lenkte ihn nur wenig ab. Die Buchhaltung war langweilig. Vor allem aber lenkte sie nicht ausreichend ab. Hitta kam ihm dabei immer wieder in den Sinn. Er hatte doch wirklich mal alles richtig gemacht, aber sie wohllte ihn nicht mehr sprechen. Zu allem Überfluss hatte ihr Bruder ihm deutlich gemacht, dass er sich nicht mehr blicken lassen müsse. Fechtlehrer hin oder her – gegen eine Horde Tralloper würde sich der almadanische Weiberheld auf Dauer nicht verteidigen können behauptete er. Und hatte damit vermutlich Recht. Dabei wollte er sich nur entschuldigen. Nichts weiter. Er wusste mittlerweile, dass nicht Hitta die Frau seiner Träume war. Im wahrsten Sinne des Wortes. Doch diese Träume waren komisch. Sie erinnerten ihn – wie so vieles – an Neraida.
Dennoch schienen die Träume wichtig. Sie waren nicht ganz so wie die von Neraida. Nicht von Phex. Da war er sich ganz sicher. Wenn ihn nicht alles täuschte hatte Rahja die Hände im Spiel. Dabei war doch Boron der Herr der Träume!
Glücklicherweise konnte er sich Rat im Tempel holen. Wenn Trallop auch sonst nicht viel zu bieten hatte, einen Rahjatempel hatte diese Stadt vorzuweisen.
Der Rat des Geweihten war jedoch nur schwammig. Zumindest für ihn. Queste, Rahja, Liebe, Kampf und Ehre. Das waren die Worte, die er aus der Rede aufschnappte, dabei ging der Sinn zwischen den Worten für ihn großteils verloren.
In den nächsten Wochen wurde eine Dame aus einem Bordell eine gute Freundin.
Sie lenkte Leandro ausreichend von den Frauen und seinen Träumen ab und stellte nicht viele Fragen. Dennoch kam es gelegentlich zu Gesprächen, die die Deutung des Rahjageweihten irgendwie bestätigten. Er musste hier weg, so viel stand fest. Doch wie? Was war mit der Schule?
Er hatte noch keine Lösung gefunden, doch seine Träume schienen drängender zu werden.

Brief an Juan:
“Rahja mit dir und den Deinen, Juan!
Ich schreibe dir um dir ein paar Dinge zu erklären. Deine Schule steht noch, mach dir darum keine Sorgen! Die Geschäfte laufen ganz gut, aber die Menschen hier vermissen dich und auch Brin. Er war wohl ein ziemlicher Aufreißer! Wusstest du das?
Es ist gut, dass du Neraida bei dir hast. Sie wird euch hoffentlich von schlimmen Fehltritten fern halten und Brin genug beeinflussen, dass er nicht so…. almadanisch… wird, wie wir. Grüß Neraida von mir!
Dennoch hat es einen Grund, dass ich mich mit diesem Brief an dich wende. Ich kann nicht länger bleiben. Hitta will nichts mehr mit mir zu tun haben und ich kann es ihr nicht verdenken. Letztlich weiß ich aber auch, dass mit uns auf Dauer nichts geworden wäre. Rahja scheint etwas anderes für mich im Sinn zu haben.
Ich habe hier bereits alles so geregelt, dass eurer Fechtschule nichts geschieht. Ich werde m ich zwischendurch b ei euch melden und so Rahja es will auch gelegentlich wieder bei euch vorbei schauen.
Ich hoffe wir sehen uns bald einmal wieder – so Rahja es will.
Pass auf die Deinen auf!
Leandro”



Neraida und Leandro

Geschichten Posted on Mon, June 15, 2015 11:16:42

Es traf ihn härter als die Ohrfeige Hittas. Neraida, Juan und Brin würden auf Reisen gehen. Nach Albernia. Eventuell würden sie sogar die Schule dorthin verlegen! Ein Albtraum! Er wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Lachen, weil er sich über das Vertrauen, was sie ihm schenkten freute, sollte er sich doch um die Schule kümmern, so lange sie fort seien oder weinen, weil er seine liebgewonnene “Familie”, vor allem aber Neraida, wieder verlieren sollte.
Was auch immer sie unterwegs erlebt haben mochte – und sie hatte ihm furchtbare Geschichten erzählt! – es hatte sie verändert. Nicht zum Negativen. SIe war offener, spielte fast mit ihm, als sie ihn zu überzeugen versuchte.

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Ich sprach eben mit Leandro. Sein Gesicht wirkte wie drei Tage Regenwetter als ich ihn bat auf die Schule Acht zu geben, während wir Albernia bereisten. Vermutlich hat er nur keine Lust auf so viel Arbeit! Ein bisschen Überzeugungsarbeit musste ich schon leisten. Ich glaube T. hat mir letztlich genau so viel beigebracht, wie ich ihm. Es erstaunt mich selber, wie offen ich das einsetzen kann. Leandro wirkte allerdings so vollkommen anders, als ich ihn kennengelernt hatte. Fast ängstlich und abwehrend. Dabei hätte er vor meiner Reise ins Horasreich jeden kleinsten Halm gegriffen um mich doch noch herumzukriegen. Was stimmt denn bloß nicht mit ihm? Ich habe das Gefühl, es hat was mit unserem weinseeligen Abend zu tun. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, was ich gesagt oder getan haben könnte, um ihn so anders werden zu lassen. Wir haben nur über meine Reise ins Horasreich gesprochen. Und dieses Hittathema kann man ihm auch nur stückweise aus der Nase ziehen!

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Und dann noch das Hittathema! Warum kam sie immer wieder darauf zurück? Wollte sie ihn absichtlich ärgern? Warum merkte sie nicht, dass er mit ihr jetzt wirklich nicht über Frauen reden wollte? Schon gar nicht, wo sie eine der Frauen war, die ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen wollten. Nicht, nachdem er bei Hitta lag und ihren Namen gerufen hatte, schon gar nicht nach dem langen, intensiven Kuss, an den sie sich nicht einmal mehr erinnern konnte! Und abgeschlossen hatte er auch die Geschichte mit Hitta nicht. Zum ersten Mal hatte er ein schlechtes Gewissen. DAbei hatte er Hitta nicht mal wirklich betrogen!
Sein Magen fühlte sich flau an und Neraida strapazierte seine Nerven mehr als gut war. Er drängelte an ihr vorbei in die Küche und holte eine Flasche Wein und eine Flasche Premer hervor, die er sich eigentlich für eine ordentliche Feier besorgt hatte. Es gab letztlich ja jetzt etwas zu feiern. Mit bitterer Miene stellte er 3 Becher auf. In 2 davon füllte er Wein, in den letzten eine große Menge Premer, die er sich sofort hinter die Binde kippte. Er reichte Neraida, die ihm gefolgt war und mit verschränkten Armen im Türrahmen lehnte, einen Weinbecher. “Na dann lass uns feiern, dass ihr auf große Reise geht!” Er wartet nicht, dass sie reagierte und kippte auch den Becher Wein in einem Ruck hinunter. Er schüttelte sich. Was auch immer sie wollte, seine Zunge würde sich jetzt sicher lockern und er könnte ihr gleich gehörig die Meinung sagen!

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Er musste sich erst einmal Alkohol hinter die Binde kippen. Das verwirrte mich noch mehr, aber immerhin erklärte er mir nun endlich wer Hitta eigentlich war. Die Tochter eines Händlers, die für ihren Vater die Bücher geführt hatte. Das erklärte unsere ordentlichen Bücher! Sie hatte sich wohl rührend um ihn gekümmert und es schien mir sogar, als wäre es für ihn etwas ernstes gewesen. Er trank einen Wein nach dem anderen, während ich immer noch den ersten in meiner Hand hielt. Zunehmend lallend berichtete er mir, warum sie ihn davon gejagt hatte. Ich verstand allerdings nur etwas wie “falscher Name im Bett” und “du bis schuld!” Dann begann er sich die Haare zu raufen und erneut einen Premer herunter zu stürzen. Ich bekam langsam Angst um ihn und versuchte ihn zu beruhigen. Ich nahm ihm die Flasche Premer weg, der Wein war bereits leer und versuchte ihn am Arm zu einem Stuhl zu delegieren. Er schlug meinen Arm jedoch davon und lallte “Ja, ja. Ich kümmere mich um eure Scheiß-Schule! Lass mich bloß in Ruhe und geh auf Reise! Mich braucht ihr dabei ja nich!”

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Es dreht sich alles um ihn. Er hätte Neraidas Hand nicht wegschlagen sollen und ihre Hilfe annehmen. Er stützte sich auf einem Schrank ab, peilte einen Stuhl an und taumelte darauf zu. Gerade noch so erwischte sein Hintern einen Teil des Stuhls. Ausreichend, um nicht daneben zu fallen. Er schaute zu Neraida, die ihren Becher bereits abgestellt hatte und ziemlich ärgerlich auf weitere Erklärungen wartete. “Schulligung” nuschelte er, “Is keine Scheiß-Schule. Ich mach das scho. Ellich” sicherte er ihr zu. Scheinbar zufrieden entspannte sich Neraida ein wenig “Schlaf den Rausch aus. Wir besprechen morgen genaueres!” sagte sie, ehe sie sich umdrehte und davon ging.
Er haute mit einer Faust auf den Tisch, dass der Becher einen Hüpfer machte und umkippte. “Scheiß Schule, Scheiß Weiber” dann sank er zusammen und schlief halb auf dem Tisch liegend ein.



Leandro II

Geschichten Posted on Sun, June 14, 2015 18:48:23

Die Ohrfeige hatte gesessen. Der Handabdruck leuchtete rot auf seiner Wange. Er duckte sich als ein Teller geflogen kam und brachte sich eiligst hinter der Tür, die ihm als Schutzschild diente, in Sicherheit. “Caramba! Halte ein!” rief er der Dame zu, doch die wütete weiter.
“Sieh zu, dass du verschwindest, du dreckiger Mistkerl!” schrie sie ihn unter Schluchzern an.
Leandro musste sich eingestehen, dass er diese Sache ein für allemal verbockt hatte. Wie konnte das nur passieren?
Als er Neraida heute endlich wieder gesehen hatte, wollte er nichts mehr, als zu Hitta, um ihr davon zu berichten. Genau das hatte er getan. Er hatte bestimmt eine gute Stunde berichtet. Dinge von vorher, Dinge, die sie ihm nur kurz angedeutet hatte, Dinge die eben erst passiert waren.
Hitta wurde zusehends ärgerlicher, was er gar nicht verstehen konnte. Um sie zu überzeugen beendete er das Thema und nahm sie in die Arme. Sie war zwar immer noch kritisch, ließ sich aber von seinen Küssen und Schmeicheleien schnell überzeugen. So kam eins zum anderen und er hatte das Gefühl, dass Rahja heute besonders wohlgesonnen auf ihn hinabblickte. Doch dann passierte es. Völlig in Träumen gefangen, kamen sie ihrem Höhepunkt näher. “Neraida! Endlich!” stöhnte er auf und wollte sich an Hitte kuscheln, als die Ohrfeige ihn in die Realität holte und er mit einem überraschend kräftigem Schubs aus dem Bett flog. Im ersten Moment war ihm gar nicht klar, was passiert war, aber unter Zetern und Schreien hielt Hitta es ihm noch einmal vor und so dämmerte ihm nach und nach, dass er gedanklich tatsächlich nicht bei Hitta gewesen war.
Alles entschuldigen und flehen nutzte gar nichts. Und als sie begann Gegenstände nach ihm zu werfen, verschwand er.
Er musste einen klaren Kopf bekommen. Er mochte Hitta wirklich! Das erste Mal hatte er das Gefühl, er würde es länger mit einer Frau, vielleicht sogar ewig, aushalten. Er irrte über die Wiesen und zerbrach sich schier den Kopf über das was passiert war.
Unterwegs traf er Brin, dem er immerhin die frohe Botschaft von Neraidas Rückkehr überbringen konnte. Brin war zwar etwas skeptisch über Leandros Miene, freute sich aber zu sehr darüber, dass Neraida wieder da sein sollte.
SIE. Neraida! Was stimmte mit ihm – mit Leandro – nicht, dass er vorhin davon geträumt hatte, dass sie unter ihm lag und nicht Hitta?
Zugegeben, schon als er sie damals kennen gelernt hatte, wollte er sie wenigstens einmal ins Bett bekommen. Aber sie hatte mehr als einmal deutlich gemacht, dass es für sie nur Juan gab. Trotz Rahjabund, auch ohne Treueschwur. Also was stimmte nicht? Sie hatten sich angefreundet und er hatte die ein oder andere Liebschaft mit den Damen aus Trallop gehabt. Und Hitta! Hitta war mit Abstand die längste seiner Beziehungen und er fühlte sich wohl bei ihr!
All das Grübeln brachte ihn nicht weiter. Er machte sich auf den Weg zurück zur Fechtschule.

Hitta hatte Neraida seine Klamotten um die Ohren geworfen und war wütend abgezogen. So hielt es ihm Neraida mit einem breiten Grinsen vor, als er die Räume der Schul wieder betreten hatte.
Brin war schon wieder losgezogen. Er würde genau so ein Weiberheld werden, wie sein alter Herr. “Oder wie ich?”, dachte er, dann schob er die Gedanken endgültig beiseite.
Bei Wein und dem ein oder anderen Schnaps erzählte Neraida ihm ihre Geschichte der vergangenen Jahre im Horasreich.
Sie scherzten und lachten, trauerten bei den gefallen Freunden und tranken, bis zu befürchten war, dass Neraida gleich umkippen würde.
Er half ihr auf, nachdem er sie überredet hatte, dass sie jetzt wirklich ins Bett gehörte. Sie strauchelte und fiel ihm in die Arme. Kichernd bedankte sie sich mit einem Kuss bei ihm. “Mein Held. Mein alter Mann. Immer für mich da!” säuselte sie ihm zu und küsste ihn noch einmal lange und schmiegte sich dabei an ihn. Ihre Hände wanderten zu den Schnüren seines Hemdes. Als ihm das klar wurde, hielt er ihre Hände fest und beendete den Kuss. “Du musst ins Bett, Neraida! Juan wird sicher bald kommen.” Wieder kicherte sie “Klaaaaar.” und stolperte, Leandro an die Hand nehmend, Richtung Schlafzimmer.
Erleichterung stellte sich ein, als Brin zurückkam. “Hilf mir!” sagte er mit flehendem Blick.
Zu Zweit schafften sie die fast schon schlafende Neraida ins Bett und halfen ihr aus der Kleidung. Brins Blicke zwischendurch waren deutlich und so sah Leandro zu, dass er das Zimmer verließ und ihr Chaos aus Wein, Bechern und Essensresten beseitigte, um sich dann mit einer Flasche vor die Schule zu setzen, in der Hoffnung Juan würde bald wiederkommen. Vielleicht könnte der ihm Verstand einbläuen, wenn Neraida ihm morgen Bericht erstattet hatte.



Leandro I

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:15:08

„Ich bin gutaussehend, jung, ein echter Held und ich weiß einfach, dass ihr mich unwiderstehlich findet!“ sagte ein vielleicht wirklich nicht ganz unansehnlicher Mann, Anfang, vielleicht Mitte, dreißig. Seine langen, dunklen Haare hatte er zu einem Zopf gebunden. Sein nicht mehr ganz so neues Hemd war auf almadanische Art weit offen und ließ einen Blick auf seine Brust zu. Die Türe wurde ihm dennoch vor der Nase zugeschlagen und als er sich umdrehte, folgte die Faust aufs Auge. Im wahrsten Sinne des Wortes. „Belästigt ihr noch einmal meine Tochter, ist das nicht das einzige was euch trifft.“ tönte die Stimme eines Bären. Oder zumindest eines Mannes, der die Statur eines ausgewachsenen Bären hatte!
Nachdem er sich von dem Schlag erholte hatte, der ihn glatt auf seinen Hosenboden gebracht hatte, rappelte er sich auf und zog davon. „Neue Stadt, neues Glück! Das kann ja nicht ewig so weitergehen!“
Nur wenige Wochen später, traf der Handelszug, den er begleitete in Donnerbach ein. Der Winter stand vor der Türe und er würde ihn und vor allem seinen Sold ausgiebig dafür nutzen, gar nichts zu tun.
Vielleicht nicht gar nichts, aber so wenig wie möglich. Eine schöne Frau hier, eine ganze Menge Wein dort. Das reichte um ihn den ganzen Winter über glücklich zu machen.
Wein gab es in Donnerbach, aber er war nicht halb so gut, wie in der Heimat. Vielleicht weil einfach die Umgebung unpassend war? Es so kalt war, wie nie in der Heimat? Und dieser Schnee, der ihn tagelang im Haus gefesselt hielt! Wie sollte er da an die schönen Frauen kommen?
Aber es hatte auch seine Vorteile. Der Wirt war redselig, hatte er doch sonst kaum Gäste, die sich mit ihm unterhalten wollten. Vermutlich wusste er nach diesem Winter mehr über Donnerbach, als über seine Heimat! Und er hörte von dieser Fechtschule. Ein uralter Mann würde sie führen. Er habe eine blutjunge Freundin, die die Geschäfte leite. Sie sei nicht hübsch, aber nützlich. Das sagte der Wirt mit einem Zwinkern und einem genuschelten „vor allem im Winter um das Bett anzuwärmen!“
Das war doch mal hochinteressant! Zu dumm nur, dass die Beiden wohl gerade ausgeflogen waren. Was die Gerüchte erst recht zum kochen brachte! Juan, ein alter Almadaner, Frauenverführer und in jedem zweiten Bett Donnerbachs bereits zu Gast gewesen. Meistens nicht, um dort alleine zu nächtigen!
Einige Geschichten erinnerten ihn sehr an seine eigenen Erfahrungen und Reisen. Aber eigentlich wollte er nicht noch so viele Jahre unterwegs sein, bis er mal etwas zustande brachte. Und vielleicht könnte man die Idee des alten Mannes ja aufnehmen! Oh, wenn er nur an die vielen hübschen Schülerinnen dachte, da wäre doch sicher irgendwann einmal die Richtige dabei! Zumindest um sein Bett zu wärmen.
Er beneidete den alten Almadaner ein wenig und nahm sich vor, auf die Rückkehr zu warten. Ein bisschen Übung ehe er wieder einen Auftrag annahm, der ihn nach Hause führte. Und vielleicht das ein oder andere Gespräch, wie man so eine Fechtschule auch in der Heimat aufbauen könne.

Es war bereits Tsa, bald wäre der Frühling gänzlich eingezogen und die Zeit einen Auftrag anzunehmen rückte näher. Doch die Scheune stand weiter leer da. Er spielte bereits mit dem Gedanken, sich einfach einmal Zutritt zu verschaffen um wenigstens einen Blick hinein werfen zu können. Doch als er sich das nächste Mal aufmachte um sich die Scheune noch einmal anzusehen, bemerkte er die offenen Läden.
Er rieb sich die Hände und stürmte hinein. Diesen Auftritt hatte er schon lange geplant. Nur die gewünschte Reaktion blieb aus. Die Dame, die ihn begrüßte sah nicht blutjung aus, vielleicht eher in seinem Alter. Und sie war definitiv kein alter Almadaner! Und von nicht hübsch konnte keine Rede sein! Zugegeben, sie wirkte ein wenig knabenhaft, aber ihre Rundungen saßen genau dort, wo sie zu sitzen hatten. Er konnte die Augen kaum von ihr lassen, als er sein Schauspiel weiter verfolgte und sie dazu überredete mit ihm zu üben
Viel war dazu nicht nötig, denn sie sagte, sie brauche ebenso wieder Übung. Außerdem wollte er ja auch dafür bezahlen. Was also sollte für sie dagegen sprechen?
Seine Annäherungsversuche schienen sie völlig kalt zu lassen. Und wenn sie hier Fechtlehrerin war, dann höchstens weil sie eine der Dirnen von dem alten Almadaner war. Sie konnte was, sicher. Aber mit ihrer Beweglichkeit machte sie seine jahrelange Erfahrung als Söldner nicht wett und so hätte er sie ganz schnell auf die Bretter schicken können. Aber das sollte warten bis zum nächsten Tag.



Geschichten aus Donnerbach II

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:14:53

Zur nächsten Übungsstunde trafen sie sich vor Donnerbach. Brin wollte mit, was Neraida nur Recht war. Als sie ihn als ihren Sohn vorstellte, hob Leandro die Augenbraue und Brin schwellte vor Stolz die Brust, als sei er der erste Hahn des Hofes. Es ging nur darum, dass man ein wenig laufen wollte. Brin meinte er sei ein guter Läufer und nach dem Vorfall am gestrigen Tag in der Scheune, war Neraida so sicher, dass Leandro nichts versuchen würde. Wenn er es denn überhaupt noch mal wagen würde. Wie sehr wünschte sie sich jetzt Juan herbei? Er hätte mit dem Jungspund kurzen Prozess gemacht. Aber wieder drängten sich die Gedanken an sein Alter auf. Er würde sie nicht ewig beschützen können. Sie musste das selber schaffen. Und so war es für sie nicht nur eine Übung um wieder in Form zu kommen, sondern gleichzeitig auch noch sich endlich genug Selbstbewusstsein gegen solche Idioten anzulegen.
Neraida wählte bewusst den Weg Richtung Wasserfall. Der war laut genug, dass man sich in der Pause nicht viel unterhalten musste. Es war ja nicht so, dass sie ihn gar nicht mochte. Sie kam nur, wie immer, nicht damit klar, dass es Männer gab, die sie mochten. Als würde nicht ausreichen, dass Juan das tat. In Leandros Fall wünschte sie sich einfach unsichtbar, aber das klappte nicht, sondern schien ihn nur noch neugieriger zu machen. Verdammte Almadaner!

Am Wasserfall angekommen, merkte sie erneut, wie sehr sie aus der Übung war. Sie sah zu Brin. Er hatte schon Recht mit der Buchhalterin. Aber das würde jetzt wieder anders werden! Er war tatsächlich kaum aus der Puste. Er hatte wunderbar mitgehalten und war scheinbar besser in Form als Neraida oder der Almadaner. „Zu viel Wein den ganzen Winter!“ hörte sie Leandro gegen das Tosen des Wasserfalls rufen. War sie eigentlich die Einzige, die nach diesem Weg vollkommen durch war? Leandro zwinkerte ihr zu, als hätte er ihre Gedanken gelesen. Sie ließ sich auf den Boden plumpsen und beobachtete Brin, der sich am Rande des Sees hingekniet hatte und den Wasserfall beobachtete. Es dauerte eine Weile, bis sie bemerkte, dass Leandro sich neben sie gesetzt hatte. Nun beugte er sich ein wenig zu ihr „Wenn das euer Sohn ist, wo ist dann sein Vater?“ Neraida hatte Mühe ihn zu verstehen. Sie hatte mit Absicht nicht die vom Wasserfall abgewandte Seite des Sees gewählt, eben um nicht mit ihm reden zu müssen. So deutete sie nur auf den Wasserfall und bedeutete ihm, dass man später reden könne. Er hob eine Augenbraue, zuckte mit den Schultern und ging dann zu Brin. Neraida beobachtete weiter und hoffte, dass Leandro nicht auch Brin ausfragen würde. Aber alles wirkte friedlich. Sie lehnte sich zurück. Der kalte Boden war scheußlich und ihre Gedanken schweiften schon wieder zu Juan. Was sie alles bereits hier unternommen hatten. Schwimmen hatte sie hier von ihm gelernt. So viele Jahre war das nun schon her, aber es schien ihr immer, als sei es erst gestern gewesen. Lächelnd schloss sie die Augen und genoss die ersten Sonnenstrahlen, die sich durch die Baumkronen ihren Weg bahnten.

Der Weg zurück war mühsam. Immer wieder fiel sie gegen Brin und Leandro zurück. Aber auch Leandro hatte bald genug. Brin wirkte verstimmt, als sie beschlossen hatten, den Rest des Weges zu gehen. Das waren also die unschönen Seiten, wenn man Kinder hatte? Nörgeleien? Brin war zum Glück schon älter. Neraida hätte nicht gewusst, wie sie mit einem Kleinkind in einem solchen Fall umgehen sollte. In diesem war es nicht all zu schwer. Sie fragte ihn, ob er sich den Weg eingeprägt hatte, ließ ihn sich noch einmal erklären und erlaubte ihm dann, vor zu laufen. Leandro war erstaunlich still geblieben die ganze Zeit. Und auch als Brin weg war, schien er noch in Gedanken versunken.
„Und? Habt ihr bereits eine Anstellung gefunden um wieder in eure Heimat zu kommen?“ riss Neraida ihn aus seinen Gedanken. Er blinzelte gegen die bereits sinkende Sonne und blieb dann stehen um Neraida nachdenklich anzusehen. „Ich glaube ich möchte noch gar nicht zurück.“ sagte er und wirkte selbst überrascht ob seiner Worte. Neraida hob eine Augenbraue, wartete aber ab, ob noch eine Erklärung folgte. „Ich mag eure Scheune und ich habe darüber nachgedacht, mich als Fechtlehrer einstellen zu lassen, wenn der Fechtmeister wieder anwesend ist.“ Neraida hatte das Gefühl, ihre Kinnlade würde auf die Knie klappen. „Ehm.. wie bitte, was? Warum?“ fragte sie nach einer Weile verwundert. Er hob die Schultern „Weil ich auf die vierzig zugehe und ja nicht ewig auf Wanderschaft bleiben kann, oder?“ Neraida schüttelte den Kopf „Wir werden die Schule vielleicht bald verlegen.“ warf sie ein, was nun wiederum ihm die Kinnlade auf die Knie zimmerte. „Wir?“ Neraida nickte. „Der Fechtmeister, wie ihr ihn nennt, ist mein Mann. Und er ist zur Zeit unterwegs um einen anderen Ort zu finden, wo wir neu anfangen können.“ Sie nickte in Richtung Donnerbach „Wir wollen Brin bei uns aufnehmen. Er ist aus einem Waisenhaus. Und Juan hat hier keinen einfachen Stand.“ Sie wunderte sich selber über ihre Ehrlichkeit. „Juan? Der in ganz Donnerbach berühmt berüchtigte Weiberheld?“ Leandro stöhnte auf. „Der soll doch schon an die hundert Götterläufe zählen und eine blutjunge Frau…“ er räusperte sich und sah Neraida an. „Oh, ich meine… Wenn ihr… viel älter als dreißig Götterläufe seid ihr ja nicht. Was wollt ihr mit einem so alten Kerl?!“ Neraida verdrehte die Augen und ging weiter. Ja, ein Neuanfang wäre das Richtige, wenn sogar dahergelaufene Almadaner bereits alle Gerüchte über Juan kannten! „Er ist sechzig und ich bin keine dreißig, sondern fast vierzig.“ gab sie patzig zurück, was ihn wieder dazu veranlasste stehen zu bleiben, sie anzuschauen, als hoffe er, dass sie hinzufügte, dass dies ein Scherz sei und prustete dann lauthals los. „Deswegen seid ihr so versessen darauf, euch mit mir zu messen! Ihr wollt eure alte Form zurück, damit IHR die Familie beschützen könnt, weil der alte Knacker das nicht mehr packt!“ lachend hielt er sich den Bauch.
Mit zwei Schritten, war Neraida bei Leandro. Er war nicht nur größer, sondern auch doppelt so breit. Dennoch baute sie sich vor ihm auf, als wäre er ein kleines Kind, was jetzt gleich eine ordentliche Tracht Prügel bekommen sollte. Drohend hob sie ihren Finger und zischte ihn an „Juan kann sehr wohl noch auf seine Familie Acht geben und nichts auf Dere gibt es, was ihn daran hindern würde. Und ihr solltet eure Zunge hüten, wenn ihr nicht wollt, dass er euch eine Abreibung verpasst, die um einiges schlimmer ist, als mein Knie in Euren Weichteilen!“ schnaubend wandte sie sich ab und lief nun wieder los, den verdutzten und tatsächlich etwas bleich um die Nase gewordenen Almadaner hinter sich lassend.
Vor lauter Wut bemerkte sie nicht einmal, wie schnell sie an der Scheune ankam. Doch als sie von weitem das Dach sah, wurde sie langsamer, wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht und ging den Rest des Weges. Sie würde den Aufenthalt einfach verkürzen und früher wieder zurück nach Trallop. Und hoffentlich konnte sie sich dann bald wieder in die Arme von Juan fallen lassen. Wie sehr sie ihn brauchte!



Geschichten aus Donnerbach I

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:14:33

Krachend flog die Türe gegen die Wand. Ein Mann, um die 30 Götterläufe, trat ein. Er sah schon aus, als wolle er Unfrieden verbreiten. Warum bloß jetzt, dachte sie noch, da tönte schon seine Stimme durch die Halle. „He da! Fechtmeister! Wo seid ihr? Warum wird man nicht ordentlich empfangen in diesem Sauladen?!“
Seufzend schlug sie ihr Buch zu. Weitere Einträge müssten eben warten. „Einen Moment!“ rief sie und schaute nach, ob Brin irgendwo zu sehen war. Solch einen Gast musste man ja nicht gleich zu Anfang miterleben. Doch er schien noch die Gegend draußen zu erkunden. Also ging sie nach vorne und bemühte sich freundlich auszusehen. „Ohoo… Eine Fechtmeisterin?“ erklang, anstelle einer Begrüßung und Neraidas Augenbraue hob sich bereits. Juan hätte bei dem Blick sofort bemerkt, dass er sich auf ganz dünnem Eis bewegte, nicht aber dieser Mann. Der Blick des Mannes wanderte an ihr hinunter und wieder hinauf, doch bis zu ihren Augen kam er gar nicht mehr. „Zum Gruße“ erklang Neraidas Stimme bereits ziemlich gereizt. Er hatte sie deutlich auf dem falschen Fuß erwischt. „Was kann ich für euch tun?“
Erst jetzt hob der Mann den Blick wieder und ein schelmisches Grinsen folgte seinem Schnalzen. „Ich glaube eine ganze Menge!“, doch seine Arme hob er gleich abwehrend, als Neraida ihre Arme vor der Brust verschränkte, den Kopf etwas zur Seite neigte und ihn mit einem eiskalten Blick bedachte. „Verzeihung, Frau Fechtmeisterin! Eigentlich dachte ich, ich könnte mich hier ein wenig in Übung halten! Der Winter ist bald vorbei und ich kann endlich wieder gen Heimat reisen. Das möchte ich ungerne, ohne dabei bezahlt zu werden.“ Wieder huschte dem Mann dieses schelmische Grinsen über die Züge und auch Neraida huschte ob der Worte ein kurzes Grinsen übers Gesicht. „Ihr müsst blind oder blöd sein.“ erwiderte sie, was ihn dazu veranlasste, sie mit staunenden Augen anzustarren. „Eh.. Wie bitte?“ stotterte er. „Wenn ihr mich für eine Fechtmeisterin haltet, müsst ihr blind oder blöd sein.“ wiederholte Neraida, ihm dabei sogar zuzwinkernd. „Der Fechtmeister ist zur Zeit verreist. Aber mir kann ein wenig Übung auch nicht schaden. Wenn es euch also nichts ausmacht, nicht von dem Meister persönlich betreut zu werden, lässt sich sicherlich etwas machen.“ Der Mann grinste wieder „Das kostet mich dann aber weniger oder?“ Neraida verdrehte die Augen „Nein, es kostet euch doppelt so viel. Das ist der Preis dafür, dass ihr zusätzlich auf Brüste starren könnt.“
Tatsächlich war sein Blick schon wieder ein Stück tiefer gerutscht. Neraidas Spruch hatte jedoch nicht die Wirkung, die sie sich erhofft hatte. Der Mann grinste nur noch breiter und ließ seinen Blick noch einmal an ihr hinabgleiten „Nicht nur…“ er unterbrach sich jedoch und schaute ihr wieder in die Augen „Einverstanden, Frau…. nun, wie war gleich euer Name?“ „Neraida, einfach Neraida. Aber euren habe ich auch noch nicht vernommen.“
Mit einer Verbeugung stellte sich der Mann vor „Leandro Tadeo Olivieri. Stets zu euren Diensten.“
Jetzt erst fiel Neraida der leichte, almadanische Akzent auf. Er war ganz schön blass für einen Südländer und der schwere, wärmende Umhang verdeckte seine Kleidung, die ihn vielleicht verraten hätte.

………

Klirrend trafen die Waffen aufeinander. Neraida stöhnte auf. Sie hatte Leandro wirklich unterschätzt. Oder besser gesagt, sie hatte sich in der ersten Übungsstunde täuschen lassen. Selber Schuld, dachte sie und versuchte gegen zu halten. Es nützte nichts, wenn sie sich nicht etwas einfallen lassen würde, wäre dieser Kampf ziemlich schnell zu seinen Gunsten zu Ende. Sein Atem ging schneller und streifte Neraidas Haut. So einfach hatte sie es ihm also doch nicht gemacht. War das etwa doch schon alles? Sie setzte ihr süßestes Lächeln auf und ließ nur ein klein wenig an Kraft nach. Er wirkte kurz verblüfft, was Neraida sofort nutzte, um mit einem leichten Stoß mehr Platz zu bekommen und mit einem Sprung zur Seite wieder ausreichend Entfernung zwischen sich und dem Almadaner zu bringen. „Biest!“ nuschelte er, schien es aber nicht böse zu meinen. Neraida hob kurz die Schultern und grinste. „Damit müsst ihr in einem Kampf doch auch rechnen, nicht wahr?“ Der Almadaner nickte und brachte sich wieder in Position. „Was ist? Seid ihr schon aus der Puste? Dann müsste ich mein Geld wohl doch zurückfordern, wir haben höchstens erst die Hälfte der Zeit geübt!“
Neraida atmete tief durch. Er hatte Recht, sie war ziemlich aus der Puste und eindeutig nicht mehr in Form. Anstatt sich nur um die Geschäfte und Papiere zu kümmern, sollte sie mehr mit Juan lernen. Auch wenn Juan es niemals zulassen würde, müsste sie vielleicht doch irgendwann die Beschützerrolle übernehmen. Juan wurde älter und sie würden bald ein Kind zu beschützen haben!
Brin hatte sich bereits nach wenigen Tagen pudelwohl gefühlt. Gestern hatte er bei der Übungsstunde zugesehen, aber heute hatte es ihn wieder nach draußen gezogen. Ein paar Kinder aus der Nachbarschaft hatte er kennen gelernt und wollte mit diesen heute Donnerbach erkunden.
Neraida schüttelte den Kopf um ihre Gedanken zu verscheuchen und brachte sich auch wieder in Position. Leandro hatte sie die ganze Zeit über beobachtet, was ihr nicht besonders gefiel. „Seid ihr fertig damit, euren hübschen Kopf zu zerbrechen?“ erklang seine, ein wenig höhnisch klingende, Stimme. Anstatt zu antworten, machte Neraida dieses Mal den Anfang. Dem würde sie noch zeigen, wo der Frosch die Locken hatte, dachte sie, doch im nächsten Moment krachte sein Säbel schon auf ihren und ein Schmerz wie von tausend Nadelstiche schoss durch ihren Arm bis hinauf in die Schulter. Sie holte tief Luft, schubste ihn mit aller Kraft wieder ein Stück nach hinten und wartete auf seinen nächsten Schlag. Dieser verfluchte Almadaner grinste schon wieder und mit schnellen Schlägen drängte er sie immer weiter nach hinten. Entweder war er doch viel besser als sie ihn eingeschätzt hatte oder sie viel weniger in Form, als sie geglaubt hatte. Es waren keine schweren Schläge mehr, aber sie kamen so schnell und gewandt, dass sie wirklich Mühe hatte diese überhaupt zu parieren. An Angriff war gar nicht mehr zu denken. Wie gut, dass das nur Übungswaffen sind, schoss es ihr durch den Kopf kurz bevor er ihr die Waffe aus der Hand schlug und mit einem letzten Schritt gegen die Wand drängte. Seine Waffe hielt er, immer noch breit grinsend vor sie.
Neraida hob die Hände und keuchte zerknirscht„Ihr habt ja gewonnen!“, doch Leandro trat noch ein Stück näher heran, die Waffe immer noch zwischen ihnen „Ich finde, ich habe mir eine Belohnung verdient.“ hauchte er und senkte seinen Kopf Neraida entgegen. Noch ehe sie ihre Augenbraue ganz angehoben hatte, traf ihr Knie schon zwischen seine Beine und stöhnend taumelte er ein Stück zurück. „Touché!“ krächzte er, während er sich nach vorne beugte und versuchte wieder Luft zu bekommen.
Neraida atmete tief durch „Wer hier Belohnungen verdient, entscheide immer noch ich“. Sie griff nach ihrer Übungswaffe und wandte sich Leandro wieder zu „Wollt ihr eure Übungsstunde heute vielleicht ein klein wenig früher beenden?“ und ihre Stimme triefte nur vor Ironie. Vorsichtig richtete er sich wieder auf, hielt aber immer noch eine Hand in seinem Schritt „Mhm.“ brachte er hervor und nickte. „Tschuldigung“, nuschelte er noch hintendrein und reichte ihr seine Übungswaffe, ehe er langsam abtrottete.



Irgendwann in Donnerbach

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:14:12

Es war so schrecklich kalt in dieser Nacht. Aber die Arbeit musste erledigt werden. Die Lederhandschuhe wärmten die Finger kaum, weswegen sie sich für den Weg dorthin noch einen dieser schrecklichen Wollmuffs von den Bornländern geliehen hatte. Mit dem warmen Umhang, wirkte sie nun fast, wie eine Dame, die sich zu einer viel zu späten Stunden in den Straßen verirrt hatte. Die Wache war gerade vorbei, es würde noch eine geraume Weile dauern, bis ihr Weg wieder hier vorbei führte. In Gareth war vieles einfacher. Die Stadt so groß, dass man auf Wachen und ihre allnächtlichen Gänge kaum Acht geben musste. Da waren die, eigens von den reichen Familien angestellten, Wächter schon schlimmer. Aber die Gilde sorgte immer für gute Informationen, im Gegenzug zu manch anderer Information, an die sie nicht so leicht kämen.
Wäre es doch in Donnerbach so einfach. Die Rondrianer waren ziemlich auf Zack! Dafür hatte Donnerbach andere Vorzüge! Hier wurden die Bürgersteige nicht hochgeklappt. Was nicht zuletzt daran lag, dass es gar keine gab! Aber über nächtliches Gesindel machte man sich hier weniger Sorgen. Der Salamander war bekannt dafür, bis tief in die Nacht noch Gäste zu haben, die irgendwann durch die Straßen auch wieder zurück nach Hause mussten. Und da lag auch gerade ihr Problem! Man wusste nie, ob nicht im nächsten Moment jemand um die Ecke kam, der einen bei Dingen beobachtete, die er besser nicht beobachtet hätte!
Aber für alles gibt es Lösungen. Für diese Aufgabe reichte der Mantel und der Muff um sie nicht wie eine Gesetzesbrecherin aussehen zu lassen.
Die Schritte der Wache waren verklungen. In der dunklen Gasse regte sich nichts mehr. Nicht einmal Ratten wagten sich bei dieser Kälte noch hier raus! Sie musste schnell sein, wenn sie nicht ihre Finger verlieren wollte.
Der Muff verschwand, zusammen mit dem dicken Mantel, in ihrem Beutel, der gut versteckt in einer Ecke der Gasse seinen Platz fand. Schnell huschte sie zur gegenüberliegenden Wand. Eine nur zwei Schritt hohe Mauer, die das Haus einmal rings um umschloss. Wenn sie hier hinüberkam, stünde sie im Kräutergarten, der jetzt sowieso leer war. In Donnerbach machte man sich wenig Gedanken um Gesindel, sonst wäre die Mauer viel glatter verfugt worden. So war es ein leichtes, sich hoch zu ziehen. Dennoch musste es schnell gehen! Sie merkte schon jetzt wie ihre Finger von der Kälte steif wurden.
Mit einem kleinen Satz landete sie in dem kleinen Garten. Das Haus lag ganz dunkel da. Licht war auch nicht nötig. Sie wusste genau, wie viele Schritte es brauchte um an der kleinen Tür zu sein. Auch wenn sie sich immer ein wenig komisch vorkam, sie schloss die Augen, während sie gedanklich die Schritte abzählte, die sie ging. Vorsichtig streckte sie ihre Hand aus. Da war die Tür zur Küche! Während ihre linke Hand bereits nach dem Werkzeug suchte, tastete die Rechte nach dem Schloß. Es durfte nicht gefroren sein und sie rief in Gedanken noch einmal ihren Herrn an, dass er bloß ein gutes Wort bei Firun eingelegt hatte, um seinen eisigen Atem an der Tür vorbei zu lenken!
Es dauerte keine Minute, bis die Türe aufging. Der Boden war gefroren aber es lag kein Schnee. So brauchte sie sich wenig Gedanken um Spuren zu machen. Sie lauschte kurz, doch im Haus regte sich nichts. Es war auch mehr als unwahrscheinlich, war der Eigentümer doch alt und fast schwerhörig. Zumindest glaubte man das von ihm. Sie war sich selber nicht so sicher, ob das stimmen konnte. Der Auftrag wäre nicht erteilt worden, wenn man sich nicht sicher gewesen wäre, dass mehr dahinter steckte!
Wieder wurden die Augen geschlossen und Schritte gezählt. Alles war ganz genau, wie es sein sollte. Die nächste Türe nur ein winziges Stückchen beim öffnen anheben, damit sie nicht quietscht. Die Informationen waren erstklassig, daran bestand kein Zweifel. Vorsichtig schob sie sich durch den schmalen Flur, fünf Schritte bis zur Treppe. Sie hielt den Atem an. War dort nicht ein Geräusch? Sie lauschte noch einmal, ehe sie sich wieder auf ihre Augen verließ um nach einem verräterischen Licht zu suchen. Es war viel wärmer hier drin, als sie angenommen hatte. Das war nicht schlecht. Ihre Hände tauten wieder auf. Zwölf schmale Stiegen lagen vor ihr. Auf der vorletzten hielt sie wieder inne. Da waren Geräusche! Sie war sich sicher. Geräusche die sie nicht zuordnen konnte! Es war kein Schnarchen zu hören, so, wie es immer zu hören war – wie ihr versichert worden war. Nicht einmal tiefes Atmen. Aber vielleicht war sie dafür auch noch zu weit weg?
Sie konnte nicht noch länger hier herum stehen. Nichts machte den Anschein, dass der Herr des Hauses wach war. Vielleicht war es ihre Nervosität. Sie hoffte es! Die Türe zum Schlafgemach war verschlossen. Wie immer. Sie musste nur daran vorbei in das nächste Zimmer.
Noch einmal atmete sie durch, so lautlos wie möglich. Dann zählte sie in Gedanken wieder die Schritte ab und öffnete die Türe des Arbeitszimmers.
Alles war und blieb still. Als sie die Türe leise hinter sich geschlossen hatte, machte sie Licht. Die Blendlaterne war die sinnvollste Anschaffung die sie in letzter Zeit gemacht hatte! Schnellen Schrittes ging sie um den Schreibtisch herum, suchte wieder nach ihrem Werkzeug und versuchte sich am Schloss der kleinen Schublade. Sie wusste, dass es schwer werden würde. Es war ein teures Zwergenschloss und die Dinger waren fast unaufmachbar! Aber eben nur fast. In Gedanken verhandelte sie mit ihrem Herrn, dann konzentrierte sie sich wieder auf ihre Aufgabe. Sie war zum Glück in Übung, hatte sie doch an Meister Thorins Tür üben dürfen! Dennoch brauchte es Zeit. Und davon hatte sie schon viel zu viel in diesem Haus verbracht.
Mit einem leisen klicken sprang das Schloss dann doch auf. Wieder lauschte sie angestrengt, ob nun verdächtige Geräusche zu hören waren. Warum war sie heute bloß so zappelig, als mache sie eine solche Arbeit das erste Mal? Etwas stimmte hier nicht! Sie sollte sich noch viel mehr beeilen!
In der Schublade fand sie die Dokumente. Ein kurzer Blick darauf verriet ihr, dass es die richtigen waren. Ob sie den Beutel ebenfalls mitnehmen sollte? Wieder der Gedanke, dass etwas nicht stimmen würde und sie zu lange überlegte. Ob viel in dem Beutel war? Sie könnte es gut gebrauchen. Die Geschäfte liefen gerade etwas schleppend. Konzentrieren! Sie streckte die Hand nach dem Beutel aus, als sie ein dumpfes Geräusch vernahm.
Schnell zog sie ihre Hand zurück, drückte so leise wie möglich die Schublade zu und schloss die Blenden der Laterne.
Luft anhalten.
Warten.
Lauschen!
Es war nur ein kurzes Geräusch und es hatte sich angehört, als hätte sich jemand aufgesetzt oder im Schlaf umgedreht? Diese Nervosität machte sie wahnsinnig!
Aber es war kein weiteres Geräusch zu vernehmen. Sie löschte die Laterne wieder und wartete einen Moment, bis ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Vorsichtig ging sie wieder um den Schreibtisch herum. Die Schritte bis zur Türe abzählen, dann noch einmal innehalten und die Türe einen Spalt öffnen. Es war kein Licht zu sehen, kein Ton zu hören. Sie schlüpfte durch die Türe hinaus um wieder zurück zur Treppe zu gehen. An der Tür zum Schlafzimmer verharrte sie. Waren das Stimmen? Sie hielt die Luft an und lauschte. Ja, ganz deutlich. Zwei Stimmen flüsterten. Dann wurde eine Stimme lauter. Eine Männerstimme, die sie nicht kannte. „Wo ist das Arbeitszimmer nun? Du hättest ihn vorher fragen sollen und nicht nachdem er hier schon liegt!“
Sie schloss die Augen. Nicht nachforschen, weiter. Sie ging die Treppen hinunter ohne sich groß zu bemühen, besonders leise zu sein. Sie hatte, was sie wollte. Draußen könnte sie immer noch beobachten. Oben ging die Türe auf und das wenige Licht reichte aus, um sie erneut zu blenden. Mit einem Satz war sie um die Ecke. Oben hörte man eine leise Stimme, aber was sie sagte, konnte sie nicht verstehen. Sie hörte nur noch ihren eigenen Herzschlag und ihre Gedanken, dass man sie hoffentlich nicht bemerkt hatte. Weiter lauschen in die Dunkelheit. Kamen Schritte die Treppe hinunter? Nichts regte sich.
Eine gefühlte Ewigkeit verharrte sie, dann hörte sie fast wie eine Erlösung die Tür des Arbeitszimmers. Leise sog sie Luft ein und schlich weiter Richtung Küche. Sie öffnete die Türe, was der Türe ein knarren entlockte. Sie schloss die Augen, fing an in Gedanken zu zählen, doch da hörte sie schon die Stimme „Unten ist jemand!“ rufen. Jetzt war Eile geboten und Leise sein vergessen!
Sie rannte durch die Küche zur Tür, stoppte sich aber und versuchte sie leise zu öffnen und genauso leise wieder zu schließen. Wenn sie Glück hatte lohnte es sich und die Verfolger würden zuerst an der Vordertüre nachsehen. Sie drehte sich um und gab Fersengeld Richtung Mauer. Doch sie war noch keine zwei Schritte weiter, da hörte sie, wie hinter ihr die Türe aufgerissen wurde.
Noch ehe der Verfolger zu ihr aufschließen konnte, war sie auf der Mauer und darüber hinweg. Der Verfolger hatte Schwierigkeiten. Eher ein Schläger, denn ein Mann vom Fach. Ihr Glück. So schnell sie konnte, lief sie zu ihrem Beutel, klemmte ihn sich unter den Arm und suchte das Weite.

Ihr Gefühl hatte sie nicht betrogen. Etwas stimmte ganz und gar nicht!



Neris Brief an Juan

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:13:52

# ein gefalteter Zettel, aussen steht in einer relativ sauberen Handschrift:
An den Kussdieb
überreicht am Abend des: 07. Tsa 1032 BF
Dabei liegt ein Ring, der hoffentlich die richtige Größe für Juan hat 😉
http://www.goldschmiede-rottler.de/Mittelalter/Ubersicht/liebring.jpg

Wer noch nicht all zu viel wissen will von dem was gerade in Donnerbach passiert sollte diesen Eintrag definitiv NICHT lesen.

#innenteil:

Liebster Juan,
ich weiß gar nicht was ich dir alles schreiben soll und wie ich es formulieren soll. Schließlich wird das hier mein erster Liebesbrief. Aber ich bemühe mich sehr, denn vielleicht ist es auch der Letzte den ich schreibe.
Fangen wir mit dem wichtigsten an: Sorge dich nicht! Vielleicht bin ich schon heute Nacht wieder an deiner Seite. Aber wer ausser die Götter weiß das schon?

Ich weiß wie einfach das geschrieben ist, Juan, aber meine Sorge ist zu groß und meine Angst, dass wir uns doch nicht mehr wiedersehen ebenso.
In Donnerbachs Schatten ist es gefährlich! Es sind keine leeren Worte, die der Herold verkündete, sondern bitterer Ernst. Ich kann und will nicht niederschreiben worum es geht – nicht, so lange nicht klar ist, dass ‘wir’ siegen werden.
Noch nie hatte ich das bittere Gefühl, dass der Feind Überhand haben könnte, aber es war auch nie jemand da von dem ich mich hätte verabschieden müssen. Es war immer umgekehrt und da ich weiß was für ein Gefühl das ist, will ich dich nicht so im Unklaren lassen, wie ich es oftmals war.

Aber ich will keine Zweifel sähen, dass wir am Ende nicht siegen! Wir sind viele. Die Kirchen arbeiten Hand in Hand und du wirst mit Sicherheit davon erfahren.
Ich schreibe dir, weil ich mich gut kenne und weiß, dass ich nicht in der hinteren Reihe stehen bleiben kann, wenn vorne die Schlacht tobt.

Es gibt so viele Dinge die ich dir noch erzählen möchte, noch so viel was ich mit dir gemeinsam erleben oder durchstehen möchte. So viele Fragen die in meinem Kopf schwirren, aber je mehr du mir davon beantwortet hättest um so weniger leicht würde es mir fallen, heute Abend zu gehen.

Ich kann nicht beschreiben wie glücklich du mich machst, wie stolz ich auf dich und deine Arbeit an der Scheune bin. Führe es weiter, halte durch komme was da wolle. Ich weiß du schaffst das. Und lass dich niemals von deinem Weg abbringen!
Eins noch: Du warst immer in meinem Herzen und wirst auch auf Ewig einen Platz dort haben, komme was wolle. Und wenn ich wieder da bin, werde ich dich auf gar keinen Fall je wieder hergeben! Ich brauche dich auch!

Wünsch mir Glück! Und bete zu Rahja, dass sie Phex heute abweist, damit er ein Auge auf mich werfen kann.

In der Hoffnung heute Abend schon wieder in deinen Armen zu liegen und in tiefster Liebe
Deine Neri

P.S.: Und wag dich nicht deinen hübschen Hintern heute noch raus zu bewegen!



Neraida V

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:13:22

Wir müssen in der Zeit etwas zurückspringen um folgende Jahre in Gareth erklären zu können.
Ich erzählte bereits von dem Händler mit dem Neraida sich angelegt hatte.
Scroog war sein Name. Er hatte einen Partner, der sich aber weitestgehend nach außen hin heraus hielt. Vielleicht hatte Neraida ihn dazu getrieben zu solchen Mitteln zu greifen, zumindest aber gab sich Neraida bald die Schuld daran. Der Gott ohne Namen schlägt halt schnell zu wenn Zweifel sich breit machen, wenn unphexische Geschäfte geschlossen werden, wenn sich die Chance eben ergibt. Und so war es bei Scroog, dass er den Purpurnen Zutritt gewährte. Mit Hilfe aller Freunde und Bekanntschaften die Neraida sich in all den Jahren in Gareth erarbeitet hatte, gelang es am Ende Scroog und die Geweihten des Namenlosen zu schlagen. Aber nicht ohne Verluste. Zu viele mussten ihr Leben lassen. Noch dazu hatte sich Scroogs Partner absetzen können.
Auch deswegen war es Zeit für Neraida fort zu gehen. Donnerbach war eine gute Ablenkung, auch wenn sie wusste, sie konnte sich nicht ewig dort verstecken.
Jetzt war sie wieder dort und es schien eine geraume Weile ruhig zu bleiben. Die Gruppen deren Streit Neraida schlichten konnte, verhandelten auch ohne sie. Erlan hatte wieder eine neue Schülerin – seine eigene Tochter, die endlich ihren Weg zu ihm gefunden hatte. Sogar eine Freundin war dazu gekommen. Die Tochter des Führers des Bettlerorden heiratete jemanden aus dem Bornländer Viertel. Neraida hatte die Beiden zusammen gebracht, ohne, dass sie sich dessen bewußt gewesen wäre. Alles in allem, gab es einfach nicht mehr so viel zu tun, wie einst. Und so kümmerte sie sich um den Tempel im Südquartier und immer klarer wurde für alle, welche Rolle sie spielte. So klärte sie bald schon nur noch die üblichen Streitigkeiten, übernahm gar gänzlich die Rolle der Geweihten und versteckte es kaum noch. Hätte sie ihre Robe getragen, es hätte niemanden gewundert.

Doch dann änderte sich schlagartig alles. Dracon, der Partner Scroogs, tauchte wieder auf. Niemand hatte das ahnen können. Keiner hat in dieser Nacht besondere Vorkehrungen getroffen. Es ging blitzschnell und nur dank der Träume, die Neraida bis heute begleiten, konnte das Schlimmste verhindert werden.
Es war ein Überfall auf den ehemaligen Laden Scroogs, den mittlerweile ein guter Freund und Händler bei dem Neraida gelernt hatte, führte. Er war der erste auf der langen Liste der Toten dieses Abends. Viele folgten.
Am Ende siegte Phex, doch zu welchem Preis? Erlan – erschlagen, der halbe Bettlerorden – verblutet, sogar die Boronkirche war machtlos. Die Garde, die zur Stelle eilte wurde niedergemäht. Erst als alle Gruppen des Südquartiers vor Ort waren und Seite an Seite gegen diese Macht kämpften, lichtete sich das Trauerspiel.
Neraida selbst überlebte es. Gerade noch rechtzeitig wurde sie aus dem Haufen Sterbender oder bereits Toter raus gefischt und im Perainetempel geheilt. Doch heilen innere Wunden nicht wenn man sie nicht behandelt. Und können nicht behandelt werden, wenn niemand davon erfährt.

Vielleicht hätte sie bemerkt, dass niemand ihr die Schuld gab, vielleicht hätte sie gelernt damit umzugehen – stattdessen flüchtete sie. Vor sich selbst konnte sie es nicht, aber vor all den Anderen wenigstens. Sie ging nie wirklich fort, aber sie machte sich rar, verschanzte sich und übergab das Ruder anderen.
Thies, einer der wenigen engen Freunde die das Gemetzel überlebt hatten, mauserte sich in der Zeit und wurde selbst, wenn auch sehr spät, von Phex erwählt.
Es vergingen gut zwei Jahre in denen sich Neraida soweit zurück gezogen hatte, dass sich die Vogtvikarin selber Neraida vornahm. Es konnte nicht so weiter gehen. Erlan war bei Phex und es wurde Zeit, dass sie sein Erbe annahm. Sie – Neraida sollte das Erbe antreten? Der kleinste Tempel des Phex in Gareth – vermutlich – und sie sollte ihn leiten? Nach alldem? Nein! Es war nicht mehr ihr Feld. Thies hatte es unlängst übernommen und so war es auch nicht schwer den Vorschlag zu unterbreiten und Thies an ihre Stelle zu setzen. „Finde dich wieder!“ waren die letzten Worte der Vogtvikarin und so packte Neraida ihr Hab und Gut und beschloss endlich einmal wieder in ihre Heimat zu gehen. Doch dazu sollte es nicht kommen.



Neraida IV

Geschichten Posted on Tue, June 26, 2012 14:13:05

Viele Jahre gingen ins Land und wir befinden uns mittlerweile im Jahre 1028 BF.
Neraida hatte mittlerweile viel in Gareth kennen gelernt, gemeistert und hinter sich lassen müssen. Darunter war ebenso erfreuliches wie trauriges.
Das Thema Männer hatte sie nun endgültig hinter sich gelassen und für sich entschieden, dass Rahja nichts für sie war. Sie war alleine und das war genau richtig. So konnte sie tun und lassen was sie wollte. Dabei merkte sie nicht einmal wie viele sie mit ihrer einfachen Art schon um den Finger gewickelt hatte, sondern erfuhr es immer erst als Letzte. Einige wandten sich ab, andere wurden zu sehr engen Freunden.
Und eben wegen diesem Thema, reisen wir nun mit ihr nach Donnerbach. Dem Ort wo sich wieder alles ändern würde. Der Ort der Verrückte machte.
Dabei fing alles ganz harmlos und nett an. Sie war wie eh und je. Mischte mit wo es ging und hielt sich raus, wo sie es für besser hielt. Ständig war irgendwo etwas los. Auf offener Straße knutschte der Thorwaler die Südländerin, mitten in der Taverne stritten sich Söldner mit Magiern. Es war anders und das sah man deutlich.
Und von alldem irgendwie in den Bann gezogen, lernte Neraida jemanden kennen. Ein Spieler aus Ferdok. Es war das erste Mal, dass Neraida sich von einem Mann angezogen fühlte. Es war die Zeit ihres ersten Kusses und das obwohl sie schon 28 Lenze zählte. Man mag ihr das Alter nicht angesehen haben und sie konnte es das ein oder andere Mal zu ihrem Vorteil nutzen.
Aber kommen wir zurück zu diesem Mann der es tatsächlich schaffen sollte, Neraida für sich zu gewinnen. Es sollte nämlich gar nicht lange halten. Eigentlich wollte er ja nur eine kurze Reise machen. Einem Freund zur Seite stehen, der in Not geraten war. Doch von dieser Reise kehrte er nur knapp zurück. Schwach, krank, von Wunden die niemand außer den Göttern zu verheilen mochte. Doch zu schwer lag wohl die Last des Geschehenem auf ihm. Neraida kümmerte sich um ihn, blieb länger in Donnerbach als sie wollte und pflegte ihn. Es half nichts. So plötzlich wie er in ihr Leben getreten war, war er auch wieder verschwunden.
Doch Phex wollte seiner Lieblingsschwester wohl noch eine Chance geben. Dieses Mal schickte sie gleich zwei Männer. Ein alter Almadaner und ein düsterer Magier traten in Neraidas Leben. Der eine drohte es sich mit ihr zu verscherzen in dem er sie ungefragt küsste, der andere erschreckte sie fast zu Tode.
Doch wäre es nicht Rahja, wenn sich daraus nicht Geschichten entwickeln sollten.
Es entwickelten sich Freundschaften die mit Sicherheit bis ans Ende ihrer Tage halten sollten. Doch wieder kam es ganz anders als es sollte.
Es hätte unterschiedlicher nicht sein können. Juan der Söldner – um einiges älter als Neraida, ein glühender Verehrer der Rahja, ein Lebemann und in allen Dingen einfach ein Schatz und nicht umsonst eilte ihm der Ruf eines Weiberhelden vorraus; Majin der Magier – düster, kalt und nur schwer für andere Menschen zu begeistern. Aber Neraida schaffte es, wie auch immer sie das tat. Mit Juan teilte sie Rahjas Freuden, mit Majin Hesindes Gaben. Es hätte nicht besser sein können. Aber drei sind nun mal einfach einer zu viel. Majin und Juan verstanden sich nicht und würden es vielleicht auch nie. Gegenseitig wollten sie sich beweisen, dass Neraida ‘ihre’ war. Dabei war sie doch nur Neraida, einfach Neraida. Sie wollte niemandem gehören und auch niemanden besitzen. Es war sicher: Sie war zu lange fort aus Gareth. Und so zog sie ohne ein Abschiedwort weiter.

Zurück nach Gareth, einige Zeit später. Ob es Rahja war oder Phex kann niemand sagen. Aber sie traf Majin mitten in der größten Stadt Aventuriens wieder. Vielleicht war der Grund warum sie sich ihm nun auch für eine Nacht hergab, dass er ihr mitteilte, dass er bald heiraten würde und deswegen durch Gareth reiste. Vielleicht wollte sie aber nur Gewissheit nichts verpasst zu haben. Es war eine wunderschöne Nacht und es war eine Erfahrung. Letztlich schmerzte es aber doch nur, denn Erinnerungen an einen gewissen Weiberheld, fern in Donnerbach kamen wieder auf.
Aber ihre Entscheidung stand. Gareth brauchte sie und so würde sie nun die nächsten Jahre dort verbringen.



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